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New York: 80 Festnahmen bei Wall-Street-Blockade

Es sollte ein Sturm auf die Wall Street werden: Aus Verdruss über Ungerechtigkeit in den USA wollten Aktivisten das New Yorker Finanzviertel besetzen, mit 20.000 Demonstranten hatten sie gerechnet. Doch aus dem Massenprotest wurde nichts - die Revolution blieb aus, die Polizei hatte leichtes Spiel.

Wall-Street-Blockade: Protest in New York Fotos
AP

Hamburg - Bei einer Protestaktion im New Yorker Finanzdistrikt hat die Polizei am Wochenende etliche Demonstranten festgenommen. Die Aktivisten gehören zu einer Gruppe, die seit Tagen auf gesellschaftliche Missstände in den USA und die Schuld der Banken an der Finanzkrise aufmerksam machen will. Als Symbol für ihren Protest kampieren Teilnehmer der Gruppe Occupy Wall Steet seit einer Woche im Zuccotti-Park, einem Platz in Lower Manhattan, nur einen Block von der Wall Street entfernt.

"Es hat rund 80 Festnahmen gegeben", heißt es laut "New York Times" in einer Stellungnahme der New Yorker Polizei. Zur Begründung hieß es, einzelne Demonstranten seien Ruhestörer, sie hätten "Fahrzeuge und Fußgänger blockiert", aber auch "Widerstand gegen behördliche Anordnung" geleistet. In einem Fall habe es eine "Beamtenbeleidigung" gegeben.

Zu den Festnahmen kam es dem Bericht zufolge am Samstagnachmittag, als die Demonstranten vom Zuccotti-Park am Liberty Square in Richtung Union Square im Norden der Stadt zogen. Augenzeugen berichteten, die Polizei habe entlang der Fifth Avenue lange orangefarbene Netze benutzt, offenbar um die Aktivisten vom Weitermarschieren abzuhalten.

"Sie haben uns eingepfercht wie Vieh", sagte die 27-jährige Kelly Brannon aus Queens der "New York Times". "Wir wollten wegrennen, doch sie fingen an, willkürlich Leute anzugreifen und ihnen Handschellen anzulegen." Über eine Umleitung erreichten die Demonstranten schließlich dennoch den Union Square, von wo aus sie zurück zu ihrem Basislager im Zuccotti-Park gingen.

Ein CNN-Bericht vom Sonntag zitiert eine Frau mit blutiger Lippe und angelegten Handschellen, die Passanten zurief: "Ich habe nichts getan und wurde geschlagen!" Auf der Website von Occupy Wall Street schreiben die Aktivisten, dass die Polizisten auch Schlagstöcke und Elektroschockpistolen eingesetzt hätten. Laut CNN wollte das New Yorker Police Department dies auf Anfrage nicht kommentieren.

Flashmob der Konsum- und Globalisierungskritiker

Zu dem Marsch durch das New Yorker Bankenviertel hatte das konsumkritische Magazin "Adbusters" aus Kanada bereits Mitte Juli aufgerufen: 20.000 Leute sollten die Wall Street "monatelang" blockieren und Bankern den Weg zu ihrem Arbeitsplatz versperren.

Sinn der friedlichen Besetzung ist es laut der Gruppe Occupy Wall Street, gegen eine Politik aufzubegehren, die das "Missverhältnis bei der Verteilung von Macht und Wohlstand in unserer Gesellschaft" fördert und nicht eindämmt. Banken werde mit Milliarden von Dollar aus der Krise geholfen, während ein Großteil der Bevölkerung leide: Ein Prozent bereichere sich, während 99 Prozent links liegengelassen würden, lautet die Anklage der Aktivisten: "Wir sind Teil der 99 Prozent und besetzen die Wall Street als symbolische Geste für unsere Unzufriedenheit mit dem derzeitigen wirtschaftlichen und politischen Klima und als Beispiel für eine bessere Welt."

Im August hatte sich auch die Hacker-Gruppe Anonymous angeschlossen und die Idee einer Besetzung der Wall Street im Internet verbreitet.

Zur Blockade kam es schließlich am vergangenen Wochenende. In Anlehnung an die Protestbewegung in den arabischen Staaten schlugen die Demonstranten ihr Matratzenlager auf einem Platz inmitten der Stadt auf und sorgten damit für Aufmerksamkeit - es sollte nach Angaben der Aktivisten ein "Tahrir Moment" in den USA sein. Der Tahrir-Platz ist ein zentraler Ort in Ägyptens Hauptstadt Kairo, wo sich während des arabischen Frühlings Hunderttausende Menschen versammelt hatten.

Geschäftsleute müssen Umwege in Kauf nehmen

Zwar waren es Schätzungen zufolge nie 20.000 Menschen, die ihrem Unmut Ausdruck verliehen, sondern bei der Auftaktblockade zwischen 1000 und 5000. Doch bei ihrem Auflaufen im Bankenviertel kam es zu beengten Verhältnissen: Geschäftsleute mussten sich an den Massen vorbeizwängen oder Umwege in Kauf nehmen, um an ihren Arbeitsplatz zu gelangen.

Im Lauf der Woche minimierte sich die Zahl der Demonstranten erst auf ein paar hundert, dann auf einige Dutzend, die ausharren wollten. Auf ihren Transparenten waren Sprüche zu lesen wie "Wall-Street-Gier? New Yorker sagen, es reicht!" oder "Zerschlage den Kapitalismus - befreie den Planeten". Einige der Demonstranten trugen Amerika-Flaggen vor sich her - eine Aktivistin auch ein Bikini-Oberteil mit Stars-and-Stripes-Muster.

Nach den Festnahmen sagte Patrick Bruner, ein Sprecher der Protestgruppe, die sich im Internet gefunden und über soziale Netzwerke wie Facebook und Twitter Menschen mobilisiert hatte: "Nun sind wir noch entschlossener und wissen: Was wir tun, ist nötig und richtig."

Und Bill Csapo, ein anderer Aktivist, ließ die Öffentlichkeit laut CNN wissen, dass die Proteste noch kein Ende haben: "Wir besetzen den Platz. Wir gehen nirgendwo anders hin."

jus

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1. Spon murksartikel
neuronenzenker 25.09.2011
Lieber Spon, die Polizei hat ein paar Demonstranten grundlos festgenommen und anschließend misshandelt...außerdem waren gestern mehrere tausende die marschiert sind...SPON ist verdrehungsjournalismus zugunsten der Elite Das haben die Wall Steet Verbrecher angerichtet: 25 Millionen Amerikaner sind arbeitslos oder unterbeschäftigt. Über 46 Millionen benötigen staatliche Lebensmittelmarken um etwas zu Essen zu haben. Über 50 Millionen können sich keine Krankenversicherung leisten. 62 Millionen haben kein oder ein negatives Vermögen und 64% der Amerikaner hat weniger als 1'000 Dollar auf dem Sparkonto. Die reichsten 1 Prozent haben 99 Prozent der Gesellschaft den Krieg erklärt. Sie raffen und stehlen was sie können und sie wollen noch mehr, sie wollen alles. Da ihnen die Medien gehören schweigen diese die Aktion praktisch völlig tot. Hier weiterlesen: Alles Schall und Rauch: Live-Stream der Wall Street Besetzung http://alles-schallundrauch.blogspot.com/2011/09/live-stream-der-wall-street-besetzung.html#ixzz1YyHLQaYb
2. Tag 8 von "occupy wallstreet"
moisdemai 25.09.2011
Zitat von sysopEs sollte ein Sturm auf die Wall Street werden: Aus Verdruss über Ungerechtigkeit in den USA wollten Aktivisten das New Yorker*Finanzviertel besetzen, mit 20.000 Demonstranten hatten sie gerechnet. Doch aus dem Massenprotest wurde nichts - die Revolution blieb aus, die Polizei hatte leichtes Spiel. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,788243,00.html
Von wegen, aus dem Massenprotest wurde nichts: da waren unglaublich viele Menschen unterwegs, am ersten Wochenende und auch gestern rund um den Union Square, wenn man sich die youtube Videos anschaut. Ausserdem war es von den Behörden verboten worden Zelte aufzustellen, wie auf dem Platz in Kairo, Strom und Wasser wurden abgestellt und nicht einmal Plastikplanen wurden geduldet, obwohl es unter der Woche regnete, wie auch heute morgen. Die Polizisten griffen immer wieder mit grosser Brutalität ein, um die Leutchen einzuschüchtern, konfiszierten Kameras und Handys und fesselten friedlichen Demonstranten wie Schwerverbrechern die Hände auf dem Rücken, sprühten völlig friedlichen Mädchen Pfefferspray ins Gesicht. Ausserdem wurde über die Geschichte von den mainstream Medien eine ganze Woche lang null und nichts berichtet - erst gestern tauchten die ersten Teams einiger Fernsehstationen auf, als es nicht länger totgeschwiegen werden konnte. Und noch immer harren trotz Regen Demonstranten auf dem "Liberation square" aus: die Geschichte ist noch nicht vorbei.
3. Überschrift
RyuHayabusa 25.09.2011
1) Seitens der US-TV-Medien herrscht zu der Wall Street Besetzung ein regelrechter Blackout. Von CNN gab es 2 Tage einige kleinere Berichte, ansonsten kam wenig bis nichts. Schon bemerkenswert. Aber Medienkontrolle in den USA existiert ja bekanntweise nicht und dass zB ein Ron Paul ebenfalls versucht wird möglichst totzuschweigen, ist auch gelogen. 2) Es gab etliche Verhaftungen und Beschlagnahmungen von zB Kamera-Equipment unter teils völlig fadenscheinigen Gründen. Einige dieser Vorwürfe wurden in Einzelfällen zurückgezogen, nachdem zwei Reporter der NY Times und eines anderen Blattes, dessen Namen ich inzwischen vergessen habe, bezeugten, dass seitens der betroffenen Demonstranten kein Vergehen vorlag und mit entsprechender Berichterstattung drohten. Aber ist effektiv kein Wunder, guckt man sich einige zugängliche Militär-Think Tank-Analysepapers aus dem UK oder direkt den USA an, dann wartet man seitens dieser beiden Länder eh schon seit ein paar Jahren auf Auschreitungen durch die einheimische Mittelschicht angesichts der bescheidenen wirtschaftlichen Situation. Selbst die Einrichtung von FEMA-Detention Camps wurden ja in den USA bereits vor ein paar Jahren angeregt (wenn auch vorerst abgelehnt). :-)
4. Zokern das Handwerk legen
grashalm, 25.09.2011
Zitat von sysopEs sollte ein Sturm auf die Wall Street werden: Aus Verdruss über Ungerechtigkeit in den USA wollten Aktivisten das New Yorker*Finanzviertel besetzen, mit 20.000 Demonstranten hatten sie gerechnet. Doch aus dem Massenprotest wurde nichts - die Revolution blieb aus, die Polizei hatte leichtes Spiel. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,788243,00.html
Das ist der richtige Weg. Börsen besetzen, Banken boykotieren, die Bevölkerung hat das Recht sich gegen ihre Ausbeutung friedlich zur Wehr zu setzen. Übergriffe und Gewalt gegen Demonstrierende seitens der Polizei sind ungerechtfertigt, soll sich dann keiner wegen Gegenmassnahmen beschweren wollen.
5. Missbrauch des Demonstrationsrechts durch Linke Extremisten
redkiller 25.09.2011
Zitat von neuronenzenkerLieber Spon, die Polizei hat ein paar Demonstranten grundlos festgenommen und anschließend misshandelt...außerdem waren gestern mehrere tausende die marschiert sind...SPON ist verdrehungsjournalismus zugunsten der Elite Das haben die Wall Steet Verbrecher angerichtet: 25 Millionen Amerikaner sind arbeitslos oder unterbeschäftigt. Über 46 Millionen benötigen staatliche Lebensmittelmarken um etwas zu Essen zu haben. Über 50 Millionen können sich keine Krankenversicherung leisten. 62 Millionen haben kein oder ein negatives Vermögen und 64% der Amerikaner hat weniger als 1'000 Dollar auf dem Sparkonto. Die reichsten 1 Prozent haben 99 Prozent der Gesellschaft den Krieg erklärt. Sie raffen und stehlen was sie können und sie wollen noch mehr, sie wollen alles. Da ihnen die Medien gehören schweigen diese die Aktion praktisch völlig tot. Hier weiterlesen: Alles Schall und Rauch: Live-Stream der Wall Street Besetzung http://alles-schallundrauch.blogspot.com/2011/09/live-stream-der-wall-street-besetzung.html#ixzz1YyHLQaYb
In einer Demokratie müssen vorbereitete Demonstrationen angemeldet werden , Rutenverlauf usw. müssen mit den für die Ordnung zuständigen Behörden abgesprochen , nur so kann das recht auf eine ordnungsgemäße und sichere Demonstration gewährleistet werden, was im beiderseitigen Interesse ist, nämlich sowohl der Demonstranten wie auch der Polizei, aber auch derjenigen die nicht an der Demonstration teilnehmen wollen. Wer das Demonstrationsrecht missbraucht um massive Rechtsbrüche zu begehen, wie etwa Besetzung der Wallstreet , Einbruchdiebstahl, Brandschatzung usw. Daneben ist nicht auszuschließen das in diesem Kreis der Linken nicht nur Ideologisch Überzeugte sind, sondern auch einpaar Söldner der Wallstreet usw. welche gerne eine Erstürmung der Wallstreet gesehen hätten, weil sie entsprechend darauf Spekuliert haben. In einem demokratischen Staat hat die Polizei das Gewaltmonopol, wer meint auf eigene Faust die eigene Rechtsauffassung durchsetzen zu müssen, muss damit rechnen die Staatliche Gewalt zu spüren. Es ist wichtig das die Polizei Herr der Lage ist und Menschen welche das Demonstrationsrecht missbrauchen um Gewalttätig ihre Politischen Ansichten durchzusetzen auch mittels Gewalt Einhalt gebietet. Dabei spielt es keine Rolle ob einzelne tatsächlich Gewalt ausüben, oder Straftaten begehen, denn das mag für den einzelnen Polizisten nicht ersichtlich sein. Wenn Straftat aus einer Gruppe begangen werden, dann ist die gesamte Gruppe mit verantwortlich , sofern sich die Personen aus der Gruppe sich nicht schnell genug aus der Gruppe distanzieren. Ich kann nur jedem Raten, sollte man friedlich für etwas demonstrieren , so muss man sich an das recht halten. Verlässt man die angemeldete Demonstrationsrute , oder werden massive Straftaten aus der Gruppe der Demonstranten begangen, so sollte man sich ganz schnell von der Demonstration entfernen. Grundsätzlich gilt das man sich genau anschauen sollte mit wem man Unterwegs ist, Heiner Geißler zum Beispiel nimmt ungern an Demonstration nicht teil, weil er nicht die Hand für jeden einzelnen ins feuer legen kann, was dazu führen kann das er mit in Haftung genommen werden kann für Schadensersatzansprüche für eventuelle Schäden.
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