Neuseelands Premierministerin Jacinda Ardern ernennt Minister für Abrüstung

Neuseelands Premierministerin hat ihre erste große Rede zur Außenpolitik gehalten. Nordkorea sei eine große Bedrohung, sagte Jacinda Ardern - und ernannte einen Minister für Abrüstung und Waffenkontrolle.

Jacinda Ardern (August 2017)
DPA

Jacinda Ardern (August 2017)


Es war die erste große Rede zur neuseeländischen Außenpolitik, die Premierministerin Jacinda Ardern seit ihrem Amtsantritt gehalten hat: Dabei kündigte sie am Dienstag in der Hauptstadt Wellington an, einen Ministerposten für Abrüstung und Waffenkontrolle zu schaffen. Winston Peters werde die Aufgabe übernehmen, sagte Ardern. Hintergrund seien die wachsenden Spannungen in der Region - ausgelöst durch Nordkoreas Atomprogramm.

Peters ist Vizepremierminister Neuseelands und Vorsitzender der Partei New Zealand First. Er war von 2005 bis 2008 Außenminister und hat das Amt seit vergangenem Oktober wieder inne.

"Die Gefahren für den weltweiten Frieden und für die weltweite Sicherheit nehmen zu", sagte Ardern, die der Labour-Partei vorsteht. "Die größte Herausforderung kommt derzeit aus Nordkorea." Atomwaffenfrei zu leben sei ein Teil davon, "wer wir als Neuseeländer sind".

Erst am vergangenen Freitag hatten die USA weitere Sanktionen gegen Nordkorea angekündigt. Am Montag stellte Uno-Generalsekretär António Guterres eine neue Initiative für weltweite Abrüstung vor. Steigende Rüstungsverkäufe und atomare Spannungen erforderten neue Bemühungen zur Eindämmung tödlicher Waffen, sagte er auf der Uno-Abrüstungskonferenz in Genf. Das von den Vereinten Nationen proklamierte Ziel einer atomwaffenfreien Welt bleibe angesichts von 150.000 Atomwaffen in aller Welt in weiter Ferne.

"Wenn wir handeln, dann tun wir das mit Anstand"

Neuseeland setzt sich seit Jahrzehnten für Abrüstung ein, einen eigenen Ministerposten hatte es dafür seit 2011 nicht mehr gegeben. Mitte der Achtzigerjahre hatte sich das Land zur atomfreien Zone erklärt - was zu diplomatischem Ärger mit den USA geführt hatte. Im Jahr 2016 hatte die Regierung in Wellington es dann zum ersten Mal seit 30 Jahren einem US-Kriegsschiff erlaubt, einen Hafen im Land anzulaufen.

Fotostrecke

8  Bilder
Jacinda Ardern: "Premierministerin UND eine Mama"

Ardern ist seit Oktober 2017 Premierministerin. Neben der Bedeutung der Abrüstung sprach die 37-Jährige nun noch weitere Themen an (die komplette Rede können Sie hier nachlesen): Sie kündigte an, dass sich ihre Regierung verstärkt dem Thema Klimawandel widmen werde. Zudem solle die Beziehung zu den Ländern in der Pazifik-Region intensiviert werden. "Kleine Länder brauchen Freunde. Wir werden unsere Partnerschaft mit alten Freunden stärken, die unsere Werte teilen."

Ihre Rede beendete Ardern mit den Worten: "Unser Ansehen weltweit ist hoch: Wenn wir uns äußern, dann sind wir glaubwürdig; wenn wir handeln, dann tun wir das mit Anstand."

aar/Reuters

insgesamt 5 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
zweifelturm 27.02.2018
1. Ardern als Vorbild
Merkel sollte sich an Ardern ein Beispiel nehmen. Nur - wo bekommt sie einen Minister für Abrüstung her? Einige werden sagen, dass vdLeyen das ja schon ganz gut hinbekommt. Es sollte aber doch schon ein Fachmann sein. Der EU täte ein Abrüstungskommissar auch ganz gut. Die Lobbyistenwalze muss man dann abkönnen. Bezeichnender Weise liegt aber Neuseeland am anderen Ende der Welt, weiter weg geht nicht.
lawrenceofbavaria 27.02.2018
2.
Ihre Rede beendete Ardern mit den Worten: "Unser Ansehen weltweit ist hoch: Wenn wir uns äußern, dann sind wir glaubwürdig; wenn wir handeln, dann tun wir das mit Anstand." Glückliches Neuseeland. Eine Staatschefin, die (wie ihre Vorgänger) im In- und Ausland nur die besten Interessen ihrer Bürger verfolgt und vertritt. Von Wellington aus gesehen könnten Berlin und Merkelland genauso gut auf einem anderen Planeten liegen.
lotharbongartz 27.02.2018
3. Beste Entscheidung unseres Lebens
Wir sind vor sieben Jahren mit unseren vier Kindern nach Neuseeland ausgewandert. Ich bin jeden Tag dankbar dafür, hier leben zu dürfen. Jacinda hat Recht, alle Formen von Gewalt müssen überwunden werden, wenn wir als Menschheit weiterkommen wollen.
Max Super-Powers 27.02.2018
4.
Neuseeland befindet sich in der äußerst komfortablen Position, sich solche Haltungen erlauben zu können. Das ist zum einen die geographische Lage, die Bevölkerungszahl und nicht zuletzt auch die recht geringe (welt-)wirtschaftliche Bedeutung des Landes Schuld. Natürlich ist es vollkommen illusorisch anzunehmen, dass der Mensch jemals ein friedliches Lebewesen würde, das nicht mehr aufeinander losgeht. Das war in mehreren zehntausend Jahren Menschheitsgeschichte nicht der Fall und wird es auch in Zukunft niemals werden. Aber naja, gönnen wir den Neuseeländern ihr kleines Utopia.
fatal.justice 27.02.2018
5. Fortunate New Zealand.
Die gesamte Welt wäre glücklicher, wenn sich alle Staaten dazu durchringen könnten, solcherart Staatsführungen zu installieren/wählen, welche dem Leben positiv zugewandt sind und einen humanistischen Idealismus vorleben, wie dies Frau Ardern bislang tat. Für die Bevölkerung der Inseln kann man sich nur freuen. Auch ein Grund dafür, dass die Zusammenarbeit mit neuseeländischen (auch australischen) Geschäftspartnern in aller Regel außerordentlich sympathischer Natur ist.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2018
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.