Die Lage am Samstag Liebe Leserin, lieber Leser,


heute Abend in Rom wird Papst Franziskus im Petersdom die Osternacht feiern. Franziskus ist ein politischer Papst. Über Donald Trump, der amerikanischer Präsident werden will, sagte er, dieser sei kein Christ. Es ist richtig, wenn sich die Repräsentanten der Kirchen zur Politik äußern. Es kann ihnen ja nicht nur um ewige Fragen gehen, sondern sie müssen natürlich immer dann etwas sagen, wenn Politik die Menschenwürde massiv verletzt. Ein Pakt zwischen Religion und Politik aber verbietet sich. Immer. Überall. Deshalb verbietet es sich auch, die Religionen von politischer Seite aus zu instrumentalisieren. Auch hier sind die Grenzen fließend, Religion ist als Teil der Kultur in vielen Ländern eng verwoben mit politischen Ritualen, und das ist auch völlig in Ordnung: Dass er direkt nach dem Ritual der Amtseinführung in die Kirche ging, hat den US-Präsidenten Barack Obama nicht davon abgehalten, sich innerhalb seiner Amtszeiten für Religionsfreiheit und Muslime einzusetzen.

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Heft 13/2016
Die gefährliche Rückkehr der Religionen

Gefährlich aber ist der Pakt zwischen Amtsinhabern und fundamentalistisch Religiösen, weil den Fundamentalisten die Werte der freien Welt fremd sind. Und dieser Pakt wird zurzeit überall auf der Welt geschlossen. Für die neue SPIEGEL-Titelgeschichte haben wir Kollegen in Deutschland und unsere Korrespondenten in Nord- und Südamerika, in Afrika, in Russland, in Israel und den arabischen Staaten gebeten, in ihren Regionen den Einfluss religiöser Eiferer - seien es Christen, Juden oder Muslime - auf die Politik darzustellen. Die Recherchen bestätigen die Ergebnisse einer großen Bertelsmann-Studie, die der SPIEGEL vor Kurzem veröffentlicht hat: In vielen Gegenden der Welt wächst der unheilvolle Einfluss religiöser Fundamentalisten auf die Politik. Den Film zu unserer Titelgeschichte finden Sie hier.

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DPA

Europas neuer Alltag

Die Ostermärsche haben überall in Deutschland begonnen. Heute treffen sich die Demonstranten in Gießen, Leipzig, Duisburg, Augsburg und Rostock, um nur einige Städte zu nennen. Die Ostermärsche sind aus der Friedensbewegung hervorgegangen. Ihr Thema sind in diesem Jahr die Kriegsflüchtlinge. In Hannover etwa lautet das Motto: "Kriege stoppen - Fluchtursachen beseitigen." Kriege haben sich verändert. In diesen Tagen stellt sich die Frage, ob das, was Europa gerade erlebt, schon ein Krieg ist. In Brüssel, der Hauptstadt Europas, explodierten die Bomben. Meine Kollegin Katrin Kuntz war am Dienstagmorgen gerade für eine Recherche über islamistische Terroristen in Brüssel gelandet, als am dortigen Flughafen die Sprengsätze detonierten, und wir waren so froh, in unserer Redaktionskonferenz wenig später den Kollegen sagen zu können, dass ihr nichts passiert sei. Im neuen SPIEGEL können Sie einen großen Komplex zu den Anschlägen von Brüssel lesen. Meine Kollegen sind der Frage nachgegangen, ob sich Belgien insgesamt in einem so schwierigen Zustand befindet, dass es den Terroristen zu leicht gemacht wurde, gerade dort zuzuschlagen. Die Anschlagserie bestätigt überdies, wie ein anderer Text darlegt, die neue, schlaue Strategie des IS. Und Katrin Kuntz erzählt in einem persönlichen Stück von ihren Erlebnissen in der Stadt.

Ist es also ein Krieg, in den Europa da geraten ist? Ein anderer, fürchterlicher Satz trifft es eher: Die Bomben gehören zu Europas neuem Alltag.

Tapfere SPD-Basis

Jetzt ist Wochenende, morgen Ostern, die Politik kommt hoffentlich zur Ruhe. Verdient hätten es die Politiker. Denn da gab es Wochenenden in letzter Zeit, die sie und das ganze Land erheblich in Unruhe versetzt haben. Ich sage nur: Landtagswahlen! Inzwischen erfasst mich beinahe Mitleid, wenn ich an den Zustand der SPD denke. In Baden-Württemberg, wo die SPD früher noch auf über 30 Prozent kam, erreichte sie gerade mal 12,7 Prozent. Aber Mitleid ist hier keine Kategorie. Die Sozialdemokraten müssen sich zusammenreißen, sonst wird das nichts mehr. Meine Kollegen haben in den Milieus der Sozialdemokratie recherchiert, die Mitglieder an der Basis, so legt es der Politik-Aufmacher im neuen Heft dar, wünschen sich an ihrer Spitze mehr Klarheit und Haltung. "Wir schaffen das", so lässt sich tapfer eine Sozialdemokratin zitieren.

DPA

Gewinner des Morgens

ist für mich Franz Müntefering. Viele von uns haben heute und morgen und übermorgen frei, nach Tagen voller Arbeit und Anspannung. Auf eine so plötzliche Muße, und seien es nur ein paar Stunden, kann sich nicht jeder leicht einstellen. Wie ergeht es dann erst einem Spitzenpolitiker in der Rente? "Ich wusste, Rente kann gefährlich sein, besonders für Männer. Man macht seinen Weg, steigt im Job auf und fällt von der Leiter. Manche bekommen dann das Gefühl, dass der Rest des Lebens beliebig ist und keinen großen Sinn mehr hat", sagt Müntefering. Wie er selbst mit der neuen Freiheit umgeht, lesen Sie im SPIEGEL-Gespräch, das meine Kollegen Britta Stuff und Horand Knaup mit dem ehemaligen SPD-Vorsitzenden geführt haben. Er schildert darin mit anrührender Ehrlichkeit die Vor- und Nachteile der Freizeit: "Ich kann Dinge tun, die ich mir selbst aussuche. Ich habe Zeit zum Nachdenken. Was auch anstrengend ist. Es gibt auch dunklere Stunden, natürlich."

Mit freundlichen Grüßen,

Ihre Susanne Beyer, stellvertretende Chefredakteurin DER SPIEGEL

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insgesamt 14 Beiträge
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gehirngebrauch 26.03.2016
1. die SPD
hat sich faktisch schon abgeschafft mit schröder. das pech der wähler ist, dass diese herrschaften sich meist schon sichere überlebensnester geschaffen haben oder einfach die partei wechseln. so eine "ausweichstelle" ist z.b. die brüsseler europabürokratie. niemand braucht sie, wird aber trotzdem mit fetten geldern versorgt.
karljosef 26.03.2016
2. Müntefering, bescheiden, wie er nun einmal ist!!
führte zuerst die Rente mit 67 ein, die Älteren erinnern sich sicherlich gerne, vor allem die älteren Arbeitslosen. DANACH wollte er in einem Gespräch mit den Arbeitgebern diese motivieren, auch erfahrene Arbeitskräfte einzustellen. Bescheiden, wie Müntefering ist, hat er nie mit dem Ergebnis dieser Gespräche geprahlt. Eigentlich hat niemand etwas hiervon erfahren? Dass die Reihenfolge genau falsch herum war, zuerst hätte er die Einstellung von Arbeitskräften über 45 ööööhhh, Entschuldigung, nein, über 65 klären müssen, danach die Rente mit 67 einführen, meine doch nicht wohl nur ich, oder?
Magic Sunray 26.03.2016
3. Sachlich unbegründete Kulturarroganz
Auch ich ziehe ein säkularisiertes, politisches System vor (vermutlich liegt dies an meiner mitteleuropäischen Sozialisation), sich aber mit dem Geltungsanspruch der alleinigen Wahrheit hinzustellen und eine Trennung von weltlicher und religiöser Lebens- und Wirkungssphäre „immer” und „überall” zu fordern, hat schon etwas sehr Missionarisches. Mit welchem Recht eigentlich? Auch unsere Gesellschaft trägt doch ihre Religion, den Kapitalismus, wie ein Kruzifix vor sich her, dem sich jeder unterwerfen muss. Und die daraus folgenden Kriege sich keinen Deut besser als die religiösen.
mindmove 26.03.2016
4. Demokratie benötigt die SPD!
Sollte die SPD tatsächlich in der Versenkung verschwinden, was wäre dann? Ich denke keinem ist wirklich richtig bewusst was das für Konsequenzen hätte und keinem ist bewusst was diese Partei in entscheidenden Momenten bisher geleistet hat und immer noch leistet. Wenn die SPD nicht an der Macht gewesen wäre, dann wäre Deutschland mit ziemlicher Sicherheit in den Krieg gegen den Irak gezogen. Kann sich keiner mehr erinnern als Merkel, damals zum Glück noch in der Opposition, zu Bush geflogen ist und volle Unterstützung zugesagt hat, sobald Sie an der Macht ist? U. a. Dieser Krieg hat den Nährboden für den IS geschaffen! Das ist nur ein Beispiel für ein überlegtes handeln. Wo verhält sich denn bitte unsere tolle Kanzlerin überlegt? in der Ukrainekrise? Beim Rückzug des Ausstiegs aus der Kernenergie, der wieder rückgängig gemacht werden musste? In der Europapolitik? Bei TTIP? In der Flüchtlingskrise? Beim Umgang mit der Autoindustrie bezüglich Abgasgrenzwerte? Wieviele mussten aus Ihrer Partei schon den Doktortitel abgeben? Natürlich war Schröders Agenda 2010 vollkommen übertrieben und zu Lasten der Schwächsten. Aber würden die Wähler nicht immer gleich einknicken, nur weil ein paar Großkonzerne mal wieder ankündigen Arbeitsplätze abzubauen, dann wäre das auch nie so gekommen. Ein Ende der SPD würde ein Ende der Demokratie und den Beginn einer noch heftigeren Wirtschaftsdiktatur bedeuten, das kann so kaum jemand ernsthaft wollen.
mainstreet 26.03.2016
5. Wo bleiben eigentlich die schönen Dinge.?
Morgen ist Ostern und heute Nacht Zeitumstellung und die Presse ist derzeiten nicht sehr lesenswert denn die Geschichte mit dem Terror geht mittlerweile schon in das x-te Lebensjahr. Klar doch die Presse kann es sich nicht aussuchen und Terror wünscht sich niemand jedenfalls kein normaler Mensch und dann noch die Angehörigen der Opfer. Das ist alles furchtbar und tiefe Trauer bleibt und unser ehrliches Mitgefühl aber man wünscht sich auch mal wieder eine etwas heitere Berichterstattung ohne Terror und leider kann man den Islam nicht ausweisen, es sind nur wenige verrückte Islamfanatiker und das Friedliche an der Religion führt der Islam ja gerade in das absolute Abseits. Dennoch man muss den Kopf oben behalten und auch Leute die nicht unbedingt Kirchgänger sind freuen sich zu Ostern über die freien Tage über Freizeit und Muße und sicherlich auch über eine friedliche Welt und Umwelt die man wie auch immer verbringen kann. Sollte sich die Presse wandeln und Berichterstattungstage nur noch an Werktagen machen? Währe das eine Kapitulation vor den Islamterroristen? Ich meine eigentlich sicher nicht wenn man die Werte wie Freizeit und Lebensausübung in der Presse wieder höher hängen würde. Der Papst kommt morgen und möge mir meine Sünden vergeben und anderen auch und der Terror muß aufhören denn dann hört auch die miese Berichterstattung auf. Alles Gute zu Ostern!
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