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Tattoo-Wahlkampf: Trump unter der Haut

Aus New Hampshire berichtet

New Hampshire: Der Tattoo-Wahlkampf Fotos
AFP

Bob Holmes hat in New Hampshire ein Tätowierstudio - und ist Fan von Donald Trump. Im Wahlkampf sticht er gratis Tattoos mit Slogans des Kandidaten. Die Nachfrage ist enorm. Und die Konkurrenz sticht zurück.

Bob Holmes greift hinter die Theke seines Tattoo-Studios, zieht eine Handvoll Tätowiervorlagen hervor und fächert sie wie ein Skatblatt auf. Eine Folie zeigt die stilisierte Tolle von Donald Trump, eine andere den Slogan "Make America great again" des republikanischen Präsidentschaftskandidaten. "Es ist verrückt", sagt Holmes und lacht. "Hier ist die Hölle los."

Vor zwei Wochen hatte er eine Idee, wie er seinen Teil zum Wahlkampf beitragen kann. Er war gerade im Fitnessstudio, als ihn seine Nichte anrief: Die Reporterin einer Zeitung wollte wissen, was sie in Seabrook zum Wahlkampf zu sagen habe. Seabrook ist ein kleines Kaff im Osten von New Hampshire, wo die nächsten Vorwahlen stattfinden. Es gibt hier Wald, Wasser - und Bob's Tattoo-Studio. Die Reporterin fragte auch Holmes. Er unterstütze Trump, antwortete er. Ob er schon mal etwas im Zusammenhang mit Trump tätowiert habe, fragte die Reporterin.

Ein Trump-Tattoo? Warum eigentlich nicht?

Das würde er sogar kostenlos machen, sagte Holmes. Wer ein Tattoo mit Trump haben wolle, könne vorbeikommen. Fünfzehn Minuten, nachdem der Artikel online ging, meldete sich der erste Interessent in Holmes' Laden, dem "Clay Dragon Tattoo Studio".

Inzwischen hat Holmes rund 40 Trump-Tattoos gestochen, täglich kommen drei bis vier neue Leute und bitten um einen Termin. Die BBC und das "Wall Street Journal" schickten Reporter, ein Team von FOX News drehte in seinem Studio.

Holmes hat sich aus dem Internet ein paar Vorlagen heruntergeladen. Er sticht Trumps Gesicht in vier verschiedenen Versionen, er sticht Trumps Kampagnenmotto "Make America great again", er sticht den Slogan "We, the people". Und wenn jemand die Parolen kombinieren will, sticht Holmes auch das.

"Es ist eine Art, sich ganz individuell auszudrücken"

Holmes, 48, hat zurückgegeltes Haupthaar und einen eisgrauen Zickenbart. Er trägt Jeans und ein Biker-Shirt, an seinem linken Arm schlängelt sich ein japanischer Drache entlang. Er ist kein politischer Aktivist - aber so kann es mit diesem Land nicht weitergehen, davon ist er überzeugt. Barack Obama habe die USA ruiniert, "wir haben alles verloren", sagt Holmes. Zum Beispiel? "Unsere Macht, den Respekt vor uns, unsere Stabilität, die Zukunft."

Holmes denkt eher in großen Linien, nicht im politischen Kleinklein. Obama, sagt er, habe den Rassismus zurück nach Amerika gebracht, der seit 30 oder 40 Jahren nicht mehr existiert habe, aber jetzt das Land zerreiße. Und wer etwas gegen den Präsidenten sage, habe im Handumdrehen eine Klage wegen eines Kapitalverbrechens am Hals, auf diese Weise mache der Präsident seine Kritiker mundtot. Holmes beschreibt ein ziemlich düsteres Bild von den USA, er sagt: "Es gibt keine Meinungsfreiheit mehr in unserem Land."

Aber zum Glück gibt es noch Tattoos. Eine Tätowierung kann einem niemand nehmen, "es ist eine Art, sich ganz individuell auszudrücken", sagt Holmes. "So ist es auch mit den Trump-Tattoos, sie sind ein Statement."

Seine Trump-Kunden sind im Alter von 19 bis 40 Jahren, eher Frauen als Männer, eher weiß als schwarz oder hispanisch. Manchmal kommen auch Paare und lassen sich beide den gleichen Slogan stechen. Eine seiner ersten Kundinnen war ein 19-jähriges Mädchen, das sich das Trump-Motto unter die rechte Rippe tätowieren ließ. Holmes hatte seine Zweifel, ob das Mädchen bereit für ein lebenslanges Statement war. Aber er hat es dann doch gemacht, er mochte die Leidenschaft.

Die Idee von Holmes hat mittlerweile Nachahmer gefunden. In Vermont bietet ein Tätowierladen kostenlose Tattoos des demokratischen Kandidaten Bernie Sanders an, gestochen wird dessen stilisierte Silhouette mit Brille. Der Eigentümer des Shops in Vermont hat den örtlichen Medien gesagt, es dürfe nicht sein, dass jemand den rechten Trump tätowiere, aber niemand den linken Sanders. Es würden sich ebenfalls mehrere Interessenten pro Tag melden, wie Holmes hätten sie schon mehr als 30 Tattoos gestochen.

Holmes selbst hat sich bislang kein Trump-Gesicht machen lassen, er hofft auf etwas ganz Besonderes: Er würde Trump gern persönlich treffen und auf seinem Arm unterschreiben lassen. Daheim in seinem Studio will Holmes daraus dann ein Tattoo machen. Für immer.

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Staats- und Regierungschef: Barack Obama

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