DIE LAGE am 7.3.2016 Liebe Leserin, lieber Leser,


heute wird Kanzlerin Angela Merkel in Brüssel ihr eigenes Scheitern unterschreiben. So jedenfalls sieht es der Entwurf zur Abschlusserklärung der EU-Staatschefs vor, die heute Nachmittag dort zusammenkommen. Die "irregulären Migrationsströme längs der Balkanroute" seien versiegt, heißt es dort. "Diese Route ist nun geschlossen." Aus der Sicht Merkels ist so gut wie alles eingetreten, was sie verhindern wollte: Zahlreiche Grenzen im Schengenraum sind geschlossen, in Griechenland herrscht Flüchtlingsnotstand, Europa streitet. Und um wenigstens einem Ziel näher zu kommen, dem Schutz der europäischen Außengrenzen, muss sie eine Türkei hofieren, die die Pressefreiheit mit Füßen tritt.

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Heft 10/2016
...offene Europa ab und riskieren unsere Zukunft

Am Wochenende marschierte die türkische Polizei in die Redaktionsräume der regierungskritischen Zeitung "Zaman" ein. Ob das ein Thema war, als Merkel gestern Abend mit Ministerpräsident Ahmet Davutoglu zusammensaß? Ab heute Vormittag tagen jedenfalls Europas Staats- und Regierungschefs mit dem Türken, danach folgt der eigentliche Rat. Meine Kollegen Florian Gathmann und Peter Müller analysieren vorab auf SPIEGEL ONLINE, was von dem Gipfel zu erwarten ist.

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DPA

Schicksalsfrauen

Die Leitartikler des Wochenendes waren sich einig: Die Landtagswahlen in drei Bundesländern am kommenden Sonntag werden in der deutschen Politik ein Beben auslösen, dessen Erschütterungen bis nach Berlin zu spüren sein werden. Die Ränder werden stark, die Mitte schwächer. Die Etablierten gegen die Populisten links und rechts, das könnte der künftige Frontverlauf auch in der deutschen Politik sein.

Ob die Bilanz am Ende für die Kanzlerin oder den Vizekanzler schlimmer ausfällt, dürfte sich in Rheinland-Pfalz entscheiden. Bleibt dort Malu Dreyer Ministerpräsidentin, rettet sie womöglich den SPD-Vorsitzenden, er hätte dann wenigstens einen Sieg zu feiern. Liegt dagegen am Ende Julia Klöckner vorn, würde das den Putschgelüsten gegen Merkel in der Union einen Dämpfer versetzen. Nach Umfragen liegen Dreyer und Klöckner fast gleichauf. Mit ihnen entscheidet sich womöglich das Schicksal des Berliner Spitzenpersonals. So viel Frau war noch nie in der deutschen Politik.

AFP

Töchter gegen Putin

Auch die russische Politik wird weiblicher. Allerdings nur die außerparlamentarische Opposition. Mein Kollege Matthias Schepp beschreibt im aktuellen SPIEGEL, wie die Töchter der Reformpolitiker aus den Neunzigerjahren heute gegen Wladimir Putin kämpfen: drei Engel gegen Putin. Sie kämpfen für die Ideale ihrer Väter, für ein modernes Russland, für Rechtsstaatlichkeit und Demokratie: Schanna Nemzowa, Tochter des vor einem Jahr ermordeten Oppositionellen Boris Nemzow. Maria Gaidar, Tochter des ersten postsowjetischen Ministerpräsidenten Jegor Gaidar. Und Xenia Sobtschak, Tochter des ehemaligen St. Petersburger Bürgermeisters Anatolij Sobtschak. Der hatte allerdings in den Neunzigerjahren einen politischen Ziehsohn: den heutigen Kremlherrn.

In Deutschland ist in diesen Tagen noch eine Frau gegen Putin unterwegs. Nadeschda Tolokonnikowa von Pussy Riot stellt ihr Buch vor: "Anleitung für eine Revolution". Heute Abend liest sie in Berlin im Maxim Gorki Theater. Meine Tochter und ich gehen hin.

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Gewinner des Morgens

Er ist nicht wirklich ein Gewinner, aber für mich ist er der Held des Morgens, wenn auch ein trauriger. Gestern gab Pfarrer Olivier Ndjimbi-Tshiende in seiner Sonntagspredigt bekannt, dass er sich eine neue Gemeinde suchen werde. Der Pfarrer im oberbayrischen Zorneding hatte Morddrohungen erhalten, nachdem er rassistische und fremdenfeindliche Äußerungen des örtlichen CSU-Personals kritisiert hatte. Als "unser Neger" war der Mann aus dem Kongo verunglimpft worden. Für mich hat Ndjimbi-Tshiende das christliche Abendland verteidigt - gegen die CSU.

DPA

Geburtstag

Hans-Werner Sinn, Ökonom und bis zu seinem heutigen 68. Geburtstag Präsident des Ifo-Instituts.

Mit herzlichem Gruß, Ihre

Christiane Hoffmann, stellvertretende Leiterin Hauptstadtbüro DER SPIEGEL

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insgesamt 8 Beiträge
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Seite 1
freddy loony 07.03.2016
1.
Europa und die Welt scheitern! Und Merkel rennt sich hilflos die Hacken ab. Es ist absolut unsinnig, einer Person wie Merkel , die als Einzige Verantwortung gezeigt hat, nun Scheitern vorzuwerfen....
geando 07.03.2016
2. Sorry SPON
...aber das Format des "Morning Briefing" bzw. "Die Lage" kommt mir irgendwie zu militärisch-Krisen-mässig für eine deutsche Nachrichtenseite vor. Muss das so sein? Ich denke, das Format kann wegtreten. Danke.
arthurspilgrims 07.03.2016
3. Christiane Hoffmann...
...ist bisher die sachlichste Redakteurin, wenn es darum geht, "Die Lage" zu beschreiben. "Bravo" Frau Hoffmann. Frauen sind halt doch die besseren Autoren. (Das sagt ein Mann).
wahrsager26 07.03.2016
4. Hauptstadt
Zuerst unbekannterweise einen herzlichen Glückwunsch an Herrn Sinn-seine Äußerungen zuletzt über Frau Merkel...herrlich!!!Die Damen in Russland mögen mit ihren Anliegen erfolgreich sein...!Hängengeblieben bin ich an der Feststellung,das Frau Merkel genau das bekommen hat ,was sie verhindern wollte.Ich denke ,es wäre doch Aufgabe des Spiegel aufzudecken und darzustellen,wen die Kanzlerin als Berater um sich geschart hat.?Es mag ja anmaßend klingen-derartige Missgriffe hätte ich auch tätigen können ...ich denke da an die beginnende Abhängigkeit gegenüber der Türkei.Danke
lupenreinerdemokrat 07.03.2016
5.
Es gibt auch hierzulande drei Engel, die für Demokratie, Rechtsstaatlichkeit und Reformen kämpfen: Klöckner, Petry und Wagenknecht. Könnte man, statt irgendwelche völlig irrelevanten Töchter irgendwelcher unbekannter russischer Oppositionellen zu thematisieren, hier auch mal erwähnen.
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