Die Lage am Freitag Liebe Leserin, lieber Leser,


es ist soweit. Seit heute Morgen gilt ein Teil von Donald Trumps Einreisestopp für die Bürger von sechs muslimisch geprägten Staaten: Iran, Libyen, Sudan, Jemen, Somalia, Syrien. Es regiert offiziell die Paranoia. Die Bürger dieser Länder werden, mit einigen Ausnahmen, so behandelt, als könnten sie den USA Böses tun.

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Heft 26/2017
Das vergiftete Erbe des Helmut Kohl

Regt das noch jemanden auf? Ich fürchte, wir sind in der Gewöhnungszone angekommen. Der ewige Skandal Trump ist Normalität geworden, wie zu befürchten war. In unerträglichen Lagen hilft man sich nach einer Weile mit dem Gedanken, dass es nicht noch schlimmer ist, als es ist.

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Alte Bundesrepublik, neue Bundesrepublik

Heute gibt es in Ludwigshafen einen Gottesdienst der Stadt für Helmut Kohl. Heute entscheidet der Bundestag über die Ehe für alle. Beides hat nichts miteinander zu tun, aber das eine ist die alte Bundesrepublik, das andere könnte die neue sein. Kohl hatte eine geistig-moralische Wende angekündigt, eine Wende rückwärts, sie aber nicht entschlossen betrieben. Als Gipfel der Liberalität galt in manchen Kreisen gleichwohl, wenn ein Mann sagte: Ich habe nichts gegen Schwule, solange ich da nicht mitmachen muss. Es folgte ein Grinsen oder dröhnendes Gelächter. Was für eine schwitzige, klemmige Zeit. Es ist seither besser geworden. Gestern spielte die Nationalmannschaft gegen Mexiko (4:1), und Experte im Studio war der ehemalige Nationalspieler Thomas Hitzlsperger. Punkt. Es kann nicht sein, dass die Union nur aus taktischen Gründen das Gesetz heute im Bundestag aufhält. Es wäre einfach zu blöd.

Wider den Hass

Ein Ungetüm macht sich heute auf den Weg, ein Wortungetüm: Das Netzwerkdurchsetzungsgesetz passiert den Bundestag. Künftig muss ein Unternehmen wie Facebook darauf achten, dass strafwürdige Botschaften von seinen Seiten verschwinden. Dieses Gesetz hat der Bundesrepublik vorab eine Mahnung des Uno-Sonderberichterstatters für die Meinungsfreiheit eingetragen. Es geht um die Gefahr der Zensur. Das ist eine große Gefahr, und trotzdem hat dieses Gesetz seine Berechtigung. Ein gesellschaftlicher Diskurs kann nicht funktionieren, wenn über ein wichtiges Medium nahezu schrankenlos Drohungen und Hass verbreitet werden können. Natürlich gibt es das Risiko, dass Facebook und andere künftig nach Gutdünken darüber entscheiden, was für den Diskurs zuträglich ist und was nicht, dass sie ihn also steuern können. Damit dass nicht passiert, müssen andere wachsam sein - zum Beispiel wir, die Journalisten.

Die jüngsten Meldungen aus der Nacht

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Person des Tages

Manchmal macht Lesen einfach nur traurig. Das ging mir heute Morgen so bei der Lektüre eines Interviews der "Süddeutschen Zeitung" mit Boris Becker. Ich habe die Hälfte meiner Studentenzeit damit zugebracht, mir Tennisspiele von Becker anzuschauen, auch Erstrundenspiele, auch tief in der Nacht. Bei meiner Examensnote habe ich mindestens 0,5 Prozentpunkte eingebüßt, weil ich mich mehr mit Becker befasst habe als mit VWL-Theorie. Nun lese ich, wie er den Kollegen von der "SZ" erklärt, dass er keineswegs bankrott sei, wie von einem Gericht in Großbritannien festgestellt wurde. Aber Becker sagt nichts, er druckst rum und behauptet, er könne zu diesem und jenem nicht Auskunft geben, immer wieder: zu diesem und jenem keine Auskunft. Er wirkt nicht wie einer, der etwas richtigstellen, sondern wie einer, der etwas verbergen will. Es ist unendlich traurig, das zu lesen. Es ist mir auch zu traurig hinzuschreiben, wer Verlierer des Tages ist. Der Verlierer des Tages fällt heute aus.

Mein zweites Idol war übrigens Franz Beckenbauer. Mein drittes: Walter Röhrl. Bleib sauber, Walter.

Ich wünsche Ihnen einen schönen Tag,

Ihr Dirk Kurbjuweit

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insgesamt 4 Beiträge
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StefanZ.. 30.06.2017
1. Nicht zu traurig sein um unseren Bum Bum Boris
Es wäre doch um so vieles schlimmer, wenn einer unserer Jugendhelden sich beim Umgang mit Frauen nicht weiterentwickelt hätte. Dazu ist es doch schon sehr lange her, etwas Bedauerliches über Boris lesen zu müssen. Er scheint ein besserer Mensch geworden zu sein. Probleme mit Geld und Vermögen? Kein Thema zum Aufregen, solange er sich nicht vom Steuerzahler oder anderen Mitmenschen aushalten lassen muß.
jimbofeider 30.06.2017
2. Gelernt
Sie schreiben mir wie so oft aus dem Herzen, lieber, guter Hr. Kurbjuweit. Der Spruch: bevor das Pflicht wird, war auch der meine. Ausdrücken wollte ich damit dass mir egal ist was andere machen und das es wichtigeres gibt über das ich mich aufregen kann. Jetzt erst nach den Berichten auf SPON ist mir erst so richtig bewußt geworden das es für die Betroffenen schon von eminenter Bedeutung ist, Heiraten können ja oder nein. Von daher etwas dazugelernt, Danke SPON.
wolke:sieben 30.06.2017
3. Donald Trump
....schützt sein Land vor Terrorismus, find ich ich voll ok. Solche Politiker wünsche ich mir auch für Deutschland
i.dietz 30.06.2017
4. Guten Morgen
Trump's sogen. Einreisestopp finde ich nach wie vor absolut richtig und o.k. ! Die BRD ist doch das beste Negativ-Beispiel dafür, wie viele Probleme und Problembürger mit den "offenen Grenzen für alle Kriminelle und Banden dieser Welt" einwandern ! Und was auch die Presse immer noch gerne verschweigt: fast alle terroristischen Anschläge wurden durch Muslime getätigt !
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