Die Lage am Dienstag Liebe Leserin, lieber Leser,


es ist ein schwerer Vorwurf, den die britische Premierministerin Theresa May erhebt: Russland stecke höchstwahrscheinlich hinter dem Nervengas-Angriff auf den früheren Doppelagenten Sergej Skripal und seine Tochter in Salisbury, sagte sie im Parlament in London. Das Außenministerium in Moskau nennt die Anschuldigung antirussische Propaganda und eine "Zirkusshow".

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Heft 11/2018
Depression: Wie gerät man hinein - wie kommt man heraus?

Die große Frage lautet nun, wie May weiter vorgehen wird. Schon am Mittwoch könnte sie mögliche Vergeltungsmaßnahmen verkünden: Denkbar ist zum Beispiel die Ausweisung des russischen Botschafters Alexander Yakovenko, er gilt als Putin-Vertrauter. Die Russen könnten dann ihrerseits britische Diplomaten des Landes verweisen und womöglich auch gegen britische Korrespondenten vorgehen. Fest steht: In dieser Affäre stehen alle Zeichen auf Sturm.

Test-Wahl für Trump

AFP

Pittsburgh in Pennsylvania ist weit weg von Europa, trotzdem lohnt sich heute ein genauer Blick auf die Umgebung der alten Stahlstadt: Im 18. Wahlbezirk wird eine Nachwahl für einen Kongresssitz in Washington abgehalten, für US-Präsident Donald Trump ist dies ein wichtiger Test. Hier, bei den Wählern der sogenannten weißen Arbeiterklasse im "Rust Belt", hat Trump bei der Präsidentenwahl mit 20 Prozent Vorsprung vor Hillary Clinton gelegen. Doch nun muss der Kandidat der Republikaner, Rick Saccone, um den sicher geglaubten Wahlsieg bangen. Der Kandidat der Demokraten, der junge Ex-Marine Conor Lamb, könnte ihn laut Umfragen schlagen. Für Trump wäre alles andere als ein klarer Sieg des Republikaners ein bedrohliches Signal, bei den Midterm-Wahlen im Herbst könnten seiner Partei weitere Verluste in wichtigen Hochburgen drohen.

In Bayern endet die Ära Seehofer

DPA

Horst Seehofer, künftiger Chef des Heimatmuseums, äh, Heimatministeriums in Berlin, hat heute seinen letzten Arbeitstag als Ministerpräsident von Bayern. Seehofer hat sich zehn lange Jahre in dem Amt gehalten, was schon für sich genommen in dem Intrigantenstadl CSU eine beträchtliche Leistung ist. Bayern geht es gut, das Land steht in vielen Bundesländervergleichen auf Spitzenplätzen, etwa bei der Arbeitslosenquote. Sie liegt bei niedrigen 3,4 Prozent, daran hat Seehofer sicherlich seinen Anteil.

Ob er nach so vielen Jahren der Alleinherrschaft in der Lage sein wird, als Minister im Kabinett der Richtlinienkompetenz von Angela Merkel zu folgen, darf indes getrost bezweifelt werden. Oder positiv gesagt: Für die Kanzlerin wird die Arbeit mit diesem eigenwilligen Minister bestimmt nicht langweilig.

Verlierer des Tages...

DPA

... ist die kanadische Hauptstadt Ottawa. Bei einem Besuch des belgischen Königs Philippe passierte ein peinlicher Fehler: Statt der Flagge Belgiens wurde die deutsche Fahne in Schwarz-Rot-Gold gehisst. Zur Verteidigung der Kanadier muss man natürlich sagen, dass diese Panne wegen der Ähnlichkeit naheliegt und schon häufiger auch in anderen Ländern passiert ist. Es gibt etliche deutsche Politiker, die im Ausland mit der belgischen Fahne empfangen wurden. Die wohl spektakulärste Verwechslung dieser Art gab es übrigens 1995 in Brasilien: Da wurde der damalige Bundespräsident Roman Herzog von einer Kapelle mit der Nationalhymne der DDR begrüßt.

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insgesamt 4 Beiträge
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family1 13.03.2018
1. Putin war es nicht
Ich kann mir nicht vorstellen , dass Vladimir Putin in dieser Sache verwickelt ist. Ich bin ueberzeugt dass russische Hardliner oder russische Mafia dahinterstecken. Dieser ausrangierte Spion mit seiner Tochter ist uninteressant fuer Putin. Ich kann mir nicht vorstellen dass Vladimir Putin so doof ist und sowas tut.
StefanZ.. 13.03.2018
2. Vorauseilende Rache/Intrige
Man sollte meinen, dass selbst Politiker aus der Vergangenheit und ihren Fehlern lernen. Aber irgendwie scheint das nicht zu klappen. Wann immer Unterstellungen, Verleumdungen oder auch unbewiesene Verdachte gerade in das eigene Vorurteilsraster passen wird ungeniert von Rache nehmen schwadroniert. Ich bin in diesem Zusammenhang auch interessiert, ob Herr Trump sich aufgrund eines anscheinenden Mordanschlages gegen Skripal vor den Rache-Nachrüst-Karren gegen Russland spannen lässt. Das, wobei er doch gerade aus erster Hand erleiden kann, was es heißt, wenn wegen Behauptungen und Fabrikationen aus dem Dunstkreis des post-faktischen Geheimdienstgeschäfts öffentliche Vorverurteilungen stattfinden. Wem nutzt ein solcher Mordanschlag und die wie zu erwartenden Blitz-Tatunterstellungen kurz vor der Präsidentenwahl in Russland? Putin? Könnte es sein, dass hier wieder einmal blind vertrauten Geheimdienstkreise Interessenkonflikte haben?
werner-brösel 13.03.2018
3. Tja, dann warten wir mal ab,
wann die Kanzlerin sich genötigt sieht, dem Heimatvereinsvorstand ihr vollstes Vertrauen auszusprechen. Rache ist süß.
neuversuch 13.03.2018
4. Facepalm
Offenbar hat das Uk mit Unvollständigen szenarien noch nicht genug Porzellan zerschlagen, man möchte unbedingt noch die diplomatischen Beziehungen zu Russland vermiesen, dem verbleibenden Finanzpartner nach dem verkalkulierten Brexit. Eindeutige Täterhinweise, geschenkt, ein logisches Motiv, weshalb gerade jetzt, so öffentlichkeitswirksam? Qui bono? Egal, hauptsache man kann auf den bösen Russen zeigen
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