Die Lage am Montag Liebe Leserin, lieber Leser,


die Vorstände der Bundestagsfraktionen von Union und SPD treffen sich heute zu einer Klausurtagung in Bayern, genauer gesagt, auf der Zugspitze. Es soll harmonisch zugehen, so nach Art eines dieser neumodischen Team-Building-Seminare. Die Fraktionschefs von Union und SPD, Volker Kauder und Andrea Nahles, wollen über Themen wie die Mitpreisbremse und eine Wohnungsbauoffensive sprechen. Das Problem an der Sache: Einer nervt die anderen Teilnehmer der Runde.

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Heft 19/2018
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CSU-Landesgruppenchef Alexander Dobrindt schiebt mit provokanten Interviews wieder einmal das ungeliebte Thema Flüchtlinge in den Vordergrund. Am Wochenende kritisierte er Anwälte und Vereine, die Flüchtlingen bei Asylverfahren helfen. Eine "Anti-Abschiebe-Industrie" sabotiere die Bemühungen des Rechtsstaates, sagte Dobrindt in der "Bild am Sonntag" - und löste damit vor allem in der SPD einen Proteststurm aus. Das Agenda-Setting des Bayern dürfte die Stimmung heute also etwas belasten. Das passt dann ja zum Wetter auf der Zugspitze, es ist durchwachsen: Erst gibt's Sonne, dann Regen.

Putin, der vierte Durchgang

REUTERS

Wladimir Putin wird heute offiziell seine vierte Amtszeit antreten. Bei der Zeremonie im Kreml schreitet er wie ein Zar durch eine große Tür, Soldaten salutieren, dann folgt die Vereidigung. Eigentlich wäre die vierte Amtszeit für Putin eine Chance für einen Neuanfang - sowohl bei seiner Politik gegenüber dem Westen, als auch im Umgang mit der heimischen Opposition. Er könnte auf seine Gegner zugehen. Doch allzu große Hoffnungen, dass sich an der bisherigen Kreml-Linie etwas ändert, sollte sich niemand machen. Putins neue Amtszeit wird also wahrscheinlich genauso beginnen, wie die alte endete. Am Wochenende wurden wieder Hunderte Demonstranten festgesetzt, die gegen den Kreml-Chef protestieren wollten. Das nennt man dann wohl russische Kontinuität.

Was ist mit den Grünen im Ländle los?

DPA

Pech für die erfolgsverwöhnten Südwest-Grünen: Ihr Vorzeige-Bürgermeister, der Ober-Realo Dieter Salomon, muss das Rathaus in Freiburg räumen. Sein Nachfolger wird der 33 Jahre alte Politiker Martin Horn, er ist parteilos, wird aber von der SPD unterstützt.

Salomon war der erste Grüne Großstadtbürgermeister und galt daher lange als Beispiel dafür, dass die Grünen in bestimmten Gegenden Volkspartei sind. Er war in Baden-Württemberg zwischenzeitlich sogar als möglicher Nachfolger von Ministerpräsident Winfried Kretschmann im Gespräch. Nun bedeutet seine Abwahl sicherlich nicht, dass die Partei im Südwesten dem Untergang geweiht ist, doch die Niederlage zeigt, dass die Grünen Realos dort womöglich ein Problem haben: Der Kuschelkurs mit der CDU schreckt linke Wähler ab - und es fehlen neue Gesichter und frische Ideen. Überschattet wurde die Wahl leider von einem Angriff auf den Sieger Martin Horn, er wurde in der Nacht von einem offenbar verwirrten Mann brutal ins Gesicht geschlagen.

Gewinner des Tages...

... ist die New Yorker Wohlfahrts-Organisation "Henry Street Settlement" auf der Lower East Side. Die Gruppe erhielt gerade eine schöne Spende über 6,24 Millionen Dollar. Allerdings kam das Geld nicht von einem der typischen New Yorker Philanthropen, sondern aus dem Nachlass einer bis dato völlig unbekannten Sekretärin einer Anwaltskanzlei namens Sylvia Bloom. Zu ihren Lebzeiten hat Frau Bloom laut "New York Times" still und leise ein Vermögen angehäuft. Immer wenn ihr Chef über sie eine Aktienorder an seine Bank durchgab, kaufte sie das gleiche Wertpapier nur in kleinerer Stückzahl. Ihr Vermögen wuchs bis zu ihrem Tod mit 96 Jahren auf insgesamt neun Millionen Dollar an, ein kleinerer Teil geht an Freunde und Verwandte.

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StefanZ.. 07.05.2018
1. Vorschlag für zweiten Tagesgewinner
Mit angeblichen Trends muß man ja vorsichtig sein, aber könnte es sein, daß die deutsche Demokratie ein kleines Momentum weg von der Parteienallmacht, hin zur Wahl von guten Köpfen erlebt? Wünschenswert wäre es sicherlich. Leider habe ich dazu keine Statistiken, kenne nur Einzelfälle aus Bekannten- und Verwandtenumfeld. Und über Nacht empfand ich auch den Artikel zu einem Wertekunde-Unterricht für Einwanderer als äußerst erfreuliche Entwicklung. Nach dem Gleichheitsprinzip sollten allerdings auch alle deutschen Schüler in den Genuß einer solchen Erziehung gelangen (vielleicht schafft man dafür Platz und Geld durch gleichzeitiges Streichen von Religionsunterricht in Schulen). Unser Bildungssystem (und das gleiche gilt fast weltweit) hat sich über die letzten vielen Jahrzehnte hinweg zu einseitig auf Schulbuchwissensanhäufung konzentriert, mit dazu noch einer Dosis von Intelligenzförderung, wobei diese Intelligenz allerdings viel zu eng definiert wird und soziale, ethische etc. Komponenten unterschlägt. Wenn wir nicht bald gegensteuern werden wir in der Zukunft kaum noch Menschen wie Sylvia Bloom erleben.
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