Die Lage am Dienstag Liebe Leserin, lieber Leser,


der russische Präsident Wladimir Putin besucht heute seinen türkischen Kollegen Recep Tayyip Erdogan - ein Zeichen dafür, wie sehr sich die historischen Gegner Russland und Türkei in den vergangenen Jahren angenähert haben. Die beiden Männer werden gemeinsam die Baustelle des ersten türkischen Atomkraftwerks Akkuyu besuchen, das von Russlands Atomenergieagentur Rosatom gebaut wird.

Am Mittwoch stößt auch noch der iranische Präsident Hassan Rohani dazu: Es wird ein Gipfeltreffen der drei wichtigsten Mächte, die im Syrien-Konflikt involviert sind. Während die Iraner und Russen vor allem daran interessiert sind, dem Assad-Regime die Kontrolle über den größten Teil des Landes zurückzugeben, wollen die Türken die Machtposition der Kurden in Nordsyrien brechen. Erdogan hat zwar wohl kein Interesse daran, die Nato zu verlassen, aber seine demonstrative Nähe zu Putin muss der Nato dennoch Sorgen machen - im Januar hatte die Türkei schon ein russisches Raketensystem gekauft.

Die AfD und die Traditionshasen

DPA

Ich hoffe, Sie hatten ein friedliches Osterwochenende, und vor allem hoffe ich für Sie, dass Sie es nicht auf sozialen Medien verbracht haben. Warum? Ich fasse kurz zusammen: AfD-Politiker und einige ihrer Sympathisanten wollten tatsächlich einen Skandal aus der Tatsache fabrizieren, dass eine bestimmte Sorte Schoko-Osterhase bei Karstadt auf dem Kassenzettel "Traditionshase" heißt.

Der AfD-Parteivorsitzende Jörg Meuthen sah darin eine "Unterwerfung" unter den Islam, und er wollte sich auch dann nicht korrigieren, als sich herausstellte, dass der "Lindt Goldhase" bei Karstadt und Rewe schon seit 1992 als "Traditionshase" im Kassensystem geführt wird. Die Frage, die sich mir hier stellt, lautet: Ist dieser Verschwörungswahn für unsere Demokratie nicht die viel größere Gefahr als eine Religion?

Israel geht gegen Gaza-Proteste vor

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In anderthalb Monaten begeht Israel den 70. Jahrestag der Staatsgründung. Es gibt in diesen Tagen mehrere Gründe, sich mit dem Land zu beschäftigen, das wegen der vielen Konflikte in seiner Nachbarschaft zuletzt nicht mehr im Mittelpunkt der internationalen Aufmerksamkeit stand.

Erstens: In Gaza demonstrierten am Wochenende Zehntausende Palästinenser gegen die israelische Blockade. Es soll 17 Tote und mehr als 1000 palästinensische Verletzte gegeben haben, als israelische Sicherheitskräfte auf Demonstranten schossen - nun werden Untersuchungen gegen die Soldaten gefordert, die Proteste sollen bis zum Jahrestag am 15. Mai weitergehen, sie bergen noch viel Potential für weitere Konflikte.

Zweitens: Der saudische Kronprinz Mohammed bin Salman sagte in einem Interview mit dem Magazin "The Atlantic" den bemerkenswerten Satz, die Israelis hätten "das Recht, ihr eigenes Land zu haben". Natürlich sind die Saudis und Israel de facto schon seit einiger Zeit Verbündete, etwa gegen Iran - und trotzdem ist es für einen saudischen Thronfolger kein kleiner Schritt, so etwas in dieser Klarheit öffentlich zu sagen.

China gegen USA

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Ein Handelskrieg ist es noch nicht, was zwischen den USA und China in diesen Tagen aufflackert. Es ist bisher eher ein Scharmützel - aber es könnte noch zu einer deutlich ernsteren Auseinandersetzung werden. Nachdem die USA Strafzölle auf den Import von chinesischem Stahl und Aluminium erhoben haben, schlägt China nun zurück und verlangt seinerseits neue Zölle auf 128 Produkte aus den USA, etwa auf Schweinefleisch oder Aluminiumschrott.

Es geht bei diesen Maßnahmen allerdings um einen Warenwert von nur rund drei Milliarden US-Dollar. Das ist eine eher milde Reaktion Pekings - ein Zeichen dafür, dass die chinesische Staatsführung mit den USA verhandeln will. Wie das alles ausgeht, hängt maßgeblich von einem Mann ab, der Ostern damit verbrachte, wieder einmal zahllose hemmungslose Tweets von zweifelhaftem Wahrheitsgehalt zu verschiedensten Themen zu versenden: Donald Trump.

Gewinner des Tages...

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... ist der ägyptische Präsident Abdel Fattah el-Sisi. Laut offiziellen Angaben hat er die Präsidentenwahl mit 97 Prozent der Stimmen gewonnen. Das ist natürlich einerseits ziemlich großartig, erstaunt aber kaum - zum Schluss blieb nur ein Marionettengegner namens Moussa Moustafa Moussa übrig. Nur 41 Prozent der Ägypter gingen zur Wahl. Es wird nun erwartet, dass Sisi seine diktatorischen Vollmachten weiter ausbauen will und beispielsweise die Amtszeitbeschränkung in der Verfassung streicht.

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StefanZ.. 03.04.2018
1. Mehret euch wie die (Oster-)Karnickel
Dank SPON habe ich heute wieder etwas dazu gelernt. Bisher dachte ich, dass die AfD sich zum Ziel gesetzt hätte, dass alle wertvollen und besonderen Errungenschaften unserer deutschen Kultur und Identität nicht im kulturellen Einerlei oder Anders-Kultur-Import verloren gehen. Die Betonung liegt hier auf Errungenschaft, also menschlicher Fortschritt von etwas früher rückständigerem. Wie man bei Wikipedia schön nachlesen kann, kamen diese seltsamen Hasen-Bräuche in Deutschland wohl irgendwann im Mittelalter auf. Psychologen sind sich einig, dass die Märchen von eierlegenden Hasen um die Osterzeit herum (wie alle anderen Märchen, inklusive solche mit Riesen, Drachen, Engeln, Göttern) für Kinder ein Spaß und Fantasieanregend sein können, solange man ihnen klarmacht, dass es sich um Märchen handelt. Ob wir die Märchenhasen nun Goldie, Bugs Bunny oder Osterhase nennen hat aus meiner Perspektive nun gerade gar nichts mit Werteerhalt zu tun. Will sich die AfD wirklich dazu herablassen den Niedergang der Religionen zu verlangsamen indem man bei Lichte betrachtet ausgerechnet deutsche Unwerte und Nichterrungenschaften künstlich am Leben erhält? Es gibt doch genug wirklich erhaltenswertes.
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