Die Lage am Dienstag Liebe Leserin, lieber Leser,


es gab schon viele spektakuläre Momente in der jungen Präsidentschaft von Donald Trump. Die Anhörung von FBI-Chef James Comey im US-Repräsentantenhaus gehört zu den spektakulärsten. Wir wissen nun: Seit Juli 2016 ermittelt das FBI zu möglichen Verbindungen von Trumps Wahlkampfteam nach Russland. Die Russen hätten Hillary Clinton "gehasst" und Trump helfen wollen, sagte Comey. Untersucht wird, ob es eine Zusammenarbeit gab. Die Enthüllung ist außergewöhnlich, weil das FBI solche Untersuchungen normalerweise nicht öffentlich macht.

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Heft 12/2017
Wissenschaft: Besser essen, einfach essen

Was bedeutet das? Die Trump-Präsidentschaft wird auf unbestimmte Zeit von dieser Untersuchung überschattet sein - vielleicht sogar jahrelang. Zugleich ist klar: Trumps Behauptung, Barack Obama habe ihn abhören lassen, ist Unsinn. Comey sagte den lakonischen Satz: "Ich habe keine Informationen, die diese Tweets stützen." Die Glaubwürdigkeit des Präsidenten ist schwer beschädigt, dennoch ließ Trump sich in der Nacht auf heute von Anhängern bei einer Kundgebung in Kentucky feiern. Er kündigte an, seine politischen Pläne schnell umzusetzen - insbesondere die Abschaffung von Obamas Krankenversicherung. Am Donnerstag könnte es dazu schon eine erste Abstimmung im Repräsentantenhaus geben.

DPA

Französische TV-Debatte

Sie fühlte sich endlos an: Die erste französische TV-Debatte mit den fünf aussichtsreichsten Präsidentschaftskandidaten. Fast dreieinhalb Stunden lang standen sie einander im Kreis gegenüber, dozierten zu einzelnen Fragen und attackierten. Die kraftvollste Performance gelang ausgerechnet dem angriffslustigen Linksaußen Jean-Luc Mélenchon - der aber kaum Chancen hat, in die Stichwahl einzuziehen. Sein größter Konkurrent, der Sozialist Benoît Hamon, ging dagegen unter. François Fillon, der von Affären belastete Konservative, gab den erfahrenen Staatsmann und konnte punkten. Die Rechtspopulistin Marine Le Pen erschien als zu routinierte, manchmal müde Demagogin, die vor allem Kernwähler ansprach.

Der Zentrist Emmanuel Macron schließlich, den viele als Favoriten sehen, war gut vorbereitet und erlaubte sich keine Fehltritte - seine größte Schwäche ist die mangelnde präsidiale Statur. Er konnte laut einer Umfrage die meisten Zuschauer überzeugen: 29 Prozent. Mélenchon (20 Prozent), Fillon und Le Pen (jeweils 19 Prozent) lagen fast gleichauf, für Hamon sprachen sich nur elf Prozent aus. Bis zum ersten Wahlgang in fünf Wochen werden noch zwei Debatten folgen.

DPA

Schottische Unabhängigkeit

Heute beginnt im schottischen Parlament eine zweitägige Debatte über ein neues Unabhängigkeitsreferendum. Regierungschefin Nicola Sturgeon will es als Antwort auf den Brexit zwischen Herbst 2018 und Frühling 2019 abhalten lassen. Am Mittwoch wird darüber im schottischen Parlament abgestimmt. Allerdings braucht sie dafür auch noch die Zustimmung der britischen Premierministerin Theresa May, die zunächst sagte, es sei "jetzt" nicht die Zeit für ein neues Referendum. Ein Sprecher schloss allerdings nun ein Referendum im Frühling 2019 nicht explizit aus - bis dahin sollte der britische Austritt theoretisch vollzogen sein.

Die jüngsten Meldungen aus der Nacht

Verlierer des Tages...

... sind Flugpassagiere aus mehr als einem Dutzend afrikanischer und nahöstlicher Staaten. Sie dürfen auf Direktflügen in die USA vorübergehend keine elektronischen Geräte mehr an Bord nehmen, die größer als ein Handy sind - verboten sind beispielsweise Laptops, Kameras, Tablets oder E-Book-Reader. Zu den betroffenen Ländern sollen unter anderem Jordanien und Saudi-Arabien gehören. Die Anweisung steht laut Medienberichten im Zusammenhang mit einer konkreten Terrorwarnung.

REUTERS

Gewinnerin des Tages...

... ist Donald Trumps Tochter Ivanka. Sie soll im Weißen Haus nun auch offiziell ein Büro beziehen und Zugang zu Geheiminformationen erhalten. Schon während des USA-Besuchs von Angela Merkel saß sie direkt neben der Kanzlerin. Ihre Rolle als unbezahlte Beraterin ihres Vaters soll künftig noch wichtiger werden, schreibt "Politico". Es lebe der Nepotismus.

Ich wünsche Ihnen einen schönen Tag! Herzlich,

Ihr Mathieu von Rohr

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Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 14 Beiträge
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Seite 1
f-rust 21.03.2017
1. Merkwürdige Schlussfolgerungen ...
Das FBI gibt zu (muss zugeben), Trumps Team abgehört zu haben - wegen der gaaanz pöhsen Russen. Aber Trump selbst nicht?! Honi soit ... Wem ist hier (nicht) zu glauben?
i.dietz 21.03.2017
2. Guten Morgen
Liebe Presse - bitte verschont mich mit den täglichen Trump-Nachrichten: es nervt ! Auch in FR haben sich die etab. Parteien und Politiker von ihren Bürgern sehr weit entfremdet - das Resultat ist gut sichtbar in Form einer starken Frau Le Pen. In vielem muss sogar ich ihr absolut Recht geben ! Vielleicht wird ja ein eigenständiges Schottland Vorbild für die Bayern ? Freistaat Saarland hört sich doch auch gut an ! Wieso sollen die Fluggäste die großen Verlierer sein, wenn es um die Sicherheit geht ? Das versteht wohl nur der Reporter und die Redaktion ! In diesem Sinne einen schönen Tag .
cougar60 21.03.2017
3.
Zitat von f-rustDas FBI gibt zu (muss zugeben), Trumps Team abgehört zu haben - wegen der gaaanz pöhsen Russen. Aber Trump selbst nicht?! Honi soit ... Wem ist hier (nicht) zu glauben?
Na ja, wenn das FBI Trumpel abgehört hätte, bräuchten sie nicht zu ermitteln. Sondern die Fakten lägen auf dem Tisch. Das werden nicht die einzigen von Trumpels Lügen sein. Die ihm eines Tages um die Ohren fliegen.
spiegelklammer 21.03.2017
4. In Deutschland ....
gibt es wie immer keine Lage? Über allen Wipfeln ist Ruh ....
wintergreen 21.03.2017
5. Der tägliche Hofbericht aus den USA
...nervt zunehmend. Jvanka bekommt ein Büro im weissen Haus. Ja, wenn Papa bloss könnte, würde er sein Töchterchen und ihren etwas schleimig wirkenden Ehemann wohl gleich zum Königspaar machen und die USA hätten endlich, was sie anscheinend nicht besser verdienen. ...Jvanka, das neue Beauty-Modell der Schönheitschirurgie. Die Dame, die ständig den Hals reckt und wegen Botox bereits in jungen Jahren gerade mal zwei wahrnehmbare Mienen kennt: steinerne Miene mit weit aufgerissenen, von dicken, eingesetzten Wimpern umkränzte Augen; ab und zu ein angedeutetes Lächeln, vermutlich damit die Wangenimplantate nicht zu stark verrutschen und man an Jacqueline Wildenstein denken müsste. Wenn man bedenkt, dass man diese Familie noch mindestens vier Jahre wird ertragen müssen verzichtet man vielleicht besser auf das Lesen von News.
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