Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.

DIE LAGE am 11.3.2016 Liebe Leserin, lieber Leser,

in der Flüchtlingskrise hat Europa in dieser Woche die schwarze Null geschafft. "Null Flüchtlinge", meldete Österreich am wichtigen Grenzübergang Spielfeld im Süden des Landes. Es ist ein schwarzer Tag - für die Flüchtlinge im griechischen Schlamm und für das europäische Asylrecht.

Denn wenn Kanzlerin Angela Merkel ihren Plan für einen Deal mit Ankara umsetzt, wird die Türkei faktisch zum sicheren Drittstaat. Für Afghanen, Iraker, Iraner oder Eritreer, die über die Türkei einreisen, wird es in Europa kein politisches Asyl mehr geben, unabhängig davon, ob sie in ihrer Heimat politisch verfolgt sind oder nicht. Sie gelten jetzt als illegale Migranten. Was als humanitäre Flüchtlingspolitik begonnen hat, endet mit dem Abschied von der Genfer Flüchtlingskonvention.

Hier in einem Schritt bestellen:

Nulltarif

Auch Mario Draghi hat jetzt seine Null: Der EZB-Chef senkt den Leitzins auf sagenhafte 0,00 Prozent. Geld gibt es nun umsonst. Zinsen waren gestern. Draghis Nulltarif ist ein Akt der Verzweiflung wie die Schließung der Balkanroute.

Zur Großansicht
DPA

Barmherzigkeit

Trotz Vollbeschäftigung und Mindestlohn: Die Kluft zwischen Arm und Reich wächst weiter. Deutschland, so stellt DIW-Chef Marcel Fratzscher in seinem neuen Buch fest, ist mittlerweile "eines der ungleichsten Länder der industrialisierten Welt". Deutschlands soziale Marktwirtschaft, so der Ökonom, existiert nicht mehr. Fratzscher sieht deshalb nicht nur den sozialen Frieden im Land gefährdet, sondern auch den Wohlstand. Soziale Gerechtigkeit ist eben kein Akt der Barmherzigkeit, sie ist die Bedingung für wirtschaftliche Entwicklung. Meine Kollegen aus dem SPIEGEL-Hauptstadtbüro haben Fratzschers Thesen mit einer umfangreichen Recherche untermauert. Das Ergebnis lesen Sie in der Titelgeschichte im neuen SPIEGEL, der heute ab 18 Uhr digital abrufbar ist.

Auch beachtenswert

# Mazedoniens Präsident: "Ich habe verstanden, dass wir Europa egal sind"

# TV-Debatte in Rheinland-Pfalz: Sieger gesucht - Verlierer gefunden

# US-Vorwahlen: Obama will nicht für Trumps Erfolg verantwortlich sein

Zur Großansicht
Getty Images

Gewinnerin des Morgens...

... ist die Queen. Die sonst eher kühle Königin ist leidenschaftlich empört über den britischen Boulevard. Dabei geht es leider nicht um eine pikante Enthüllung aus dem Innenleben der Royal Family, sondern um eine brisante politische Nachricht: "Queen backs Brexit" titelte die "Sun". Ein Skandal, hat sich doch die königliche Familie zur politischen Neutralität verpflichtet wie sonst nur die Schweiz.

Was die Queen zur Gewinnerin macht: Sie wehrt sich. Als erster Royal in der Geschichte des Königreichs schaltete Elizabeth den britischen Presserat ein, der sich jetzt die Berichterstattung der "Sun" vorknöpfen wird.

Auch Prinz William war übrigens kürzlich ins Visier des Boulevards geraten. Er sitze zu viel mit Kate und Kindern zu Hause herum, hieß es, anstatt seinen prinzlichen Pflichten nachzukommen. Die Berichterstattung wurde als Einschüchterungsversuch verstanden, nachdem William angeblich den Brexit kritisiert hatte. Bald mehr in der neuen Serie: Royals gegen Brexit-Presse.

Mit herzlichem Gruß,

Christiane Hoffmann, stellvertretende Leiterin Hauptstadtbüro DER SPIEGEL

Newsletter
DIE LAGE: Der kompakte Nachrichtenüberblick am Morgen
Diesen Artikel...
Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 20 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
1. Ich bin ein Gewinner.
NeueTugend 11.03.2016
Die Genfer Flüchtlingskonvention war nicht gedacht, dass es zu neuzeitlichen Völkerwanderungen kommt. Ich möchte davor verschont bleiben, ansonsten sehe ich schwarz für mich und Europa. Mein eigenes Leben ist mir absolut wichtiger. Darf ich so denken? Oder muss ich darum bitten?
2. Ist doch alles prima,
Andreas1979 11.03.2016
wie sagte schon Hub Stevens, die Null muss stehen.
3. ja was denn nun?
dasmillionenspiel 11.03.2016
Ist denn die Türkei etwa kein sicherer Drittstaat?Es machen jedes Jahr tausende Deutsche in der Türkei Urlaub. Die Türkei gilt doch (noch) als demokratisch. War denn die Politik des "Durchwinkens"legal?
4. Halbwahrheit
ackermart 11.03.2016
Die Zinssenkung ist immerhin die halbe Wahrheit, die indes nur minimal anders als am Vortage ist. Die andere Hälfte ist die verschwiegene 33%ige Ausweitung des ohnehin bereits monströsen "Aufkaufprogrammes" unverkäuflicher Staatsschuldscheine. Doch diese Hälfte ist im Sinne der Halbwahrheit eine krasse Täuschung, da es in Wahrheit die Bedienung dieser Schulden durch die EZB - an Stelle der Schuldner - mit neugedrucktem Geld ist. Zwar tilgt defacto kein europäischer Staat seine Schulden, doch geschieht die Neuverschuldung nun gerade bei denen obergrenzenlos, die nicht mal die geringste Rückzahlung an Zins leisten können. Dies aber war bisher noch die Grenze zum ökonomischen Wahnsinn, Wachstum nur noch mit dem (An-)"Schein" von Gegenwert zu bezahlen. Die ganze Wahrheit ist jedoch seit Jahren schon die, dass dabei nur noch die Geldmenge wächst. Dass dies nun nicht zur Inflation führt - kommt davon, dass es an der Börse bei denen landet, die damit nur noch ihre Höneß-typische Spielsucht bedienen die - zum Glück - nicht konsumwirksam wird.
5. Sicherer Drittstaat
spon_2999637 11.03.2016
Die Türkei ist bisher kein sicherer Drittstaat? Sie ist soch schon sicheres Herkunftsland - wie könnte es dort gleichzeitig sicher und unsicher sein?
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    

© SPIEGEL ONLINE 2016
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH





Der kompakte Nachrichtenüberblick am Morgen: aktuell und meinungsstark. Jeden Morgen (werktags) um 6 Uhr. Bestellen Sie direkt hier: