Telefon-Hack Neuseeland setzte Journalisten auf Ausspäh-Liste

Wurden auch Reporter in Krisengebieten gezielt Opfer von Spähaktionen? Das behauptet ein neuseeländischer Journalist, dessen Telefondaten offenbar in Afghanistan abgeschöpft wurden. Die Regierung in Neuseeland dementiert - muss aber die Existenz eines brisanten Aktenvermerks einräumen.

Journalist Stephenson: Schwere Vorwürfe gegen Verteidigungsministerium
AP

Journalist Stephenson: Schwere Vorwürfe gegen Verteidigungsministerium


Wellington - Jon Stephenson ist ein erfahrener Kriegsreporter. Ob Libanon, Irak oder Afghanistan - der Neuseeländer hat aus den meisten Krisengebieten der vergangenen Jahre berichtet. Nun ist er offenbar selbst in das Visier der Streitkräfte geraten. Der Reporter beschuldigt das neuseeländische Verteidigungsministerium, seine Telefonverbindungen bei einem Einsatz in Afghanistan abgehört zu haben.

Dabei hätten auch US-Geheimdienste geholfen, so Stephenson. Konkret geht es um die Metadaten von Gesprächen in der zweiten Jahreshälfte 2012. Zu dieser Zeit arbeitete der Journalist als freiberuflicher Korrespondent in Kabul unter anderem für den McClatchy-Medienkonzern. Mit seinen Reportagen über die grobe Behandlung von Häftlingen in den Gefängnissen der internationalen Schutztruppe hatte er für Aufsehen gesorgt. Unter anderem hatte er den Mitgliedern einer neuseeländischen Spezialeinheit Kriegsverbrechen vorgeworfen.

Stephenson veröffentlichte seine Vorwürfe in Aucklands "Sunday Star Times" ohne aber seine Quellen offenzulegen. In dem Bericht äußert sich Stephenson so: "Es ist ein himmelweiter Unterschied, ob ich eine wirkliche Gefahrenquelle überwache oder einen Journalisten, dessen Geschichten peinlich für mich werden könnten."

Als Teil der "Five Eyes"-Allianz pflegen die neuseeländischen Geheimdienste enge Kontakte zu ihren Kollegen in den USA, darunter auch die National Security Agency (NSA). Diese war im Zuge der Affäre um den Whistleblower Edward Snowden in die Schlagzeilen geraten, weil sie weltweit die Kommunikationsdaten von Millionen Bürgern abgeschöpft hat. Zu den "Five Eyes" gehören außerdem Großbritannien, Kanada und Australien.

Das Verteidigungsministerium in Wellington kündigte am Montag eine Untersuchung der Vorwürfe an. Bisher habe man aber keine Beweise für mögliche Abhöraktionen.

Allerdings musste Verteidigungsminister Jonathan Coleman gleichzeitig die Existenz einer brisanten Dienstanweisung einräumen. Laut dieser gehe von bestimmten investigativen Journalisten eine ähnliche Gefahr aus wie von ausländischen Geheimdiensten, Hackern oder Terroristen.

Laut dem internen Papier aus dem Jahr 2003 seien diese daher als Risiko einzustufen. Die Opposition in Neuseeland spricht bereits von einem groben Verstoß gegen die Pressefreiheit. Minister Coleman erklärte, er habe von diesem Vermerk erst am Wochenende erfahren. Der Passus sei "unangemessen" und müsse überarbeitet werden.

jok

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insgesamt 73 Beiträge
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Seite 1
dunkelmerkel 29.07.2013
1. Tja...
...lieber Herr Schily. So viel zum Thema Paranoid: Möchten Sie dazu irgendwas bemerken? Verstehen Sie nun, warum große Teile der Bevölkerung paranoid werden im Gegensatz zu Ihnen? Richtig. Wir stehen auf Demokratie. Schlagen Sie das mal nach, vielleicht können Sie mit diesem Konzept auch etwas anfangen.
citropeel 29.07.2013
2. demokratischer Ausverkauf
Ich kann die Gefahr nicht erkennen, die von Journalisten ausgeht, die über Missstände in Gefängnissen der NATO Truppen in Afghanistan berichten. Hier zeigt sich, warum beschwichtigende Kommentare von Politikern oder sogar abwiegelnde vone ehemaligen Politikern gefährlich sind für unsere demokratischen Prinzipien. Der Kreis der Terroristen oder der angeblichen Terroristen wird immer größer und größer. Und wenn jetzt schon Journalisten als gefährlich erachtet werden, nur weil sie kritisch berichten, zeigt wie unbelehrbar die Geheimdienste, wie wenig fähig zur Selbstreflexion sie sind und sind langsam aber sicher zur Gefahr entwickeln.
Waneser 29.07.2013
3. Paranoia
Mir scheint,wir befinden uns in der Götterdämmerung eines neuen Regierungszeitalters. Die Demokratie,wie wir sie kennen,ändert durch die neuen technischen Möglichkeiten ihr Gesicht. Welche Staatsform wohl die nächste ist,und ob das Verfassungsgericht bei uns dieses aufhalten kann? Eine"neue Elite" entsteht,die sich ihre Macht absichern will.
raphaela45 29.07.2013
4. Ein sehr gutes
...Beispiel dafür, um was es IN WIRKLICHKEIT geht: Journalisten, die über Unrecht berichten, sind eine "Gefahr" für diejenigen, die Unrecht begehen bzw. initiieren....Aufklärung ist eine "Gefahr" für die Interessen der Elite. Aufgeklärte Bürger sind eine "Gefahr"...Es geht nicht um "Terrorismus" sondern um die absolute Kontrolle und absolute Macht einer skrupellosen "Elite". Die echte "Gefahr" ist, daß die restlichen 99,999 Prozent der Weltbevölkerung noch die Chance nutzen (oder bekommen), deren ABSOLUTE Macht über alle anderen Menschen und alle Ressourcen im letzten Moment zu verhindern....Zur Ausschaltung dieser "Gefahr" sind alle Mittel recht: Abschaffung von Menschen- und Bürgerrechten, Destabilisierung ganzer Weltgegenden, Staatsterror (GLADIO u. a.), Lügen, Desinformation, Propaganda, Unterdrückung "gefährlicher" Informationen (siehe Michael Hastings u.a.), Geheimgerichte, geheime Tötungsanordnungen, völkerrechtswidrige Kriege, etc pp....Gleichschaltung der Medien (inklusive Ausschaltung "gefährlicher" Journalisten, Blogger, etc) ist auf dem Weg zur Weltregierung ein genauso "notwendiger" Schritt wie Einrichtung des ESM als Zwischenschritt, Abschaffung von Demokratie, Menschen- und Bürgerrechten...Bald dürfen wir alle nur noch den Mund aufmachen, um ihn mit Genfraß von Monsanto zu befüllen und um MÄH zu sagen: Das ist die schöne neue Welt(-ordnung).
raphaela45 29.07.2013
5. Ein sehr gutes
...Beispiel dafür, um was es IN WIRKLICHKEIT geht: Journalisten, die über Unrecht berichten, sind eine "Gefahr" für diejenigen, die Unrecht begehen bzw. initiieren....Aufklärung ist eine "Gefahr" für die Interessen der Elite. Aufgeklärte Bürger sind eine "Gefahr"...Es geht nicht um "Terrorismus" sondern um die absolute Kontrolle und absolute Macht einer skrupellosen "Elite". Die echte "Gefahr" ist, daß die restlichen 99,999 Prozent der Weltbevölkerung noch die Chance nutzen (oder bekommen), deren ABSOLUTE Macht über alle anderen Menschen und alle Ressourcen im letzten Moment zu verhindern....Zur Ausschaltung dieser "Gefahr" sind alle Mittel recht: Abschaffung von Menschen- und Bürgerrechten, Destabilisierung ganzer Weltgegenden, Staatsterror (GLADIO u. a.), Lügen, Desinformation, Propaganda, Unterdrückung "gefährlicher" Informationen (siehe Michael Hastings u.a.), Geheimgerichte, geheime Tötungsanordnungen, völkerrechtswidrige Kriege, etc pp....Gleichschaltung der Medien (inklusive Ausschaltung "gefährlicher" Journalisten, Blogger, etc) ist auf dem Weg zur Weltregierung ein genauso "notwendiger" Schritt wie Einrichtung des ESM als Zwischenschritt, Abschaffung von Demokratie, Menschen- und Bürgerrechten...Bald dürfen wir alle nur noch den Mund aufmachen, um ihn mit Genfraß von Monsanto zu befüllen und um MÄH zu sagen: Das ist die schöne neue Welt(-ordnung).
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