Die Lage am Donnerstag Liebe Leserin, lieber Leser,


auf der nach oben offenen Skala des Irrsinns erklimmt Donald Trump derzeit stündlich eine neue Stufe. Was soll man für verrückter halten? Dass Trump einen Raketenangriff auf Syrien per Twitter ankündigt? Dass der amerikanische Präsident so tut, als sei das Ziel der Attacke nicht das syrische Regime, sondern Russland ("Get ready, russia"). Oder dass er die Ermittlungen des Sonderermittlers Robert Mueller zum Grund dafür erklärt, warum die Beziehungen zwischen Washington und Moskau auf dem Tiefpunkt seien?

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Heft 15/2018
Wie die Zucker-Lobby uns belügt und verführt

Es wäre schön, man könnte Trumps Tweets dahin verweisen, wo sie hingehören: ins Reich des Wahnsinns. Aber die Welt muss lernen, mit einem Mann umzugehen, der ganz offenkundig nicht weiß, was er tut. Vor zwölf Jahren hat der SPIEGEL einen Titel mit der Zeile "Der Irre mit der Bombe" gedruckt. Damals ging es um den nordkoreanischen Machthaber Kim Jong Il. Heute passt der Satz auf den mächtigsten Mann der Welt.

Zwingt Trump die Demokratie in die Knie?

AFP

Bisher war ich immer recht optimistisch, dass es für einen einzelnen Mann unmöglich ist, eine jahrhundertealte Institution wie die amerikanische Demokratie in die Knie zu zwingen. Die Justiz geht bislang unbeirrt ihrer Wege, wie zuletzt die Durchsuchungen bei Trumps Anwalt Michael Cohen gezeigt haben. Und wer verfolgt, was die "Washington Post" und die "New York Times" jeden Tag leisten, der sieht, dass ein Mann wie Trump - wenn auch ungewollt - die Kräfte der Freiheit anspornt.

Aber wie mein Kollege Marc Pitzke schreibt, beschränkt sich Trumps Feldzug gegen die Medien inzwischen nicht mehr auf Sprüche und Tweets. Das US-Heimatschutzministerium baut derzeit einen "Medienüberwachungsdienst" auf, per Ausschreibung wird dafür ein Vertragspartner gesucht. Außerdem hat Trump offenbar den Sender CNN im Visier und versucht, ihn vom Mutterkonzern "Time Warner" zu trennen. Noch ist es nicht soweit. Doch Trump verfügt im Weißen Haus leider über mehr als nur die Macht des Wortes.

Ein Stern überm Kanzleramt

DPA

Aufatmen in der deutschen Autoindustrie: Auf der Kabinettsklausur in Meseberg wurden die deutschen Konzerne wieder einmal nicht verpflichtet, Stickoxid-Schleudern umzurüsten. Dies sei relativ kostenintensiv, sagte die Kanzlerin in gewohnter Fürsorge für die Autobosse. Kostenintensiv? VW hat - trotz des Dieselskandals - im vergangenen Jahr einen Rekordgewinn von 11,4 Milliarden Euro hingelegt und seine Zahlen damit im Vergleich zum Vorjahr mehr verdoppelt; Daimler verdiente 10,9 Milliarden, BMW 8,7 Milliarden Euro. In den USA hat VW an Kunden schon milliardenschwere Entschädigungen ausgeschüttet. In Deutschland sorgt die Kanzlerin höchstpersönlich dafür, dass der Verbraucher der Dumme ist. Es würde einen nicht wundern, wenn sich auf dem Dach des Kanzleramtes demnächst der Mercedes-Stern dreht.

Die Ehre des Georg Fahrenschon

DPA

Es gab Zeiten, da war Georg Fahrenschon bayerischer Finanzminister, und nicht wenige in der CSU sahen in ihm einen heißen Kandidaten für das Amt des bayerischen Ministerpräsidenten. Dann aber wurde ihm das politische Geschäft zu mühsam (und wohl auch zu wenig einträglich), und er wechselte an die Spitze des Deutschen Sparkassen- und Giroverbandes. Seine Karriere nahm vergangenen Herbst ein jähes Ende, als ruchbar wurde, dass er mit seinen Steuererklärungen zum Teil um Jahre in Verzug ist. Fahrenschon kämpfte um seinen Posten, aber ein Sparkassenpräsident, der seine Finanzen nicht im Griff hat, darf in Deutschland auf kein Pardon hoffen. Nun, ohne Job, will Fahrenschon wenigstens seine Ehre retten. Einen Strafbefehl, der die Sache still erledigt hätte, lehnte er ab. Nun muss er vor Gericht. Anfang Mai soll ein Urteil fallen.

Der Gewinner des Tages...

Maurice Weiss

... ist Markus Feldenkirchen, mein Kollege aus dem Hauptstadtbüro des SPIEGEL. Gestern Abend bekam er in Hamburg den Nannen-Preis für seine Reportage über den Wahlkampf des SPD-Kanzlerkandidaten Martin Schulz. Über den Text, mit dem Feldenkirchen schon den Deutschen Reporterpreis gewonnen hat, muss ich hier nichts mehr sagen; er spricht für sich selbst. Markus, wir freuen uns riesig für Dich!

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insgesamt 75 Beiträge
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Ontologix II 12.04.2018
1. Gefährlicher als 1962
Die Kriegsgefahr ist heute größer als während der Kuba-Krise 1962. Damals waren mit Chruschtschow und Kennedy zwei besonnene Kontrahenten an der Macht. Den minderbegabten Hitzköpfen Putin und Trump dagegen ist alles zuzutrauen. Putin hat mehrfach seine militärische Aggressivität bewiesen, und Trump scheint es ihm nachmachen zu wollen.
vulcan 12.04.2018
2. Manipuliert
So geht es ja auch nicht - Trumps Tweet war eine direkte Antwort auf die russische Eröffnung, dass man jede US-Lenkwaffe, die auf syrische Ziele gefeuert werde, abschiessen wolle. Erst daraufhin kam diese Äußerung Trumps. Vielleicht nicht sehr geschickt, man sieht ja, was Spon daraus macht, aber eigentlich folgerichtig. Daher ist die Hysterie herbeigeschrieben, sonst nichts. Ansonsten könnte es genausogut heißen "Der Irre in Moskau"....der bereit ist, einen Krieg für seinen Kumpel Assad zu riskieren. Auch wenn die Äußerung nicht von Putin selbst kam. Es zeugt nicht unbedingt von seriösem Journalismus, sich isoliert Zitate herauszupicken, um sie dann aus dem Zusammenhang gerissen effektvoll zu verwenden. Die "Twitter-Kultur" Trumps halte ich zwar auch für mehr als fraglich, aber sie ist kein Grund, Nachrichten zu manipulieren.
schlauchschelle 12.04.2018
3. Ach, Leute,
was soll denn das Gejammer, dass Merkel die dt. Autoindustrie pampert und die Menschen vergisst? Hat diese Aussitzerin aka Kanzlerin jemals etwas für das ihr anvertraute Volk getan? Ich wüsste nicht, wann. Hat sie in der DDR gelernt: schönreden, aussitzen, erledigt sich durch vergessen & nichtstun. Es wird so kommen, dass es Fahrverbote gibt, erst Diesel, dann Benziner, die Industrie wird Hand in Hand mit der Stiefmutter des Volkes eine Abwrackprämie x.x ausrufen, und der Deutsche Schlafmützenmichel wird sich, wie immer, freuen, dass er "vom Staat Kohle bekommt", seinen völlig intakten Wagen vernichten und zum VW-Höker rennen, um sich das neueste Premiumprodukt aus WOB zu schießen. VW ist eben eine urdeutsche Marke mit reinen Wurzeln. Also, Leute, auf zum VW Händler und bei Vetragsschluss sagen "Aufrunden bitte" =D .
StefanZ.. 12.04.2018
4. Gute Zusammenfassung des zwischenstaatlichen Wahnsinns
Ich würde allerdings noch ein, zwei weitere Aspekte bei dieser Richterskala dazufügen. Als persönlich ehemaliger Fan der US Demokraten (der dort sogar mal im Lande bei einem Wahlkampf geholfen hat) schockiert es mich ungeheuerlich, daß aus dieser Partei heraus die beherrschende Kritik an Trumps Außenpolitik darin besteht, daß der Mann viel zu spät, sanft etc. gegenüber Rußland sanktioniert, bestraft, attackiert usw. Und ganz ähnlich klang das auch 1 1/2 Jahre lang quer durch alle US Medien. Daß Trump nun wie ein gehetzter Hund der sowieso schon getrieben wird von seinen scharfmachenden Beratern beweisen will, daß er ja noch viel brutaler ist als alle Demokraten, sollte dann nicht überraschen. So redet auch der Rep. Poster Boy Hannity in Fox News. Eine sehr unheilige Allianz ist hier zu Gange. Einer Ihrer Spiegel Kollegen fragte deshalb zurecht in seinem Artikel, warum denn derzeit ohrenbetäubende Stille von all den vielen EU-Staatschefs jenseits der Mitglieder im Operation Enduring Freedom 2.0 Club der Willigen herrscht. Was hat Frau Merkel in 1 1/2 Jahren zur Deeskalation beigetragen?
rabkauhala 12.04.2018
5. Mir ist aber definitiv lieber
das jemand einen Angriff auf ein anderes Land ankündigt als sogar danach noch zu leugnen überhaupt angegriffen oder sogar einmarschiert zu sein wie es russisches Prinzip (Krim, Donezk, Georgien...) zu sein scheint. Das ist einfach nicht nur dumm wie Trump, sondern hinterhältig.
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