Die Lage am Freitag Liebe Leserin, lieber Leser,


wieder hat in Paris ein Attentäter zugeschlagen, drei Tage vor der ersten Runde der Präsidentschaftswahl, während des letzten großen TV-Auftritts aller elf Kandidaten. Es war eine primitiv ausgeführte Aktion an einem weltbekannten Ort, auf den Champs-Elysées: Ein Mann schießt mit einem Sturmgewehr auf ein Polizeiauto, tötet einen der Beamten, verletzt einen anderen schwer und wird selbst erschossen. Der "Islamische Staat" erklärt sich umgehend für die Tat verantwortlich. Der Angreifer war offenbar ein französischer Staatsbürger, der den Behörden seit langem als Gefährder bekannt war. Alle aktuellen Informationen finden sie heute auf SPIEGEL ONLINE.

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Heft 16/2017
Demnächst für alle! Wie der Mensch den Tod besiegen will

Heute ist der letzte Tag, an dem im Land Wahlkampf erlaubt ist. Doch viele Kandidaten haben ihre Auftritte abgesagt. Kurz vor dem ersten Wahlgang am Sonntag sind die Themen Terrorismus, Sicherheit und Islamismus erneut in den Vordergrund gerückt. Wieder haben Terroristen es geschafft, mit geringen Mitteln die Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen und sogar vom letzten großen Wahlkampfereignis abzulenken.

REUTERS

Eine Wahl, die Europa zerreißen kann

Ich habe in dieser Woche in der Lage jeden Tag über die Wahl in Frankreich geschrieben. Weil ich Paris-Korrespondent war und mir das Land am Herzen liegt - vor allem aber, weil die Wahl über die Geschicke Europas bestimmen wird. Zwei der vier führenden Kandidaten sind antieuropäische Populisten, die Wladimir Putin bewundern: Marine Le Pen und Jean-Luc Mélenchon. Gegen einen Kandidaten wird wegen Veruntreuung staatlicher Gelder ermittelt: den Konservativen François Fillon. Und der vierte, der Liberale Emmanuel Macron, ist für viele Wähler ein unbeschriebenes Blatt. Die Umfragen sind so knapp, dass eine Vorhersage nicht möglich ist. Die Finanzmärkte sind zu recht nervös. Im schlimmsten Fall könnten sich am 7. Mai eine Rechtspopulistin und ein Linkspopulist in der Endrunde gegenüberstehen. Die EU wäre in Gefahr. Ja, ich mache mir Sorgen. Bon courage, la France!

Ausblick auf das Wochenende

Am Samstag findet in Köln der Bundesparteitag der AfD statt. Dort wird sich zeigen, wie es im Machtkampf Frauke Petry gegen Alexander Gauland und Björn Höcke weitergeht - außerdem sind Gegendemonstrationen angekündigt. Ebenfalls am Samstag kommt es zum weltweiten "Science March" nach dem Vorbild des "Women's March" am Tag nach Donald Trumps Amtseinführung. Die Demonstrationen richten sich gegen Budgetkürzungen in der Wissenschaft und gegen Zensur - und damit auch implizit gegen den aktuellen US-Präsidenten. Die größte Veranstaltung soll in Washington stattfinden, aber auch in Deutschland wird demonstriert.

Die jüngsten Meldungen aus der Nacht

DPA

Verlierer des Tages...

... ist Mahmud Ahmadinedschad. Der Mann, der von 2005 bis 2013 iranischer Präsident war, darf bei der Präsidentschaftswahl am 19. Mai nicht kandidieren - das hat der religiöse Wächterrat entschieden. Vergangene Woche hatte sich Ahmadinedschad als Kandidat registrieren lassen. Doch sein Verhältnis zum obersten Führer Ajatollah Ali Khamenei war seit langem schlecht. Als Favorit für die Wahl gilt der amtierende Präsident Hassan Rouhani, der als Moderater gilt. Chancen werden aber auch seinem konservativen Herausforderer Ebrahim Raisi eingeräumt.

Zum Schluss ein Tipp für Sie

Am Sonntag gibt es die nächste Veranstaltung unserer Reihe "SPIEGEL-Gespräche live im Thalia Theater", die regelmäßig in Hamburg stattfindet. Volker Weidermann spricht ab 20 Uhr mit drei Schriftstellern, die als Kinder aus Aserbaidschan, Georgien und der Türkei in die Bundesrepublik kamen und sich hier eine neue Sprache eroberten, in der sie heute Geschichten erzählen: Olga Grjasnowa, Nino Haratischwili und Feridun Zaimoglu. Es soll um die Frage gehen, ob uns ihre Perspektive auf die Bundesrepublik helfen kann, dieses Land besser zu verstehen. Das klingt, finde ich, sehr spannend. Karten gibt es an der Abendkasse oder hier online.

Ich wünsche Ihnen einen schönen Freitag! Herzlich,

Ihr Mathieu von Rohr

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insgesamt 7 Beiträge
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Seite 1
i.dietz 21.04.2017
1. Guten Morgen
Bei einem Wahlsieg von Frau Le Pen und/oder Hr. Melenchon wird sich die EU-Zentrale in Brüssel auf bittere Zeiten einstellen müssen.Das Zittern und Zähneklappern der Eurokraten ist bis ins kleine Saarland zu spüren und zu hören. Wenn ich Französin wäre: ich würde Frau Le Pen wählen. Wenn Frau Le Pen in der BRD kandidieren würde: ich würde Frau Le Pen wählen. So bleibt mir nur ihre beide Daumen zu drücken !
stoffi 21.04.2017
2. Schon wieder ein Attentat
Und die Linken Gruppen haben nichts besseres zu tun, als gegen die AFD zu demonstrieren. Sie sollten lieber so rabiat gegen die Islamisten und vor deren salafistischen Moscheen protestieren. Aber nein , das könnte für sie selber ja gefährlich werden. Bei den Teilnehmern der AFD kann man gewalttätig werden, die wehren sich nicht, weil ja alle so gefährlich sind, aber von mehr Bürgern gwählt werden als die Grünen und die Linken. Ach ja, ich wähle sie nicht. Aber was hier veranstaltet wird, hat nichts mehr mit Demokratie zu tun. Vielleicht sollte sollte sich die AFD ,,Religion" nennen und auf Religionsfreiheit pochen. Dann stehen ihnen sicher alle Türen offen,
merapi22 21.04.2017
3. Demo für freie Wissenschaft = mehr Zusammenhalt
Mitmachen am "Science March" und zeigen das die Freiheit das wichtigste ist. Damit ein Zeichen setzen gegen Abgrenzung, für mehr globale Zusammenarbeit, wie jetzt schon im Weltall, nur gemeinsam können wir alle Weltprobleme lösen. Alle können bei den Demos teilnehmen, auch wer nicht in Wissenschaft und Forschung tätig ist. Man kann sich als Einstein verkleiden und Transparente mit Zitaten gegen Dummheit: Die Erde ist keine Scheibe, auf der Länder abgegrenzt sind.
jimbofeider 21.04.2017
4. Gau
Noch nie waren die Rechten unter Marine le Pen der Macht so nahe, wie jetzt. Sollte sie an die Macht kommen und ihre Wahlversprechen in die Tat umsetzen, wäre das der Gau für die E.U. Europa und, ja die Welt so wie wir sie kennen. Die Folgen wären im Wahrsten Sinne des Wortes unabsehbar. Bei aller berechtigter Kritik an der E.U. aber das darf nicht geschehen.
biobayer 21.04.2017
5. Bon Courage La France
Bon Courage Le Pen. Wenn dem smarten Kandidaten Macron nichts anderes einfällt als "man müsse sich in Frankreich eben an den Terror gewöhnen", dann ist dies ein Armutszeugnis und kommt einer Kapitulation der Grande Nation gleich. Da hat wohl Macrons Ehefrau diesmal als Coach und Souffleuse versagt.
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