Kurdisches Neujahrsfest PKK-Chef ruft zu Frieden mit der Türkei auf

Sie fordern Frieden, Freiheit und Demokratie für die Kurden: Tausende haben in Bonn friedlich zum kurdischen Neujahrsfest demonstriert. PKK-Führer Öcalan rief aus dem Gefängnis dazu auf, den Kampf gegen die Türkei zu beenden.

Kurdische Demonstranten in Diyarbakir (Türkei): Botschaft vom PKK-Chef
AP/dpa

Kurdische Demonstranten in Diyarbakir (Türkei): Botschaft vom PKK-Chef


Bonn - Das kurdische Neujahrsfest Newroz ist für Kurden weltweit ein Symbol ihres Kampfes gegen die Unterdrückung. Mehrere Tausend Menschen haben zu diesem Anlass in Bonn für Frieden, Freiheit und Demokratie für die kurdische Bevölkerung demonstriert.

Es seien mehr als 10.000 Menschen zu der Demonstration und einer anschließenden Kundgebung zusammengekommen, sagte eine Sprecherin des Demokratischen Gesellschaftszentrums für Kurden und Kurdinnen. Die Polizei sprach von einer Teilnehmerzahl in ähnlicher Größenordnung. Es sei alles friedlich verlaufen.

PKK-Chef Öcalan ruft zu Beilegung des Kurdenkonflikts auf

Zeitgleich hat der inhaftierte Führer der verbotenen kurdischen Arbeiterpartei (PKK), Abdullah Öcalan, seine Anhänger erneut zu einer Beilegung des Konflikt mit der türkischen Regierung aufgefordert.

In einer Botschaft zum Neujahrsfest Newroz, die am Samstag in Diyarbakir im kurdisch geprägten Südosten der Türkei verlesen wurde, rief Öcalan seine Bewegung auf, einen Kongress zu organisieren, "um den 40 Jahre langen Kampf gegen die Türkische Republik zu beenden". Der Kongress solle dafür "eine gesellschaftliche und politische Strategie" festlegen. Damit werde eine "neue Ära" im Verhältnis der Kurden zur Türkei beginnen.

Die Friedensverhandlungen zwischen der türkischen Regierung und dem PKK-Chef sind seit Monaten unterbrochen. Die Regierung in Ankara hatte im Herbst 2012 Verhandlungen mit dem zu lebenslanger Haft verurteilten Öcalan aufgenommen. Dies nährte die Hoffnung auf ein Ende der Konflikte mit den Kurden, bei denen seit 1984 etwa 40.000 Menschen starben.

Im März 2013 verordnete Öcalan seinen Anhängern, ebenfalls in einer Botschaft zum Newroz-Fest, einen Waffenstillstand, der auch weitgehend eingehalten wird. Allerdings stoppte die PKK wenige Monate später den Abzug ihrer Kämpfer aus der Türkei, weil sie der Regierung in Ankara vorwarf, ihre Versprechen gegenüber den Kurden gebrochen zu haben. Seitdem stehen die Verhandlungen still.

Der von Öcalan vorgeschlagene Kongress soll vermutlich alle politischen Vertreter der Kurden in der Türkei an einen Tisch bringen. Dabei müsste auch über besonders heikle Themen wie den Rückzug der PKK-Kämpfer und deren Entwaffnung entschieden werden. Öcalan hatte seine Anhänger Ende Februar zur Niederlegung ihrer Waffen aufgefordert. In seiner Newroz-Botschaft ging er aber nicht erneut darauf ein.

nck/dpa/AFP

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insgesamt 19 Beiträge
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Ossifriese 21.03.2015
1. Kurden
Guter Zeitpunkt für einen Frieden der Kurden mit der übrigen Türkei. Einerseits kämpfen kurdische Menschen an vorderster Front gegen den IS in Syrien und dem Irak, was dem Volk starke Pluspunkte im internationalen Rahmen gibt, andererseits existiert bereits ein ziemlich autonomes Kurdengebiet im Irak. In diesen kurdischen Verbund aus Freiheitskämpfern und -verteidigern im Sinne vor allem des "Westens" fügt sich die PKK ein, wenn sie mit nunmehr nichtmilitärischen Mitteln ihre Rechte gegenüber der Türkei einfordert. Hoffen wir, dass der "Westen" incl. Erdogan diese große Chance erkennt und den Freiheitswillen aller Kurden in friedlichem Sinne endlich erfüllt.
Atheist_Crusader 21.03.2015
2.
Der Kampf gegen die Türkei wird unweigerlich kommen, zumindest wenn die Kurden sich nicht auf Dauer damit abfinden wollen, immer nur eine Minderheit in anderer Herren Länder zu sein. Im Moment hat allerdings der IS Vorrang. Aber wenn der Kampf geschlagen ist und die kurdischen Gebiete in Syrien um im Irak konsolidiert sind, dann sieht die Sache schon anders aus. Ich stehe ja auf Seiten der Kurden. Zwischen Türken, Arabern, Persern und Wasnichtalles waren sie immer nur ein Spielball und wurden teils wie der hinterletzte Dreck behandelt. In der Türkei hat man gar versucht, ihre Identität auszulöschen, indem man Sprache und kultur verbot und sie zu "Berg-Türken" erklärte. Was im ach so Menschenrechts-vernarrten Westen nie Jemanden gestört hat. Von all den Spinnern in der Region haben die Kurden am ehesten die Chance auf einen eigenen Staat verdient. Ich habe nur erhebliche Zweifel, ob Erdogan es soweit kommen lässt.
dbbkmorg 21.03.2015
3. Waffen niederlegen?
Öcalan hat nie zur Niederlegung der Waffen aufgerufen... Öcalan weiß, dass es ein Fehler wäre, das zu verlangen, weil da die Gefahr besteht, dass ein Großteil der PKK dem nicht folgt. Öcalan verlangt nur, dass man alles mögliche tut, um den Konflikt friedlich zu lösen. Und er verlangt nicht nur von den Kurden etwas, sondern in erster Linie auch was von der Türkei... Erst wenn tatsächlich etwas auf politischem Wege erreicht wurde, wo kein zurück mehr gibt, erst dann würde die PKK über Waffenniederlegung verhandeln wollen, vorher kann man es wohl vergessen. Es liegt also einzig an der türkischen Regierung und dem türkischen Volk, ob sie Frieden wollen oder nicht... Allein deshalb kann und wird Öcalan nie von der PKK verlangen die Waffen niederzulegen, wenn politisch nichts da ist... Und die türkische Regierung macht bis jetzt nur Lippenbekenntnisse, ansonsten wird nichts unternommen, um den Konflikt friedlich zu lösen. Es wird also noch lange dauern, bis es soweit ist, dass die PKK die Waffen niederlegt. Die Frage ist also, ob die Türkei bereit ist für Frieden und ich glaube, dass die Türkei nur auf Zeit spielt und am Ende alles für die Katz war. Und die PKK ist mächtiger als je zu vor... ISIS kann davon ein Lied singen :)
spon-facebook-10000747343 21.03.2015
4. Guter Ansatz für den Frieden in der Region
Beginnt nun eine neue Ära? Zumindest scheint es eine Umstimmung bei der PKK zu geben. Die PKK Partei hat zumindest heute den Brief des Terrorführers aus dem Knast dem kurdischen PKK-Anhängern mitgeteilt. Leider kommt man immer noch nicht aus dem westlichen Meinungsmache nicht raus, dass alle Kurden PKK oder PKK Partei HDP Anhänger sind. Die Geschichte hat gezeigt, dass Terroristen niemals Ihr Kriegsgeschäft aufgeben werden, wie viele der Kommentare kann man getrost davon ausgehen, dass die PKK Ihre Terroristen gegen die ISIS Terroristen einsetzen wird, quasi kommunistisch stalinistische faschistische Terrororganisation gegen Wahhabitische britisch organisierte Scheinislamisten ISIS. Die PKK wird sich wahrscheinlich vom Einmannstaat Türkei ggf. finanzieren lassen.
muenchenerfreiheit 21.03.2015
5. Jetzt hat Westen ein Problem
30 Jahre lang hat der Westen PKK mit Geheimen Informationen und mit Waffen unterstützt. Ich sage bewusst PKK nicht den Kurden unterstützt. Weil alle Kurden war mit PKK nicht einverstanden waren. Das ist keine gute Nachrichten für den Westen. Jetzt fehlt den Westen Waffenkäufer und dazu noch schlimmer ist, fehlt den Westen ein Feindbild (Türkei). Es wird für die Türkei positive folgen haben. Was Türkei seit 30 Jahren für die Terrorismusbekämpfung ausgegeben hat, steht das Geld für die Investition zur Verfügung. Es zeigt auch, wie recht Erdogan mit seiner Politik hat. Vorgänger Regierungen (Kemalisten) hätten mit ihrer Kurdenfeindlichen Politik, hätten sie fast Türkei an den Bürgerkrieg getrieben. Der Westen hat alles drangesetzt in der Türkei auch Bürgerkrieg anzuzetteln wie in Irak oder in Ukrainer gemacht haben. Das beutet für den Westen, dass sie gegen Erdogan kein Chance haben und es ist auch gut so. Für den Türken freue ich mich, dass sie auch in den nächsten Jahren in Frieden leben werden.
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