Die Lage am Samstag Liebe Leserin, lieber Leser,


Meer oder Berge? Das ist eine Frage, über die sich Paare, Familien, Freunde zerstreiten können, wenn die Urlaubsplanung ansteht. Wir beschäftigen uns in unserer neuen Ausgabe mit den Bergen, den Alpen, einem der großen Sehnsuchtsorte der Welt. Grüne Almen, schroffer Felsen, Schnee auf den Gipfeln, Kuhglocken, Holzhütten, Edelweiß. Das ist, klar, das perfekte Idyll. Heidi, Luis Trenker, der Berg ruft. Und selbstverständlich ist das alles bedroht. Klimawandel, Verkehr, exzessiver Tourismus. Der Berg schreit.

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Heft 33/2017
Wie sich das bedrohte Paradies wandelt

Mein Kollege Hilmar Schmundt ist wochenlang durch die Alpen gereist und hat, damit haben Sie wahrscheinlich nicht gerechnet, eine optimistische Geschichte mitgebracht. Zwar leiden die Berge unter den Menschen, aber es zeichnen sich auch Lösungen ab. Die Alpen, findet Schmundt, sind ein Zukunftslabor. Ich hatte sofort Lust hinzufahren. Und wenn Sie am Kiosk einen Umklapper auf dem neuen SPIEGEL sehen, dann blättern Sie doch mal um. Unsere Titelbildredaktion hatte da eine hübsche Idee.

Sehen Sie im Video SPIEGEL-Wanderer Hilmar Schmundt über die neuen Touristen und die Sorge der Hoteliers am Berg.

DER SPIEGEL

Seoul opfern, um Los Angeles zu retten?

Gibt es Krieg? Das Schicksal Koreas und anderer Teile der Welt liegt in den Händen von zwei Männern, denen alles zuzutrauen ist, Kim Jong Un und Donald Trump. Vor einigen Wochen haben wir die beiden auf unserem Titelblatt auf einer Bombe reitend gezeigt. Nun ist die Lage noch ernster. Nordkorea hat bei Raketentests bewiesen, dass die USA innerhalb der Reichweite liegen. Ein Nuklearangriff auf Los Angeles oder New York könnte irgendwann möglich sein.

Trump wird deshalb einen Erstschlag erwägen. Aber er würde kaum in der Lage sein, damit einen Gegenangriff der Nordkoreaner auf die südkoreanische Hauptstadt Seoul zu verhindern. Die liegt direkt hinter der Grenze. Seoul opfern, um Los Angeles zu retten? Das ist eine der Fragen, die sich dem Weißen Haus nun stellen. Man wünschte sich einen kühlen Kopf im Oval Office, aber nichts ist Trump weniger. Wir analysieren die bedrohliche Lage ausführlich im neuen Heft.

Kim Jong Un (l.) und Donald Trump
AFP

Kim Jong Un (l.) und Donald Trump

Feuer und Heroin

Die Pointen, die der Gott der Zeitgeschichte setzt, sind manchmal ziemlich heftig. Als Donald Trump Amerikas Stärke demonstrieren wollte, als er Nordkorea von seinem Golfklub in New Jersey aus mit "Feuer und Zorn" drohte, wollte er eigentlich über Amerikas Schwäche reden, über die Drogenepidemie, deren Hauptstadt Huntington ist. Unser Korrespondent Philipp Oehmke war gerade in Huntington und hat dort eine traurige Geschichte recherchiert.

Jeder Vierte in Huntington ist abhängig von Opioiden oder Heroin. Es begann oft mit dem synthetischen Opiat Oxycontin, das leichtfertig als Schmerzmittel verschrieben wurde, weil es angeblich einen niedrigen Suchtfaktor hat. Ein Irrtum, der größere Teile der Mittelschicht zu Junkies macht, nicht nur in Huntington. Aus normalen Familienleben werden Drogenexistenzen. Eine Apokalypse des Alltags.

Auf dem Traumschiff

Eine kleine, lustige Pointe setzte jener Gott der Zeitgeschichte in Deutschland. Die Spitzenkandidatin der Grünen, Katrin Göring-Eckardt, wollte meiner Kollegin Ann-Kathrin Müller zeigen, wie entspannt sie im Wahlkampf ist, und lud sie zu einem Segeltörn auf der Ostsee ein. Aber just in einer Minute größter Göring-Eckardtscher Lässigkeit traf die Nachricht ein, dass die grüne Abgeordnete Elke Twesten zur CDU überwechselt und damit die rot-grüne Regierung von Niedersachsen stürzt. So ganz entspannt war die Bootsfahrt dann nicht mehr.

Katrin Göring-Eckardt
DPA

Katrin Göring-Eckardt

Unserem Redakteur Hubert Gude ist es in dieser Woche gelungen, einen Hausbesuch bei Twesten zu machen. Sie wird nun von Roten und Grünen als Verräterin beschimpft, weshalb sie ganz und gar nicht entspannt war. Beide Geschichten ergänzen sich zu einem kleinen Sittenbild der Politik.

Neue Socken fürs neue Ich

Besitzen Sie 95 Kleidungsstücke? Kaufen Sie 13 Paar Socken im Jahr, sieben Paar Schuhe? Mit diesen erstaunlich hohen Zahlen wären Sie Durchschnitt in Deutschland. In einem SPIEGEL-Gespräch erzählt der Konsumhistoriker Frank Trentmann, warum wir so viel mehr kaufen, als wir brauchen. Es geht dabei vor allem um rasch wechselnde Identitäten. Wer sich häufig neu erfindet, braucht häufig neue Kleidung, die zum neuen Ich passt. Früher war das undenkbar. In Württemberg, erzählt Trentmann, landeten früher Frauen, die ein modisches Tuch aus Indien trugen, im Gefängnis oder mussten eine hohe Geldstrafe zahlen. Ganz so weit sollte man vielleicht nicht gehen, um den Konsumwahn dieser Tage einzudämmen.


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Herzlich

Dirk Kurbjuweit

stellv. Chefredakteur
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elikey01 12.08.2017
1. Meinung: Weltweit zeigt sich, ...
..., dass alle derzeitigen Konflikte nicht militär. zu lösen sind, jene in Nah-/Mittelost so wenig wie in AFGH und/od. der Ost-Ukraine, wobei Analoges m.M.n. bereits in Weißrussland droht, die Einschläge näher kommen. Am Bedrohlichsten und nicht minder militär. unlösbar erscheint jedoch der von Nordkorea unter Beteiligung eines Kim Jong un und einem Donald T. als US-Präs., weil hier zwei offensichtlich persönlichkeitsgestörte und daher unberechenbare Akteure an der Macht sind. Kim sehnt sich nach Anerkennung der internat. Gemeinschaft, wird auf dem Weg dahin m.M.n. niemals darauf verzichten, eine Atommacht zu sein, aus Selbsterhaltungsgründen und um damit ein - vermeindliches - Drohpotential zu besitzen. Und Donald lehnt sich mit seiner verbalen Niveaulosigkeit von Drohgebärden so weit aus dem Fenster, dass er letztlich aus Glaubwürdigkeitsgründen mit einer "kontrollierten Eskalation" (militär. begrenzt) reagieren könnte. Dabei sagte er noch 1999 zu Nordkorea: "Als Präs. würde ich verhandeln wie verrückt, um den besten Deal zu bekommen." Unmilitärisch, aber nicht minder fies die Causa "Twesten und die Niedersachsen-Reg." Dabei nicht verwunderlich, dass Merkel über die "Aktion Twesten zur CDU" informiert war. Also mir zumind. fällt dazu nur noch ein "Ist/sind denn die Alternative/n zu einer erneuten Kanzlerschaft Merkel so schlecht, dass man über deren m.M.n. (für eine "Werte"-Predigerin) zweifelhaften Charaktereigenschaften und mangelhafte polit. Qualifikation im Interesse der Zukunft dieses Landes hinwegsieht?" Demokratie verdient es, dass sich die Wählerschaft das polit. Personal genauer ansieht, auch wenn es anstrengend ist und Politiker auch "nur Menschen" mit Schwächen und Fehlern sind - im Vgl. zu Kim, Donald, Erdogan, Maduro und einigen anderen analoger Genese allerdings beinahe harmlos.
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