Neuwahlen in Italien: Monti will Merkel-Image loswerden

Der zurückgetretene italienische Ministerpräsident Mario Monti versucht sich an einer Image-Korrektur: Seine Politik unterscheide sich deutlich von der Angela Merkels in Deutschland. Eine Gemeinsamkeit gibt es dann doch.

Merkel und Monti (im Juni): "Wir teilen uns den Anfangsbuchstaben M" Zur Großansicht
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Merkel und Monti (im Juni): "Wir teilen uns den Anfangsbuchstaben M"

Rom - In Italien hat der Wahlkampf schon begonnen, auch wenn der scheidende Ministerpräsident Mario Monti seine Kandidatur noch nicht offiziell gemacht hat. Trotzdem bringt er sich bereits in Position - und versucht, sich von Bundeskanzlerin Angela Merkel abzugrenzen.

"Unsere Politik gleicht sich ganz und gar nicht", sagte Monti am Sonntag vor Journalisten in Rom. Die Lage beider Länder sei unterschiedlich. "Wir legen mehr Gewicht auf Wachstum als Frau Merkel", sagte er. "Wir legen im Inneren mehr Gewicht auf die Liberalisierung des Handels als Deutschland."

"Wir teilen uns den Anfangsbuchstaben M", sagte der parteilose Wirtschaftsprofessor. "Frau Merkel wird ihre ganz maßgebliche AM-Agenda haben. Sie ist anders als die MM-Agenda." Den Vorwurf der Deutschland-Hörigkeit wies Monti mit einer Anekdote zurück, die sich am Rande der Verleihung des Friedensnobelpreises an die Europäische Union in Oslo zugetragen haben soll.

"In Italien wirft man mir vor, Frau Merkels Sklave zu sein", will er dort Kollegen berichtet haben. Daraufhin hätten Angela Merkel, EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso und EU-Ratspräsident Hermann Van Rompuy gelacht. Schließlich werde er, so jedenfalls seine Einschätzung, als einer der wenigen im Europäischen Rat angesehen, die es wagen, andere Meinungen zu äußern. Manchmal würden diese sogar in Entscheidungen einfließen.

Monti würde sich bei seiner Sparpolitik den Vorgaben aus Berlin beugen und "nach Brüssel kriechen", hatte sein Vorgänger Silvio Berlusconi geätzt. Monti konterte nun: "Jahrelang hatten wir leider eine italienische Regierung, die sehr, sehr große Schwierigkeiten hatte, ihre Stimme in Europa hörbar zu machen." Er verstehe also, warum es jetzt Unmut gebe, da sich dies geändert habe. Monti hatte am Samstag nach 13 Monaten im Amt seinen Rücktritt erklärt.

ore/dpa

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insgesamt 7 Beiträge
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1. Die pathogene Frau Merkel
Blindleistungsträger 23.12.2012
Wer mit ihr zu tun hat, ist so gut wie erledigt. Die Liste derer, die diese Wirkung erfahren haben, wird immer länger. Nun hat es also auch Mario Monti erwischt. Da kommt jede Hilfe zu spät ...
2. ich verstehe die Italiener, ich als Deutscher
anonym187 23.12.2012
schäme mich für unsere Bundeskanzlerin und ihre Regierungsmitläufer! Ich hoffe aber, dass die Italiener schlau genug sind und nicht Mr. Bunga Bunga wählen möchten, dass wäre für mich wirklich ein unding, dann hätte ich auch mit den Italiener auch kein Mitleid mehr
3. Warten Sie mal ab bis wir
die-dicke-aus-der-uckerm. 24.12.2012
Zitat von BlindleistungsträgerWer mit ihr zu tun hat, ist so gut wie erledigt. Die Liste derer, die diese Wirkung erfahren haben, wird immer länger. Nun hat es also auch Mario Monti erwischt. Da kommt jede Hilfe zu spät ...
bemerkt haben, dass Frau Merkel ganz Deutschland genauso erwischt hat wie alles um sie herum. Die werden wir nur durch einen Volksaufstand jemals wieder los.
4. Frau Merkel ist berechtigter weise erfolgreich und welt-
hobbysechs00 24.12.2012
weit angesehenen. sie musste eine sehr schwierige psychologische Arbeit leisten und die geistigen seelischen wider stände von altbackenen realitätsfernen Nationalisten zu hause und in der EU aussitzen .das ist der Grund warum sie auf Sicht fahren musste. das sage ich als pirat - leider ist meine partei noch nicht so weit / frohe weihnachten Frau Merkel
5. Schließlich können die Italiener nichts dafür,
Observer 24.12.2012
dass sie über viele Jahre die falschen Leute gewählt haben. Eben jene Bungi Bungi, die nur Versprechungen machten, diese dann kaum hielten, und wenn sie sie hielten, dann mit geborgtem Geld. Bei dem italienischen Schulsystem ist möglicherweise nicht davon auszugehen, dass ein Wähler diese Machenschaften durchschaut. Vielmehr ist es vielleicht nötig, aus der Ferne, z.B. aus Deutschland auf die Misere zu schauen, damit man sie als Ganzes versteht. In Italien wie in Griechenland wurden diejenigen Politiker gewählt, die das meiste versprachen und kein Wähler hat sich je Gedanken darüber gemacht, wie die Wahlkampfversprechen finanziert werden. Insoweit sind sie wirklich betuppst worden.
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