DIE LAGE am 2.3.2016 Liebe Leserin, lieber Leser,


heute steht Angela Merkel ein Termin bevor, auf den sie gerne verzichtet hätte. Horst Seehofer ist zu Besuch im Kanzleramt. Der CSU-Chef hat so lange gedrängelt, bis die Kanzlerin eine Lücke im Kalender fand. Die große Frage ist allerdings, was Seehofer mit dem Treffen bezweckt. Wer Merkel bei ihrem Auftritt bei "Anne Will" gesehen hat, der erkannte: Beim Streit der Schwesterparteien geht es nicht mehr nur allein um die Sache. Es geht um die Frage, wie man die Welt sieht.

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Heft 9/2016
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Seehofer redet von der tristen Gegenwart, Merkel von der hellen Zukunft. Das Prinzip Hoffnung ist ihr Glaubensbekenntnis. In der Talkshow ließ sich die Kanzlerin gar nicht mehr auf die Frage ein, wie eigentlich ihr Plan noch gelingen kann, die Flüchtlinge auf Europa zu verteilen. Sie erzählte lieber von ihrem Wunsch, dass viele Menschen an ihre Politik glauben mögen: "Dann kann man auch Berge versetzen." Bei Merkel wird der Grat zwischen Zuversicht und politischer Theologie immer schmaler.

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REUTERS

Trump versus Clinton

Nach dem Super Tuesday wird ein Duell um die US-Präsidentschaft zwischen Donald Trump und Hillary Clinton immer wahrscheinlicher. In einem guten Dutzend Bundesstaaten konnten die Wähler der Republikaner und Demokraten in Vorwahlen über ihre Lieblingskandidaten für die Präsidentschaft entscheiden - und in den meisten Staaten setzten sich Trump und Clinton durch. Ihre Rivalen Ted Cruz, Marco Rubio und Bernie Sanders konnten zwar einzelne Staaten gewinnen, doch am Ende wird das wohl nicht mehr ausreichen, um Clinton und Trump noch einzuholen.

Spannend wird jetzt sein, ob sich die republikanische Partei um den Kandidaten Trump versammelt, der ja bislang als Außenseiter angetreten war. Außerdem dürfte dieser Wahlkampf weiter an Härte zunehmen: Sowohl im Clinton-Lager als auch auf der Seite Trumps werden bereits die Schwächen des jeweiligen Gegners ausgelotet und Angriffspläne für die kommenden Wochen entworfen. Bei meinen Kollegen von SPIEGEL ONLINE können Sie alle wichtigen Analysen und Hintergründe zum Super Tuesday hier nachlesen.

DPA

Kanonen auf Zwerge

Heute beginnt vor dem Bundesverfassungsgericht in Karlsruhe der zweite Tag des Verbotsverfahrens gegen die NPD. Der Prozess offenbart die ganze Absurdität des Versuches, den politischen Streit in den Gerichtssaal zu zerren. Die NPD ist eine abstoßende Partei, darüber muss man nicht lange reden. Allerdings sitzt sie momentan nur noch mit fünf Abgeordneten im Landtag von Mecklenburg-Vorpommern. Die NPD ist zu einem hässlichen Zwerg geschrumpft, auf den der Rechtsstaat sein schwerstes Geschütz richtet. Die Bundesrepublik wurde als wehrhafte Demokratie gegründet. Als souveräne präsentiert sie sich derzeit eher nicht.

DPA

Gauck, der Glückliche

Als einen glücklichen Menschen darf man sich in diesen Tagen Joachim Gauck vorstellen. Normalerweise müssen Politiker Konkurrenten fürchten, der Bundespräsident kann sich im Moment nicht vor seinen Freunden retten. SPD-Chef Sigmar Gabriel und Horst Seehofer haben schon erklärt, dass sie sich eine zweite Amtszeit Gaucks wünschen. Nun hat sich auch die Kanzlerin in die Reihe derer gestellt, die ihn nicht gehen lassen wollen. Im Moment hat sie schon genug Ärger. Da will sie sich nicht auch noch auf die Suche nach einem neuen Präsidenten machen. Aber wie es so ist mit den Stars: Fanpost lassen sie erst mal unbeantwortet.

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DPA

Gewinner des Morgens

ist Uli Hoeneß. Der ehemalige FC-Bayern-Präsident ist seit Montag ein freier Mann. Bei einem Empfang in seiner Villa am Tegernsee wurden angeblich Weißwürste gereicht, das jedenfalls hat die "Bild"-Zeitung recherchiert. Auch der musikalische Rahmen war bodenständig, Blechbläser aus Rottach-Eggern spielten volkstümliche Melodien. Nun hätte ich Hoeneß nach 637 Tagen Haft auch ein Gläschen Champagner gegönnt. Aber Hoeneß ist nicht nur in den Augen der Justiz auf Bewährung, sondern auch in denen der Deutschen. Und die verzeihen nur Sündern, die sich ebenso reuig wie bescheiden zeigen.

Geburtstage

Lothar de Maizière, letzter DDR-Ministerpräsident, 76.

Michail Gorbatschow, ehemaliger Staatspräsident der Sowjetunion, 85.

Mit freundlichen Grüßen, Ihr

René Pfister, Leiter Hauptstadtbüro DER SPIEGEL

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insgesamt 19 Beiträge
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Seite 1
deutschlandgefälltmir 02.03.2016
1.
Bei Amtsantritt wäre Gauck 77, am Ende der 2-ten Amtszeit dann 82 Jahre. Gibt es kein jüngeres Personal in Berlin ? Auf einen Gruß-August mit ständig erhobenem Zeigefinger könnte Deutschland leicht verzichten ! Wo sind Politiker, Persönlichkeiten eines Formates von Weizsäcker, Herzog oder Köhler? Unabhängige Menschen, die die Fähigkeit besitzen, diesem Amt gerecht zu werden und ihren Staat repräsentieren.
justkidding 02.03.2016
2.
---Zitat--- heute steht Angela Merkel ein Termin bevor, auf den sie gerne verzichtet hätte. ---Zitatende--- Wie könnt ihr wissen ob Merkel diese Termin haben will oder nicht? Habt ihr sie darüber gefragt oder ist es nur eine Zumutung? Wenn ihr kritische Fragen bekommt, verzichtet ihr liebe auf ein Diskussion und wollt nur weg? Die Lage > wie SPON es sieht.
hans.lotz 02.03.2016
3. Bayern's lahme Ente
Ob der Seehofer irgendwas sagt oder will, ist so wichtig wie der umfallende Sack Reis in China. Seehofer hat durch sein permanentes Nörgeln, dem nie die Taten folgten, jeden Respekt verloren. Eben nur ein Schwätzer. Man darf gespannt sein, wie lange die Bayern den noch gewähren lassen.
Fuscipes 02.03.2016
4.
Der "Grat zwischen Zuversicht und politischer Theologie" mag einer der Gründe sein, warum sich der "Selbsteinlader" einfindet, sein Zuständigkeitsbereich ein anderer.
hawe 02.03.2016
5. ach, Seehofer ....
das ist doch der, der immer mit Konsequenzen, Ultimaten und Verklagung droht und wenn´s ernst wird, den Schwanz einzieht. Das ganze Genörgel hätte er sich sparen können, wenn keine Taten folgen. Es wäre besser, er hielte den Mund. Oder er würde seine Drohungen umsetzen. Aber so?
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