Neuseeland Interview mit schwangerer Regierungschefin sorgt für Empörung

Details zur Schwangerschaft sind etwas sehr Privates - eigentlich. Die neuseeländische Premierministerin Jacinda Ardern musste im australischen Fernsehen peinliche Fragen über sich ergehen lassen.

Jacinda Ardern (Archivbild)
AFP

Jacinda Ardern (Archivbild)


Die neuseeländische Premierministerin Jacinda Ardern ist seit einigen Monaten Regierungschefin. Mehr noch als ihre politische Agenda scheint die Öffentlichkeit aber ihr Privatleben zu interessieren; zumindest ließe sich das aus einem Interview des australischen TV-Formats "60 Minutes" schließen.

Interviewer Charles Wooley kommentierte nicht nur das Äußere der Politikerin, sondern fragte die 37-Jährige auch zur Geburt des Kindes - und danach, wann genau sie es mit ihrem Partner gezeugt habe.

"Ich habe schon viele Premierminister getroffen, aber keiner so jung und so klug, und keiner war jemals so attraktiv", sagte Wooley zu Beginn der Sendung über die Politikerin. Später ging es so weiter: "Eine wirklich wichtige politische Frage muss ich Ihnen stellen: Wann genau wird das Baby geboren?", fragte Wooley Ardern und ihren Partner Clarke Gayford. "Das ist interessant, weil nun viele Leute zurückrechnen, wann das Baby gezeugt wurde", ging es weiter.

Ardern, sichtlich überrascht, antwortete, das Kind sei nach den Wahlen gezeugt worden. "Ich möchte da aber nicht weiter ins Detail gehen."

"Unglaublich schmerzhaft", kommentierte ein Twitter-Nutzer das Interview. Ein anderer schreibt: "Warum hat '60 Minutes' ihren merkwürdigsten Interviewer zu Jacinda Ardern geschickt? Igitt." Eine Frau schreibt, sie habe vergeblich darauf gewartet, dass es sich in dem Interview um Politik drehen würde. "Alles, was kam, waren sexistische Kommentare und Baby-Talk."

Die australische Autorin Belinda Barnet entschuldigte sich bei den Neuseeländern. "Man kennt das: Jeder hat so einen komischen Onkel, dem man auf Weihnachtsfeiern aus dem Weg gehen will. Entschuldigung, dass wir ihn zu euch geschickt haben, um die Premierministerin zu interviewen."

Auf ihrem Facebook- und Twitter-Account hatte die neuseeländische Regierungschefin ihre Schwangerschaft im Januar öffentlich gemacht. "Unser Team wächst von zwei auf drei", schrieb Ardern. Wie viele andere Eltern würden auch sie künftig zwei Dinge unter einen Hut bringen - die Politik und das Elternsein. Ihr Partner, der eine eigene Angelsendung im TV hat, werde "der First Man des Fischens" sein und "Hausmann".

In einer weiteren Erklärung teilte Ardern mit, sie nehme ihre Pflichten als Premierministerin genauso ernst wie die als Mutter. Nach der Geburt wolle sie sechs Wochen lang eine Auszeit nehmen, in dieser Zeit werde der stellvertretende Premierminister Winston Peters die Regierungsgeschäfte übernehmen. Er ist der Vorsitzende von Arderns Koalitionspartner New Zealand First (NZF). Von ihrer Schwangerschaft habe sie am 13. Oktober erfahren, sagte Ardern - nur wenige Tage später wurde sie als Ministerpräsidentin vereidigt.

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Jacinda Ardern: "Premierministerin UND eine Mama"

Ardern ist eine von wenigen Regierungschefinnen, die während ihrer Amtszeit schwanger wurden. Benazir Bhutto war 1990 Pakistans Premierministerin, als sie ihre Tochter Bakhtawar bekam.

vks



insgesamt 34 Beiträge
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mariakar 26.02.2018
1. Wieso musste sie das über sich ergehen lassen?
Sie hätte ihn in seine Schranken weisen können. Und wenn sie das nicht wollte, einfach sagen, dass kaum eine Kind zum errechneten Zeitpunkt geboren wird (glaube es sind so 5 bis 6 %) und warum er das als Journalist nicht weiß?
family1 26.02.2018
2. Private-Life-Assaulted
Genauso wie bei Barnaby Joice, der Vice-Premier Minister von Australien , wird nun die neuseeländische Premierministerin Jacinda Ardern von der Presse "Private-Life-Assaulted" nenn ich das! This is disgusting ! (widerlich). Das Privatleben von Politiker gehoert nicht in die News. Genauso find ich das bei Donald Trump. Ich will doch nichts ueber seine Haarprobleme wissen ! Ich will lieber wissen wie sehr ihn Nord-korea beschaeftigt und nicht seine Eheprobleme mit Melania ...... das ist einfach widerlich !
StonyBrook 26.02.2018
3. Schon zum Einstieg
"...keiner war jemals so attraktiv..." muss sich der Journalist fragen lassen, ob er das auch gesagt hätte, wenn ein vergleichbar attraktiver Mann da gesessen hätte (z.B. Macron). Wenn nicht (und der Verdacht liegt leider nahe), dann ist die Bemerkung schon ganz einfach sexistisch.
madameping 26.02.2018
4. Das geht Sie gar nichts an, Herr Wooley!
Immer diese Einmischereien in fremde Privatsachen. Wann kommt das Kind? Was wird es denn? Warum haben Sie keine Kinder? Warum haben Sie Kinder? Geht's noch dreister und neugieriger? Privatangelegenheiten sind Privatangelegenheiten. Punkt.
gruenewiese 26.02.2018
5. @mariakar
Es ist also ihre Schuld? Das Problem ist doch, dass die Fragen überhaupt gestellt wurden!
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