New Yorker Islamstreit: Religionskrieg zu Springsteen-Soundtrack
New York streitet: Das geplante islamische Gemeindezentrum nahe Ground Zero spaltet die Stadt, jetzt demonstrierten Gegner und Anhänger . Die einen forderten mehr Toleranz, die anderen wollen den Gebetsraum am liebsten "in den Nahen Osten verbannen" - und ließen "Born in the USA" aus Boxen dröhnen.
New York - Die Finanzierung ist noch nicht gesichert, der genaue Zeitplan steht nicht - aber seit Wochen sorgt der geplante Bau einer Gebetsstätte in der Nähe von Ground Zero in New York für heftige Diskussionen. Das Thema betrifft die ganze Nation, zuletzt geriet US-Präsident Barack Obama in dem Streit zwischen die Fronten.
Jetzt gingen die New Yorker auf die Straße: Am Sonntag demonstrierten Anhänger und Gegner des Projekts unweit des Gebäudes, wo ein 13-stöckiges islamisches Gemeindezentrum mitsamt Moschee untergebracht werden soll. Die Polizei hielt die Gruppen voneinander getrennt. Berichte über gewalttätige Zusammenstöße gab es nicht. Der Schlagabtausch über die Absperrungen hinweg blieb verbal.
Gegner verlangen, dass sie Moschee weiter entfernt von dem Ort errichtet werden soll, an dem bei den Anschlägen islamischer Terroristen am 11. September 2001 über 2700 Menschen getötet wurden. "Am besten, man schafft sie in den Nahen Osten", sagte ein Demonstrant. Die Initiatoren hinter dem Bauprojekt seien "die gleichen Leute, die die Twin Towers zerstört haben". Die Gegner waren bei den Kundgebungen am Sonntag in der Überzahl. Aus den Lautsprechern dröhnte unter anderem Bruce Springsteens Song "Born in the USA".
Die mehreren hundert Befürworter riefen bei der Gegenkundgebung unter anderem Slogans wie "Muslime sind hier willkommen" und "Wir sagen Nein zu rassistischer Furcht".
Unter den Demonstranten war ein 39-jähriger Arzt aus Brooklyn, Ali Akram, der seine drei Söhne und eine amerikanische Fahne mit zu der Demonstration brachte. Die Gegner der Moschee seien "unamerikanisch", sagte Akram. "Sie bringen ihren Kindern Religionsfreiheit bei, doch dann halten sie sich nicht an das, was sie predigen", sagte er.
Der Initiator der umstrittenen Projekts, der Imam Feisal Abdul Rauf, sagte unterdessen, die öffentliche Aufmerksamkeit und Diskussion sei positiv, da sie hoffentlich zu einem größeren gegenseitigen Verständnis führe. Abdul Rauf befindet sich derzeit auf einer Nahost-Reise, die das US-Außenministerium für ihn organisiert hat. Ziel der Reise soll es sein, die religiöse Toleranz zu fördern. "Die Tatsache, dass wir diese Art von Aufmerksamkeit bekommen, ist ein Zeichen des Erfolgs", sagte der Imam auf einer Tagung in der US-Botschaft im Golfemirat Bahrain.
Eine Erhebung des US-Fernsehsenders CNN vergangene Woche ergab, dass fast 70 Prozent der US-Bürger ein muslimisches Gotteshaus nahe des Standorts des bei den Anschlägen zerstörten World Trade Centers ablehnen. Das Thema beeinflusst zunehmend auch den Wahlkampf vor den US-Kongress- und Gouverneurswahlen im November.
Von Verena Dobnik, DAPD
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