Von Marc Pitzke, New York
Bloomberg hält unterdessen Hof - die Leute kommen zu ihm: Liza Minnelli singt für ihn, Yoko Ono leiht ihm Star-Power, Bette Midler pflanzt für ihn Magnolienbäume, die Clintons feiern mit ihm, Colin Powell mampft mit ihm Hot Dogs auf der Straße.
Mit seiner finanziellen Großzügigkeit - allein voriges Jahr spendete er 235 Millionen Dollar für gute Zwecke - macht sich Bloomberg auch die kommunalen Strippenzieher zum Freund. In seinem 1200-Quadratmeter-Townhouse saßen kürzlich, wie "New York" berichtete, die Medienmogule Rupert Murdoch ("Wall Street Journal"), Arthur Sulzberger ("New York Times") und Mort Zuckerman ("Daily News") gemeinsam um die Dinner-Tafel. Die meisten Zeitungen der Stadt haben ihre Wahlempfehlung für Bloomberg gegeben.
Debatte um Reichtum verdrängt wahre Verdienste
Die Dauerdebatte um Bloombergs Reichtum verdrängt seine wahren Verdienste. Er befreite New York vom 9/11-Trauma. Vom Demokraten zum Republikaner zum Unabhängigen mutiert, personifiziert er die Individualität dieser Acht-Millionen-Stadt. Er reparierte das Schulsystem, kämpft innovativ für Immigranten, Umwelt, Waffenkontrolle, bugsiert die Bürger durch die schlimmste Wirtschaftskrise seit 80 Jahren. Unter seinem Polizeichef Ray Kelly wurde New York City zur sichersten Großstadt der USA.
Doch nicht alles glänzt. Seine tollsten Öko-Träume - Windräder auf Wolkenkratzern, eine "Stau-Maut" für Manhattan - zerplatzten oder verhedderten sich im Politgeflecht. Städtebau-Ambitionen zerbröselten in der Kreditkrise, Ground Zero ist weiter eine Baugrube, und der gigantomanische Griff nach den Olympischen Sommerspielen 2012 war ein Flop.
Auch zeigt Bloomberg immer öfter Zeichen despotischer Reizbarkeit. Im April musste er sich bei einem Reporter im Rollstuhl entschuldigen, den er angeschnauzt hatte, weil er sein Handy nicht schnell genug ausstellte. Sein schwerster Fehlgriff jedoch war der Coup, den er vor einem Jahr einfädelte. Seit 1993 müssen Bürgermeister in New York nach acht Jahren abtreten. Bloomberg aktivierte seine Connections und Finanzen, um das Wahlrecht zu ändern und sich selbst eine dritte Amtszeit zu ermöglichen. Das nehmen ihm, glaubt man den Umfragen, selbst viele Anhänger übel.
Manche wissen nicht mal, dass der Herausforderer schwarz ist
Also hat Thompson das zu seinem Wahlmotto gemacht: "Eight is enough!" Leider hat der Demokrat darüber vergessen, sich selbst zu definieren. Trotz seiner gradlinigen Biografie: Aufgewachsen in Brooklyn, Sohn eines Stadtrats und einer Lehrerin, Bezirkspräsident, Schulkanzler, Schatzmeister. Manche wissen aber bis heute nicht mal, dass er schwarz ist.
Bloomberg könnte freilich noch auf andere Art eine symbolische Schlappe erleiden: geringe Wahlbeteiligung, ein nur hauchdünner Sieg - peinlich bei den investierten Summen.
"Es könnte knapp werden", ahnt Ed Koch. Auch er kommt an diesem Debattenabend auf die Upper West Side, um für Bloomberg zu trommeln. Ein Hüne, fit wie früher, führt er die Menge in Sprechchören an. Sein wichtigster Rat: "Bleibt am Wahltag bloß nicht zu Hause."
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