Neuseeland Abgeordnete setzen Zeichen für Gleichberechtigung

"Was für einen Unterschied 113 Jahre machen!": Nach Einführung des Wahlrechts für Frauen hat sich die neuseeländische Politik verändert - aus dem Männerklub ist eine Frauenrunde geworden, zumindest auf einem Foto.

Neuseeländische Abgeordnete
AP

Neuseeländische Abgeordnete


Abgeordnete in Neuseeland haben ein Bild des Parlaments von 1905 nachgestellt. Der Unterschied: Während auf dem schwarz-weißen Bild von vor mehr als hundert Jahren ausschließlich Männer zu sehen sind, sind heute Dutzende Politikerinnen in der Bibliothek des Parlaments versammelt. "Was für einen Unterschied 113 Jahre machen!", twitterte Ministerin Gloriz Ghrahraman. Die Abgeordneten feiern damit das 125-jährige Wahlrecht für Frauen in ihrem Land.

Das wurde am 19. September 1893 eingeführt - damit wurde Neuseeland zum ersten Land weltweit, in dem auch Frauen ihre Stimme an den Urnen abgeben durften. "Neuseeland ist ein progressives Land. Wir erneuern gerne und haben keine Angst davor, unsere Meinung zu sagen", erklärt die Ministerin für Naturschutz, Eugenie Sage, die Grundhaltung der Neuseeländer.

Zusätzlich zu ihrem eigenen Posten vertritt Sage derzeit Frauenministerin Julie Anne Genter im Amt. Genter sorgte im vergangenen Monat für Schlagzeilen, als sie für die Geburt ihres ersten Kindes mit dem Fahrrad ins Krankenhaus fuhr. Auch Regierungschefin Jacinda Ardern legte kürzlich eine Babypause von sechs Wochen ein. Die Regierungsgeschäfte übernahm ihr Stellvertreter Winston Peters. Insgesamt sind 149 Frauen bislang ins Parlament gewählt worden.

Laut einem Ranking des Weltwirtschaftsforums WEF zu den Unterschieden zwischen Mann und Frau aus dem Jahr 2017 liegt Neuseeland auf Rang 9, drei Plätze vor Deutschland, aber hinter den Spitzenreitern Island, Norwegen und Finnland, wo die Differenzen am geringsten sind. Bei der politischen Beteiligung wird Neuseeland ebenfalls weit überdurchschnittlich bewertet.

Seit der Parlamentswahl 2017 sitzen 46 Frauen im neuseeländischen Parlament, das ist ein Anteil von 38,4 Prozent. Die erste Abgeordnete zog 1933 ins Parlament ein. Im Deutschen Bundestag liegt der Frauenanteil bei 30,9 Prozent (wie Abgeordnete das ändern wollen, lesen Sie hier).

Dennoch müssen auch Neuseeländerinnen immer wieder aufs Neue gegen Widerstände ankämpfen. Ardern etwa musste sich schon bei ihrem Antritt als Chefin der Labour-Partei die Frage nach dem Kinderwunsch gefallen lassen. Dass man Frauen im Beruf heute noch solche Fragen stelle, sei "völlig unannehmbar", sagte die damalige Oppositionsführerin.

In den meisten anderen westlichen Demokratien erhielten Frauen erst in den Jahren nach dem Ende des Ersten Weltkrieg das Wahlrecht, in Deutschland etwa im November 1918. Schweizerinnen mussten bis 1971 warten.

vks/dpa



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