Die Lage am Donnerstag Liebe Leserin, lieber Leser,


vor dem offiziellen Start des G20-Gipfels in Hamburg am Freitag will US-Präsident Donald Trump heute in Polen eine Grundsatzrede halten. Die nationalkonservative Regierung unter Präsident Andrzej Duda war ganz erpicht darauf, Trump einzuladen - und der hat nach einigem Zaudern zugesagt. Nun will er in Warschau auf einem zentralen Platz vor 15.000 Menschen sprechen und so vor allem dem US-Publikum demonstrieren, dass er in Europa durchaus auch Fans hat.

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Heft 27/2017
Globalisierung außer Kontrolle: Radikal denken, entschlossen handeln - nur so ist die Welt noch zu retten

Trump und die polnische Regierung eint der gemeinsame Glaube an den Vorrang des Nationalen vor dem Multilateralismus, die Ablehnung von Migranten und eine große Skepsis gegenüber der EU - entsprechend rückwärtsgewandt dürfte Trumps Rede ausfallen.

AFP

Merkels schwieriges Abendessen mit Trump

Nach dem Abstecher nach Polen fliegt Trump weiter nach Hamburg, wo er nach bisheriger Planung mit Kanzlerin Angela Merkel zu einem Abendessen verabredet ist. Angesichts der vielen Differenzen zwischen der Bundesregierung und der neuen US-Administration dürfte das kein besonders angenehmes Treffen werden. Merkels Emissäre, die seit Wochen an einer gemeinsamen Gipfelerklärung der G20-Teilnehmer feilen, berichten von sehr schwierigen Gesprächen mit den Trump-Leuten. Wie schon beim G7-Gipfel lehnen Trump und seine Berater alle Formulierungen ab, die zu sehr nach friedlicher internationaler Kooperation klingen. Das passt schlicht nicht zu ihrem "America First"-Ansatz. Langsam fragt man sich allerdings, warum Trump überhaupt noch zu solchen Gipfeln kommt, wenn ihm der Rest der Welt eh wurscht ist.

REUTERS

Martin Schulz trifft Chinas Präsident

Natürlich ist der Gipfel in Hamburg eine schöne Gelegenheit für Angela Merkel, um sich dem Volk im Wahljahr als kompetente Außenkanzlerin zu präsentieren. Damit die SPD auch noch irgendwie vorkommt, wollen sich Kanzlerkandidat Martin Schulz und Außenminister Sigmar Gabriel heute ausführlich zu ihren Erwartungen an den Gipfel äußern. Schulz trifft zudem mit Chinas Staatspräsident Xi Jinping zusammen. Von einem geplanten Treffen des Kanzlerkandidaten mit Trump ist nichts bekannt. Dies ist auch eher unwahrscheinlich: Schulz hatte Trump unlängst als "Zerstörer aller westlicher Werte" bezeichnet.

Und was machen die Demonstranten?

Kurz vor Beginn des Gipfels startet heute eine große Anti-G20-Demonstration unter dem Motto "Welcome to hell". Es werden Zehntausende Teilnehmer erwartet. Die Polizei stellt sich auf Krawalle ein. Der Verkehr in der Hamburger Innenstadt dürfte komplett zum Erliegen kommen. Am Abend beginnt fast zeitgleich das große "Global Citizen Festival", ein Konzert, bei dem Künstler wie Coldplay oder Herbert Grönemeyer auftreten wollen, um ein Zeichen gegen Armut und soziale Missstände zu setzen.

Die jüngsten Meldungen aus der Nacht

DPA

Der G20-Gipfel bei SPIEGEL ONLINE

Unsere Redaktion wird in den kommenden Tagen rund um die Uhr für Sie über das Gipfelgeschehen berichten. Gut 20 Reporter sind in Hamburg unterwegs, ein halbes Dutzend Redakteure sind beim Gipfel in den Messehallen direkt mit dabei. Es gibt Analysen, Reportagen, Kommentare und Live-Übertragungen. Alle Hintergründe zum G20-Gipfel finden Sie in unserem Erklärformat "Endlich verständlich". Jeden Tag versorgen wir Sie in einem Newsblog zudem mit den neuesten Entwicklungen. Und: Die tägliche Übersicht zum Geschehen liefert SPIEGEL DAILY, die smarte Abendzeitung, ab 17 Uhr.

AP

Gewinner des Tages...

...sind die Initiatoren des friedlichen G20-Protestmarschs #1000Gestalten in Hamburg. Die Performance-Künstler haben es mit ihrer Aktion geschafft, eindrucksvolle Bilder zu erzeugen: In Lehm und graue Farbe gehüllte Zombie-Wesen torkelten durch die Straßen am Chile-Haus. Ziel der Künstler war es, auf die Probleme der Globalisierung hinzuweisen, in der "Menschlichkeit weit hinter Ökonomie und Gewinnstreben" stehe. Das ist wirklich gelungen.

Ich wünsche Ihnen einen schönen Tag,

Ihr Roland Nelles

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insgesamt 45 Beiträge
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rkinfo 06.07.2017
1. Globale Armut - 'They don't use condoms'
Die globale Armut ist hauptsächlich durch den geliebten 'Kinderreichtum' verursacht. Die Band Aid sang 1984 für 30 Mill. Hungende in einem Afrika der 500 Mill. Heute leben dort 1.200 Mill. Menschen, 2050 werden es doppelt soviele sein. Die Hälfte der Afrikaner ist unter 18 - ohne berufliche und soziale Perspektive ! "Schwerter zu Kondomfabriken" - oder gleich die gesetzliche 1-Kind-Familie für Afrika.
i.dietz 06.07.2017
2. Guten Morgen
Vorrang des Nationalen - Ablehnung von Migranten - Ich kann die Polen , die Ungarn u.a. so gut verstehen ! Hallo Hamburg - hallo Hamburger - wenn es "knallt" soll sich keiner beschweren ! Die Stadt Hamburg, Hr. Scholz, Fr. Merkel & Co wurden vor langer Zeit von allen sicherheitspolitischen (intelligenten) Menschen davor gewarnt, dieses Gipfelchen mittig in Hamburg stattfinden zu lassen. Und wer nicht hören will, muß eben fühlen !
gehirngebrauch 06.07.2017
3. trump ist
die welt nicht "eh wurscht", er wird nur nicht nach merkels pfeife tanzen. das sagen haben schließlich die usa und nicht faselnde deutsche politiker. bei bush jr. wäre die lage in der welt schon längst eskaliert und merkel würde sehr wahrscheinlich schon bundeswehrtruppen nach syrien in einen "humanitären" einsatz schicken,
jadehase 06.07.2017
4. Fest der Bürgergesellschaft
Die Aktionen der Widerstandskämpfer sind ein Fest der zivilen Bürgergesellschaft. Jeder der sehen will, kann sehen: hier der martialische, zu Allem bereite Block der Polizei. Dort ein munteres Völkchen, dass Kreativität, Zivilität, Weltoffenheit und Toleranz lebt. Vor denen also müssen die Mächtigen geschützt werden? *Kopfkratz*
StefanZ.. 06.07.2017
5. Graue Zombie-Welt
Volle Zustimmung, diese Aktion ist die Art von Ermahnung, die man sich wünscht. In ihrer friedlichen, gewaltfreien Form, und ebenso in Bezug auf das Anliegen. Unsere Gesellschaften weltweit sind dabei den Einzelnen in der Masse der Millionen und Milliarden nicht mehr wichtig zu nehmen. Je grösser diese Massen an Menschen werden, je kleiner und unwichtiger wird der Nächste. Es wird gleichzeitig immer schwieriger für den allergrößten Teil der Erdbevölkerung im nationalen und globalen Verteilungskampf um endliche und begrenzte Ressourcen noch ein würdevolles Leben zu führen. In sehr vielen Regionen geht es bereits ums schlichte Überleben in einer ausgelaugten und überstrapazierten Natur. Man kann darum nur hoffen, daß die Akteure gründlich genug über die Grundursachen nachdenken. Profit- und Machtdenken sind gewichtige Negativfaktoren, aber nicht das Grundproblem der entmenschlichten Zustände, die um sich greifen.
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