Die Lage am Freitag Liebe Leserin, lieber Leser,


eigentlich hatten die USA ab heute hohe Strafzölle auf Stahl und Aluminium erheben wollen, aber jetzt ist der Handelskrieg erst einmal verschoben. Leider nur teilweise: Die EU und ein paar weitere Staaten bleiben vorläufig verschont, für China gelten dagegen ab heute die Strafmaßnahmen - und gestern Abend kündigte US-Präsident Donald Trump noch weitere an.

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Heft 12/2018
Der Giftanschlag und der neue Kalte Krieg

Auf Europa wird sich das in jedem Fall auswirken, und sei es nur, weil die Chinesen jetzt verstärkt auf den europäischen Markt drängen. Trump bleibt auch als Präsident der Geschäftsmann, der seine Interessen mit harten Bandagen durchdrückt. Er begreift die Welt als Handelskriegsschauplatz, er pokert und macht Druck.

Seehofer weist Merkel zurecht

Das Zerwürfnis zwischen Merkel und Seehofer wird immer tiefer. Nachdem Merkel ihn im Bundestag abkanzelt hat, weist der CSU-Chef sie nun wieder in scharfen Worten zurecht, wie Sie im neuen SPIEGEL lesen können, der heute Abend ab 18 Uhr herunterzuladen ist. Es ist der Machtkampf von zweien in ihren letzten Amtsjahren, zweien, die um ihr Vermächtnis ringen. Beide wollen und können nicht mehr zurück. Doch wie soll das gut gehen? Vier Jahre lang?

Ein Satz als Fetisch

DPA

Menschen wollen dazugehören. Zugehörigkeit, das ist fast so wichtig wie Essen und Trinken. Kaum etwas ist daher so verletzend wie die Ausgrenzung, der Satz: Du gehörst nicht dazu. Es war vielleicht nicht glücklich, dass Christian Wulff ausgerechnet dieses Verb - dazugehören - wählte, als er Deutschlands Verhältnis zum Islam beschrieb. Das Verb ist mehrdeutig, es kann eine sachliche Feststellung sein, wie in "Brasilien gehört nicht zu Nordamerika". Oder eben subjektiv einschließen oder ausgrenzen: Ihr gehört (nicht) dazu.

Wulffs Satz ist längst zum Fetisch geworden. Ob man ihn teilt oder nicht, sagt eigentlich so ungefähr alles. Das läuft bipolar, schwarz oder weiß. Übrigens findet keineswegs eine Mehrheit der Deutschen, dass der Islam nicht zu Deutschland gehört, wie es die CSU gern behauptet. Eine aktuelle Umfrage sieht die Nation wieder einmal tief gespalten. Für 47 Prozent gehört er zu Deutschland, für 46 Prozent nicht.

Kanzlerin Merkel hat in ihrer Regierungserklärung das Wort "dazugehören" vermieden. Der Islam sei ein Teil von Deutschland, sagte sie. Und machte trotzdem deutlich, dass sie nichts anderes meinte als Wulff.

Let's talk about sex-ismus

Toni Schneiders / Picture Alliance / Artcolor

Und nun mache ich ausnahmsweise einmal Werbung in eigener Sache: Seit Adam und Eva beschäftigt das Thema die Menschheit, ewig und immer wieder neu. Zwischen Frauen und Männern geht es um Liebe und Macht, Verführung und Verbot, Identität und Gerechtigkeit. Auch der SPIEGEL hat sich natürlich immer wieder mit der Geschlechterdebatte befasst: zuletzt bei #MeToo, Aufschrei, Vereinbarkeit, EqualPay. Nun haben meine Kollegin Britta Stuff und ich uns dem Thema noch einmal ganz anders genähert.

Im neuen SPIEGEL finden Sie nach dem Vorbild von Arthur Schnitzlers "Reigen" eine Serie von Gesprächen, in denen sich Menschen begegnen, paarweise, und über Sex, Sexismus, Frauenrechte und Männerprobleme sprechen. Wolfgang Kubicki flirtet mit Erotik-Modell Micaela Schäfer, eine muslimische Feministin versucht, den FDP-Politiker zum Feminismus zu bekehren - natürlich vergeblich. Ein Männercoach wirbt bei einer Rapperin um Verständnis für die Schwierigkeiten des modernen Mannes, ebenfalls vergeblich, und ein männlicher Feminist träumt von einer Welt ohne Penetration. Aber lesen Sie selbst...

Verlierer der Tages...

AFP

... ist Nicolas Sarkozy. Dass es ihm nicht an Chuzpe fehlt, hat Frankreichs Ex-Präsident, den Karikaturisten als Napoleon porträtierten, mehr als einmal bewiesen. Aber Wahlkampfhilfe von Libyens Diktator Muammar al-Gaddafi, dem Mann, der Staatsgäste gern im Wüstenzelt empfing - das ist wirklich ganz großes Kino. Was ist dagegen schon Donald Trump, der sich nur von Russlands doch eher biederem Präsidenten Wladimir Putin ins Amt helfen ließ.

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Ich wünsche Ihnen einen unbeschwerten Freitag und ein schönes Wochenende.

Herzlich,

Ihre Christiane Hoffmann

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insgesamt 7 Beiträge
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Seite 1
kleinsteminderheit 23.03.2018
1. Überfällige Diskussion
Eigentlich sollten die Kommentatoren froh sein, dass die Islamdiskussion nun endlich auch innerhalb der Volksparteien offen geführt wird. Wir haben in Deutschland Millionen von Muslimen. Das ist völlig unstrittig. Aber zwischen Anwesenheit und Dazugehörigkeit liegt ein langer Weg, genannt "Integration" Die Islamdebatte ist letztendlich eine Debatte darüber, wie sich der Islam in unser christlich-liberales Wertesystem integriert, ob dieser Prozess ein Selbstläufer ist, oder ob Integration als Ziel definiert und gefördert werden soll. Tatsache ist, dass wir noch keine Antwort auf den politischen Islam gefunden haben, dass viele muslimische Migranten in den Wertesystemen und Konflikten ihrer Herkunftsländer verharren und dass sich teilweise Migrationsstämmige der dritten Generation bewusst desintegrieren. Wenn sich die Bevölkerung in dieser Frage in zwei fast gleichgroße Lager teilt, ist eine offene Integrationsdebatte innerhalb der Volksparteien längst überfällig.
rkinfo 23.03.2018
2. Schon vor 150 Jahren 'Gleichstellung aller Religionen'
Ob Christen, ob Heiden (Germanen, Antik-Griechisch -Römisch - siehe 9. Sinfonie, ob nichtreligiös, ob israelistisch), unsere Vorfahren waren schon voll in Richtung 'Gleichstellung' incl. wechseitiger Akzeptanz der Religion eingestellt. Anno 1831 gab's dazu in Baden das erste Gesetz zur 'Gleichstellung der Israeliten'. Viele der deutschen Muslime sehen es auch so, aber der Islam ansich kann weder mit Heiden, noch Nichtgläubigen was anfangen und zu den anderen Buchreligionen herrscht tiefes Mißtrauen. Somit liegt Seehofer auf der liberalen, modernen Seite, während Merkel das alberne 'Der Islam gehört zu Deutschland' verkündet. Übrigens, schon der Alte Fritz hatte die Gleichstellung aller Religionen im Sinne, wobei Jede auch im Diesseits und Jenseits seelig werden konnte. Das fehlt auch im Islam ... nicht bei vielen Muslimen. Österreich hat vor 100 Jahren per Islamgesetz schon Zeichen gesetzt, wobei wir heute ein allgemeines, religiöses Gleichstellungsgesetz brauchen würden. Darin wäre der wechseitige Respekt der Religionen und das Recht auf persönlichen Religionswechsel als Teil der Menschenwürde zu verschriftlichen. So liberale Ansichten gab's bereits vor dem 9. Jahrhundert weltweit, wie die guten Kontakte arabisch-islamischer Herrscher zu den christlichen Franken zeigte. 'Ungläubige' - sowas war damals im Islam noch unbekannt. Unsere christliches Europa ist übrigens kein Konfessionschristentum, sondern geprägt von einem christlich geprägten,liebevollen, 'unified' Gott aller Religionen der Gegenwart, Vergangenheit und Zukunft. Im Urislam des frühen 7. Jahrhunderts war das Gottesbild ähnlich.
th.diebels 23.03.2018
3. Es wird
spannend noch in Berlin : Merkel / Seehofer und Seehofer :/. Merkel ! Der Kitt "Angst vor Neuwahlen" wird brüchig und brüchiger .....
birdie 23.03.2018
4. Die Herren Seehofer und Dobrindt haben klar gemacht, dass ...
sie nicht zu unserem christlichen Deutschland gehören. Denn sie wollen die Grundlehre der Bibel "liebe Deinen Nächsten wie Dich selbst" nicht anerkennen. Woraus zu erkennen ist, dass sie keine Christen sind. Statt dessen bekennen sie sich dazu, Islamisten zu sein, indem sie sich in ihren Argumentationen auf den Koran und dort auf die 5. Sure Verse 33 und 34 beziehen, wo der Umgang mit Ungläubigen sowie deren Bestrafung explizit geregelt ist. Zum Nachweis bitte lesen: Prof. Dr. Hartmut Bobzin, DER KORAN, C.H.Beck Verlag, 2007, Seite 97. Da die Herren Seehofer und Dobrindt die Ausweisung aller Islamisten aus Deutschland fordern, sollten sie ihre eigene Ausreise in ein Land ihrer Wahl unverzüglich vorbereiten.
So Nebenbei 23.03.2018
5. Religion ist Privatsache!
Religionen sollten zu gar keinem Staat "gehören". Religion ist privat, gehört in Kirchen und die eigenen vier Wände. Dort kann jede Religion zelebriert werden, auch die des Spaghettimonsters...
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