Newt Gingrichs verrückte Ideen: Mondkolonien, Kinderarbeit und Waffen für alle

Von , New York

Abgang auf Raten: Newt Gingrich will kommende Woche aus dem Rennen um die Präsidentschaftskandidatur der Republikaner aussteigen. Er blieb zwar chancenlos als Obama-Herausforderer. Doch in seinem Wahlkampf präsentierte er jede Menge aberwitzige Ideen. Ein Rückblick.

Gingrich: Liebling der Journalisten, TV-Kabelsender und Late-Night-Comedians Zur Großansicht
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Gingrich: Liebling der Journalisten, TV-Kabelsender und Late-Night-Comedians

Bescheidenheit war nie sein Ding. Newt Gingrich lobte sich selbst gerne als "visionärer Führer", als der einzige Kandidat "mit sehr großen und sehr kühnen Ideen". Denn die USA seien ja "ein sehr großes, sehr kühnes Land".

Es half alles nichts. Gingrich hat angekündigt, am kommenden Dienstag aus dem Rennen um die Präsidentschaftskandidatur der US-Republikaner auszusteigen. Damit ist für Mitt Romney der Weg endgültig frei, Amtsinhaber Barack Obama herauszufordern. Nur zwei US-Bundesstaaten konnte Gingrich für sich gewinnen - seinen Heimatstaat Georgia und das benachbarte South Carolina.

Was von seinem desaströsen Wahlkampf übrig bleibt, sind - außer rund 4,3 Millionen Dollar Schulden - weniger die großen Ideen. Es sind vielmehr die verrückten Ideen: Mondkolonien, Kinderarbeit, Laserattacken auf Nordkorea und andere wahnwitzige Vorschläge.

Seine Vorhaben machten den früheren Sprecher des US-Repräsentantenhauses zwar nicht zum Liebling der Wähler. Aber definitiv zum Darling der Journalisten, TV-Kabelsender und Late-Night-Comedians.

SPIEGEL ONLINE präsentiert deshalb noch einmal die irrsten Gingrich-Gags:

  • MÄNNER IM MOND

Es war das abstruseste Wahlversprechen dieser Saison. Bei einem Besuch an der "Space Coast", Floridas kümmernder Region am Nasa-Weltraumbahnhof Cape Canaveral, verstieg sich Gingrich zu einem astronomischen Schwur: "Zum Ende meiner zweiten Amtszeit werden wir die erste dauerhafte Basis auf dem Mond haben. Und sie wird amerikanisch sein." Dabei verwies er auf eine fixe Idee, die er schon länger hatte: Wenn die US-Bevölkerung auf dem Mond aus 13.000 Einwohnern bestehe, "können sie beantragen, ein Bundesstaat zu werden".

Gingrich nannte das US-Raumfahrtprogramm, das unter drastischen Haushaltskürzungen geschrumpft ist, eine nationale "Tragödie": "Ich bin es leid, zu hören, dass wir zaghaft sein müssen." Nur "grandiose" Ideen wie seine könnten Amerika noch retten. Die grandioseste Idee davon war freilich, dass Gingrich eine erste und dann zweite Amtszeit als Präsident haben würde.

  • SPIEGEL IM WELTALL

Gingrichs Vorliebe für Science Fiction und Pseudo-Technologie, die er auch als Autor von Kitschromanen auslebte, erbrachte noch etliche andere kuriose Vorhaben. So schlug er 2009 vor, Nordkoreas Atomambitionen mit Laserstrahlen zu stoppen: "Ich glaube, dass man es mit sehr, sehr minimalem Risiko für alle Beteiligten beseitigen könnte." Damit spielte er auf ein Pentagon-Projekt namens "Airborne Laser" an - ein Waffensystem an Bord einer Boeing 747, das er lange propagiert hatte. Viel zu teuer und unpraktikabel, wurde das Projekt aber 2011 schließlich gestrichen.

Eine andere futuristische Idee Gingrichs: Ein "System von Spiegeln im Weltall", mit denen die Erde nachts beleuchtet werden könnte. Ziel: "Das könnte die gegenwärtige Gefahr von Kriminellen abbauen, die im Dunkeln lauern."

  • AM PULS DER GEFAHR

Apropos Gefahr: Eine der größten Bedrohungen Amerikas ist Gingrich zufolge "ein elektromagnetischer Pulsangriff, der die Funktionsfähigkeit des Landes buchstäblich zerstören würde". Dieses Weltuntergangsszenario zeichnete er bei einer TV-Debatte, bei der es um globale Sicherheitsfragen ging. Es war eines seiner Lieblingsthemen, das er schon in vielen Reden und Schriften zuvor beschworen hatte.

"Millionen würden allein in der ersten Woche sterben", schrieb er 2009 im Vorwort des Science-Fiction-Thrillers "One Second After" seines Freundes und langjährigen Co-Autors William Forstchen über die Aussicht eines elektromagnetischen Pulses (EMP) - "eine spezielle Nuklearwaffe", so Gingrich, die hoch über den USA gezündet werden könnte: "Mit einem Angriff mit einer solchen Waffe kann man eine Zivilisation aus der modernen Welt treiben." Wissenschaftler haben da ihre Zweifel.

  • WAFFEN FÜR DIE WELT

Der zweite US-Verfassungszusatz garantiert allen Amerikanern das Recht auf Waffenbesitz. Geht es nach Gingrich, soll dies für die ganze Welt gelten: "Das Recht auf Waffenbesitz kommt von unserem Schöpfer, nicht von der Regierung", postulierte er neulich auf der Jahrestagung der US-Waffenlobby NRA. Würde dieses Recht "überall auf dem Planeten" gelten, hätte das unschätzbare Vorteile: "Viel weniger Frauen würden vergewaltigt, viel weniger Kinder getötet, viel weniger Städte zerstört", prophezeite er. "Und viel weniger Diktatoren würden überleben."

Gingrich will diesen globalen Waffenfreischein bei den Vereinten Nationen beantragen. Dass er die Uno zuvor als hoffnungslos korrupt abgelehnt hatte, verschwieg er dabei. Ebenso wie den Umstand, dass von den jährlich fast 13.000 Morden in den USA mehr als zwei Drittel mit Schusswaffen begangen werden.

  • ARBEIT FÜR ALLE KINDER

Gesetze gegen Kinderarbeit hält Gingrich für "wahrhaft dämlich". Besonders "in den ärmsten Vierteln" (sprich: schwarzen Vierteln) würden solche Gesetze die Kinder nur "gefangen halten". Stattdessen sollten diese unbeschränkt arbeiten können, zum Beispiel als Hausmeister ihrer eigenen Schulen. Dahinter stecke ein "sehr simples Modell", sagte er im November in einer Rede ausgerechnet an der Harvard University: "Diese Schulen sollten ihre gewerkschaftlich organisierten Hausmeister loswerden, einen Chef-Hausmeister haben, örtliche Schüler bezahlen, um ihre Schule in Ordnung zu halten. Die Kinder würden in der Tat Arbeit verrichten. Sie hätten Bargeld und wären auf die Schulen stolz." Und sie hätten, fügte er später hinzu, endlich einen "Arbeitsethos", wie ihn arme Amerikaner sonst so vermissten.

Damit würde Gingrich auch die Gewerkschaften ärgern, die er für eine veraltete Idee und politisch vereinnahmt hält.

  • ERFUNDENE PALÄSTINENSER

Ein palästinensisches Volk hat nach Gingrichs Ansicht kein Existenzrecht. "Palästina als Staat gab es nicht", sagte er in einem Interview mit dem pro-israelischen US-Sender The Jewish Channel. "Es war Teil des osmanischen Reiches." Die Palästinenser seien "erfunden" und hätten längst ausreichend Gelegenheit gehabt, "sich an vielen Orten niederzulassen".

Gingrichs Worte haben einen besonderen Kontext: Hauptfinanzier seines Wahlkampfes war der Casino-Mogul Sheldon Adelson aus Las Vegas. Der strikte Pro-Israel-Aktivist ist mit dem israelischen Premier Benjamin Netanjahu befreundet und mit einer israelischen Ärztin verheiratet, deren Eltern vor dem Holocaust aus Polen geflohen waren. Auch besitzen die Adelsons die erfolgreiche konservative Zeitung "Israel Hayom", die als "Fox News Israels" gilt.

  • BILLIG-SPRIT FÜR JEDEN

Die Benzinpreise sind immer gerne ein politisches Reizthema in den USA, vor allem in Wahlkämpfen. Gingrich hatte dafür einen besonders griffigen Slogan gefunden: "2,50 Dollar" - auf Poster gedruckt, die seine Fans bei Wahlkampfauftritten schwenken durften. Will heißen: Er versprach, als Präsident die Spritpreise von derzeit fast vier Dollar auf 2,50 Dollar pro Gallone zu senken. Oder umgerechnet von 0,80 auf 0,50 Euro pro Liter.

"Ich habe ein Programm für amerikanische Energie entwickelt", prahlte Gingrich, als er diese Idee im Februar vorstellte, "damit kein künftiger Präsident sich je wieder vor einem saudischen König verbeugen muss". Mal ganz abgesehen davon, dass die von den US-Autofahrern als hoch empfundenen Spritpreise in Europa kaum einen Wähler kratzen würden: Selbst ein US-Präsident hat natürlich nicht den geringsten Einfluss auf die Höhe der Ölpreise und folglich der Preise an den Tankstellen.

  • TOD DEN DEALERN

Schon etwas älter, trotzdem eine typische Gingrich-Klamotte: Während er Sprecher des US-Repräsentantenhauses war, plädierte Gingrich dafür, gegen Drogendealer die Todesstrafe zu verhängen. "Wenn du kommerziellen Mengen von Drogen mit dem Zweck in die USA importierst, unsere Kinder zu zerstören, dann werden wir dich töten", sagte er in einer Rede 1995. Das habe sicher eine "abschreckende Wirkung" auf Drogendealer.

Gingrichs Drug Importer Death Penalty Act, 1996 eingebracht, verankerte diese Haltung: Das Gesetz hätte "gewisse Importe signifikanter Quantitäten von Rauschmitteln mit einer Strafe des Todes" geahndet, mindestens aber mit lebenslänglich. Die Vorlage kam nicht über die Ausschüsse hinaus. Dass er selbst als Student gekifft hat, störte Gingrich nicht: "Das war ein Zeichen, dass wir lebendig und in der Zeit an der Uni waren."

  • KRIEG DEN RADIKALEN

Glaubt man Gingrich, stehen die USA im Kreuzfeuer radikal-unchristlicher Kräfte. Immer wieder beschwor er diesen "Kampf um die Natur Amerikas", an dessen Ende schlimmstenfalls ein "säkulares, atheistisches Land" stehe - "potentiell eines, das von radikalen Islamisten beherrscht" werde. Andernorts beklagte er den "schwulen und säkularen Faschismus in diesem Land". Nur "historisch transformative Figuren" wie er selbst stünden "zwischen uns und Auschwitz".

Dazu passen seine Forderungen nach einem Gesetz gegen die Einführung von Scharia-Gesetzen in den USA - als Bollwerk gegen "eine islamistische, kulturell-politische Offensive, die unsere Zivilisation unterminieren und zerstören soll". Der Hauptfeind dabei: Präsident Obama mit seinem "kenianischen, antikolonialen Verhalten".

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insgesamt 42 Beiträge
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1. bedrückend
Ha.Maulwurf 25.04.2012
Zitat von sysopAPAbgang auf Raten: Newt Gingrich will kommende Woche aus dem Rennen um die Präsidentschaftskandidatur der Republikaner aussteigen. Er blieb zwar chancenlos als Obama-Herausforderer. Doch in seinem Wahlkampf präsentierte er jede Menge aberwitzige Ideen. Ein Rückblick. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,829793,00.html
Das Bedrückende an dem Artikel ist, dass solche Leute tatsächlich US-Präsident werden können.
2.
charlybird 25.04.2012
''Quote: Dass er selbst als Student gekifft hat, störte Gingrich nicht: "Das war ein Zeichen, dass wir lebendig und in der Zeit an der Uni waren." Ende'' Da haben wir den Grund.
3.
kmmzaa 25.04.2012
Zitat von Ha.MaulwurfDas Bedrückende an dem Artikel ist, dass solche Leute tatsächlich US-Präsident werden können.
Nennen Sie doch bitte einen Politiker (USA oder weltweit) der auch nur ein bisschen schlauer ist.
4. Und......
kmmzaa 25.04.2012
Zitat von sysopAPAbgang auf Raten: Newt Gingrich will kommende Woche aus dem Rennen um die Präsidentschaftskandidatur der Republikaner aussteigen. Er blieb zwar chancenlos als Obama-Herausforderer. Doch in seinem Wahlkampf präsentierte er jede Menge aberwitzige Ideen. Ein Rückblick. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,829793,00.html
einige Ideen von Newt sind doch nicht so schlecht, wie z.B. die Anzapfung der Energieresourcen der USA. Was ist falsch mit dem Waffenbesitz der Zivilbevoelkerung? Deutschland hat doch kaum individuelle Waffenbesitzer und wir haben wir doch immer noch Kriminalitaet mit illegalen Waffen. Das vorgerschriebene Krankenversicherungsmandat (inkl. Bestrafung der Nicht-versicherten)ala Obama macht mir da viel mehr Sorgen.
5. Mondkolonie
pepito_sbazzeguti 25.04.2012
Ich finde Gingrichs Idee mit der Mondkolonie ganz ausgezeichnet. Zudem böte sich bei der Verwirklichung dieser Idee die Möglichkeit, dass Gingrich bei der Kolonisierung des Mondes das Vorkommando bildet und auch gleich da bleibt.
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Fläche: 9.632.000 km²

Bevölkerung: 310,384 Mio.

Hauptstadt: Washington, D.C.

Staats- und Regierungschef: Barack Obama

Vizepräsident: Joseph R. Biden

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US-Wahl
Wahl des Präsidenten
In den USA liegt die exekutive Gewalt grundsätzlich beim Präsidenten, der Staatsoberhaupt, Regierungschef und Oberbefehlshaber der Streitkräfte in einer Person ist. Der Präsident wird alle vier Jahre neu gewählt, eine einmalige Wiederwahl ist möglich.
Die Präsidentschaftswahl in den Vereinigten Staaten ist eine indirekte Wahl: Am Wahltag, der immer am Dienstag nach dem ersten Montag im November stattfindet, wählt die US-Bevölkerung in jedem Bundesstaat Wahlmänner. Diese bilden das Wahlmännergremium, das offiziell erst im Dezember den Präsidenten und seinen Vize wählt. Dabei gilt in den allermeisten Bundesstaaten das Mehrheitswahlrecht: Die Wahlmänner eines Bundesstaates stimmen alle für den Präsidentschaftskandidaten, der in ihrem Staat die meisten Stimmen bekommen hat. Für den Gegner sind alle Wahlmänner verloren - egal wie knapp das Ergebnis ist ("Winner takes all"-Prinzip).
Parteien und Swing States
In den USA hat sich, durch das einfache Mehrheitswahlrecht begünstigt, ein Zweiparteiensystem gebildet: Praktisch spielen nur die demokratische und die republikanische Partei eine Rolle. Da in vielen Bundesstaaten die Mehrzahl der Wähler traditionell einer der beiden Parteien zugetan sind, steht in diesen Staaten praktisch fest, für welchen Kandidaten die Wahlmänner dieses Staates stimmen werden.
In anderen ist der Ausgang der Wahl hingegen offen: Sie werden als umkämpfte Staaten oder Swing States bezeichnet. Auf sie konzentriert sich der Wahlkampf der Kontrahenten. Besonders die bevölkerungsreichen unter ihnen wie Ohio und Florida stehen im Fokus der Wahlkampfstrategen, da sie viele Wahlmänner im Wahlmännergremium stellen und damit für den Ausgang der Präsidentschaftswahl entscheidend sein können.
Wahlmänner
Der Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika wird nicht direkt vom Volk gewählt, sondern indirekt von Wahlmännern ("electors"). Ein Wahlmann ist ein Bürger, den die Einwohner eines US-Bundesstaates gewählt haben, damit er oder sie in einem landesweiten Gremium in ihrem Namen seine Stimme für den Präsidenten und den Vizepräsidenten abgibt. Die Wahlmänner werden von ihrer jeweiligen Partei in einem Auswahlprozess aufgestellt, der von Bundesstaat zu Bundesstaat verschieden ist. Normalerweise nominieren die Parteien sie auf einem Parteitag im jeweiligen Bundesstaat, oder der Zentralausschuss ("central committee") der Partei stellt sie auf.
Am Wahltag geben die Wähler jedes Bundesstaates ihre Stimme für einen der Präsidentschaftskandidaten ab. Da die Wahl indirekt ist, wählen sie damit Wahlmänner, die dann nach dem eigentlichen Präsidentschaftswahltag in dem bundesstaatenübergreifenden Wahlmännergremium ("electoral college") ihre Stimme für ihren Präsidentschaftskandidaten und seinen Vize abgeben.
Welche Wahlmänner aus einem Bundesstaat in das Wahlmännergremium geschickt werden, wird in 48 US-Bundesstaaten nach dem Mehrheitswahlrecht ermittelt: Alle von einem Staat entsandten Wahlmänner gehören derselben Partei an, selbst wenn diese in dem betreffenden Staat nur mit einem hauchdünnem Vorsprung gewonnen haben sollte ("Winner takes all").
Wie viele Delegierte ein Bundesstaat entsendet, ist von seiner Größe abhängig. Jeder Staat schickt so viele gewählte Electors, wie er Senatoren und Abgeordnete im Kongress stellt. Die meisten Wahlmänner, nämlich 55, hat zurzeit Kalifornien, gefolgt von New York (31) und Florida (27). Bevölkerungsarme Staaten wie zum Beispiel Alaska oder Montana entsenden das Minimum von drei Wahlmännern. Obwohl der Hauptstadtbezirk Washington D.C. keine stimmberechtigten Vertreter im Kongress hat, entsendet auch er drei Wahlmänner ins Gremium.
Wahlmännergremium
Das Electoral College ist ein Kollegium von insgesamt 538 Vertretern der einzelnen US-Bundesstaaten, das den US-Präsidenten und seinen Vize wählt - denn Amerikas Bürger entscheiden nicht direkt darüber, wer sie regiert, sondern nur über die Zusammensetzung des Gremiums, das den Präsidenten wählt.
Das Wahlmännergremium tritt physisch nie an einem Ort zusammen. Stattdessen versammeln sich die Wahlmänner im Dezember nach der Wahl durch das Volk in den Hauptstädten ihrer Bundesstaaten, um ihre Stimme abzugeben. Dabei richten sie sich in ihrer Entscheidung traditionell nach dem Votum des Volkes, zwingend vorgeschrieben ist das jedoch nicht in allen Staaten. Die Wahlmänner-Stimmen werden dann nach Washington geschickt, wo sie während einer gemeinsamen Sitzung des Kongresses im Januar ausgezählt werden. Der amtierende Vizepräsident kann dann endlich das offizielle Ergebnis der Präsidentschaftswahlen verkünden, das in der Regel ja schon kurz nach der allgemeinen Wahl bekannt ist, weil die Zahl der Wahlmänner jedes Kandidaten feststeht.
Wenn keiner der Präsidentschaftskandidaten die Mehrheit der Wahlmännerstimmen erhält, sieht der 12. Zusatzartikel der Verfassung vor, dass die Wahl durch das Repräsentantenhaus entschieden wird. In diesem Fall wählt das Repräsentantenhaus den Präsidenten per Mehrheitsentscheid unter den drei Kandidaten aus, die die höchste Anzahl an Wahlmännerstimmen erhalten haben. Jeder Staat gibt dann eine Stimme ab. Wenn keiner der Kandidaten für das Amt des Vizepräsidenten die Mehrheit der Wahlmännerstimmen erhält, entscheidet hingegen der Senat per Mehrheitsentscheid über den Vizepräsidenten, wobei sich jeder Senator für einen der beiden Kandidaten mit der größten Anzahl an Wahlmännerstimmen entscheiden muss.
"Winner takes all"
In 48 US-Bundesstaaten gilt bei den Präsidentschaftswahlen das Mehrheitswahlrecht: Alle Wahlmännerstimmen eines Staates werden komplett dem Präsidentschaftskandidaten zugeordnet, der in diesem Bundesstaat die meisten Wählerstimmen erhalten hat - "Der Sieger bekommt alles" ("The winner takes it all"). Der in diesem Staat unterlegene Präsidentschaftskandidat geht leer aus, ganz gleich wie viele Stimmen der Bürger er auf sich vereinigen konnte - diese Stimmen entfallen.
Präsident wird, wer die Mehrheit der Stimmen von den Wahlmännern bekommt, die jeder einzelne Bundesstaat in das staatenübergreifende Wahlmännergremium (electoral college) schickt. Ob der Präsidentschaftskandidat auch die Mehrheit der in den USA abgegebenen Stimmen (popular vote) bekommen hat, ist für die Präsidentenwahl hingegen nicht entscheidend. So führt das Prinzip "Der Sieger bekommt alles" dazu, dass die Wahl kein genaues Bild vom wahren Kräfteverhältnis im ganzen Land gibt.
Nur in den Bundesstaaten Nebraska und Maine gilt das System des "Winner takes all" nicht. Hier werden die Wahlmänner nach dem Verhältniswahlrecht ermittelt: Die Wahlmännerstimmen werden proportional zu den auf die Kandidaten entfallenen Wählerstimmen zwischen den Parteien aufgeteilt.