Die Lage am Freitag Liebe Leserin, lieber Leser,


in dem Wettlauf der verbalen Eskalation zwischen Donald Trump und der Führung Nordkoreas liegt der amerikanische Präsident wieder vorne. Als Laie mag man der Meinung sein, dass Trumps Drohung, man werde Nordkorea mit "Feuer und Zorn" belegen, kaum noch zu steigern sei. Trump aber sagte gestern in seinem Sommersitz in New Jersey: "Wenn überhaupt, waren meine Worte vielleicht nicht stark genug." Für Trump scheint die Nordkorea-Krise wie eine Droge zu sein, die ihm umso mehr Aufmerksamkeit zuführt, je schriller er sich ausdrückt.

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Heft 32/2017
Wie Bundesregierung und Konzerne den Ruf der Auto-Nation Deutschland ruinieren

Allerdings erwartet man von einem amerikanischen Präsidenten, dass auf Worte auch Taten folgen. Man kann nur hoffen, dass der Journalist Tony Schwartz nicht recht behält, der Ghostwriter von Trumps Bestseller "The Art of the Deal". Der sagte vor der Wahl Trumps: "Ich bin der festen Überzeugung: Wenn Trump gewinnt und er die Atomcodes in die Hände bekommt, ist es sehr wahrscheinlich, dass dies das Ende der Zivilisation bedeutet."

An der Leine von VW

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Der Skandal um die von VW autorisierte Regierungserklärung des niedersächsischen Ministerpräsidenten Stephan Weil schrumpft immer mehr zum Skandälchen. Die Staatskanzlei in Hannover hat nun Unterlagen veröffentlicht, die zeigen, wie eng sich auch Weils Vorgänger David McAllister mit dem Konzern abgestimmt hat. Kaum eine Pressemitteilung ging raus, ohne dass VW vorher seinen Segen gegeben hätte.

Es ist ernüchternd zu lesen, wie eng VW die Staatskanzlei geführt hat, deren Aufgabe es doch eigentlich ist, im Zweifel den Unternehmen Grenzen zu setzen. Aber führen ließen sich eben alle Ministerpräsidenten, egal, ob sie zur CDU oder zur SPD gehörten. Die nun veröffentlichen Akten zeigen, wie unappetitlich es werden kann, wenn der Staat meint, Unternehmer spielen zu müssen.

Wahlkampf um die Nackten

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Heute kehrt die Bundeskanzlerin aus ihrem Urlaub zurück und beginnt mit dem - nun ja - Wahlkampf. Die Kollegen der "Bild"-Zeitung haben in ihrer Not schon Gregor Gysi aufs Titelblatt gehoben, der sich für eine Förderung der Nacktbadekultur in Deutschland einsetzt. Ist damit das Thema gesetzt, mit dem man die Kanzlerin endlich aus der Reserve locken kann? Merkels Trick war es bisher, alle populären Themen des Gegners für sich zu reklamieren. Sie hat damit den Konservativen in der CDU viel zugemutet. Aber möglicherweise hat Gysi nun endlich das Thema gefunden, bei dem Merkel passen muss.

Die jüngsten Meldungen aus der Nacht

Gewinnerin des Tages ...

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... ist Ursula von der Leyen. Die Verteidigungsministerin hat schwere Monate hinter sich. Als sie Ende April der Bundeswehr in einem Interview ein "Haltungs- und Führungsproblem" bescheinigte, brachte sie große Teile der Truppe gegen sich auf. Etliche Militärs sehnen sich inzwischen nach ihrem Abgang, und auch in der Union ist die Meinung verbreitet, dass die Ministerin verbrannt sei. Mein Kollege Konstantin von Hammerstein hat über Wochen in der Truppe und der Regierung recherchiert und beschreibt im neuen SPIEGEL (ab 18 Uhr digital erhältlich), dass vieles dafür spricht, dass die alte Verteidigungsministerin auch die neue sein wird.

Ich wünsche Ihnen einen angenehmen Freitag, Ihr

René Pfister

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insgesamt 28 Beiträge
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Seite 1
stefan.p1 11.08.2017
1. Das traurige an diesem Wahlkampf ist,
das die Partei die mit einem Bild Wahlkampf betreibt , die meisten Stimmen erhählt. Die Partei die für die üble Stimmung in Deutschland verantwortlich ist, die keine Ideen hat, die Fremde wichtiger nimmt als ihre eigene Bevölkerung , wird wieder gewählt. Und alle anderen Parteien spielen dieses grausige Spiel mit! Ich versteh die Welt nicht mehr!
yorkdiehl 11.08.2017
2. VW und die Landesregierung von Niedersachsen
Klar der Anteilseigner Niedersachsen meist mit Minister-Präsident im Aufsichtsrat vertreten, da fällt Glanz auf einen Provinzministerpräsidenten ab, im Kreise der Wirtschaftsführer in einem solch bedeutenden Unternehmen. Das macht den Ministerpräsidenten gleich viel bedeutender. Aber selbst wenn Niedersachsen keine Anteile an VW halten würde, der Gigant VW, als Arbeitgeber und Steuerzahler, ist so bedeutsam im industrieschwachen Niedersachsen, da würde sich jeder Minister Präsident genauso mit dem Unternehmen abstimmen, wie es heute der Anteilseigner Niedersachsen tut.
keine Zensur nötig 11.08.2017
3. Das Wetter - verhangen und regnerisch -
verhangen ist wohl auch bei einigen anderen - nur da sind es nicht die Wolken, sondern der Geist. Beginnt beim Dauerschlager deutscher Medien seit den US-Wahlen - unserem lieben Donald the Trump, der offensichtlich kein Fettnäpfchen auslässt, welches da rumsteht. Dass die Staaten mit seiner neuen isolationistischen Politik gepaart mit feuchten Weltmachtträumen sich gerade selbst ruinieren - kümmert ihn in Anbetracht seines hohen Alters wohl nicht. Dass man vor dem Schiessen es erstmal mit Reden versuchen wollte, ist noch nicht angekommen - leider auch bei anderen nicht. Der kleine Dicke aus Nordkorea wollte verhandeln, Obsbama nicht. Der hatte wichtige Drohnenlisten zum Abarbeiten und die Planung der FEMA-Camps um die Ohren. Frau vdL als Gewinnerin? Arme Bundeswehr, armes Deutschland. Dass diese Dame ganz im Sinne der angelsächsischen Finanzoligarchie deutsche Jungs und Mädels weltweit schlecht ausgerüstet in den Tod jagt macht sie zur Verliererin. Ihre eigenen Kinder sind in Sicherheit. Sterben dürfen die Kinder anderer Leute.
post.scriptum 11.08.2017
4. Wenn Merkel weiter bis ...
... bis zum Wahltag in den Südtiroler Bergen herumgekraxelt wäre und erst am 24. September zu ihrem Wahlvolk herabgestiegen wäre, sie hätte die Wahlen mangels geeignetem Gegenkandidaten auch dann gewonnen. Gegen einen Gerhard Schröder in der Form von 1998 hätte unsere Ewigkanzlerin nichts auszurichten und keine Chance.
W/Mutbürger 11.08.2017
5. Zum
VW-Gesetz: Überall wo der Staat seine Finger drin hat läuft es mehr schlecht als recht. Niedersachsen sollte sich komplett aus dem Konzern zurückziehen, auch wenn die Gefahr steigt, dass VW ein Übernahmeziel wird. Aber das nennt sich freie Marktwirtschaft. Das Wahlkampfthema von Gysi ist doch nur ein Spass, oder? Bitte lasst es nur ein Spass sein. Zur Flintenuschi: Sie kann es nicht. Bitte absetzen.
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