"Marsch für den Frieden" Tausende Menschen demonstrieren gegen Nicaraguas Regierung

Präsident Ortega kassierte die umstrittene Rentenreform, aber der Protest geht weiter: Tausende Menschen haben in Nicaragua an einem "Marsch für den Frieden" teilgenommen.

Demonstranten in Nicaraguas Hauptstadt Managua
AP

Demonstranten in Nicaraguas Hauptstadt Managua


Die Sicherheitskräfte griffen diesmal im Gegensatz zu den vergangenen Protestaktionen nicht ein: Tausende Menschen haben am Montag in Nicaraguas Hauptstadt Managua und anderen Orten in dem lateinamerikanischen Staat gegen ihre Regierung demonstriert.

Die Demonstranten riefen auf den Straßen "Frieden", "Freiheit" und "Weg mit Daniel Ortega". Angesichts des Drucks von der Straße hatte Nicaraguas Präsident bereits die umstrittene Rentenreform der Regierung kassiert. Doch die Proteste gehen weiter.

Zu dem "Marsch für den Frieden" hatten Unternehmerverbände und Studenten aufgerufen. Auch in den Städten León, Chinandega, Matagalpa, Estelí, Matiguás, Nueva Guinea, El Tule und Bluefields gingen zahlreiche Menschen auf die Straße.

Im Gegensatz zu den vergangenen Tagen, als rund 30 Menschen bei den Demonstrationen ums Leben kamen, ließ die Polizei die Demonstranten gewähren und ging nicht mit Gewalt gegen die Menschen vor. Auch die regierungstreuen Schlägertrupps, die sich zuletzt immer wieder heftige Auseinandersetzungen mit den Demonstranten geliefert hatten, griffen nicht ein.

Opposition fordert Neuwahlen

Zuvor hatte die Regierung zum Dialog aufgerufen. "Wir beten ständig für den Frieden und den Dialog als einzige Möglichkeit, um voranzuschreiten", sagte Ortegas Ehefrau und Vizepräsidentin Rosario Murillo.

Doch die Opposition fordert Neuwahlen. Die Krise sei nur durch freie und demokratische Wahlen zu lösen, sagte Víctor Hugo Tinoco von der Oppositionspartei MRS der Deutschen Presse-Agentur. "Die Proteste spiegeln den tiefen Konflikt zwischen dem Volk und der Diktatur wider." Vor der jüngsten Präsidentenwahl 2016 hatte Ortega die Opposition in dem mittelamerikanischen Land weitgehend ausgeschaltet.

"Die Leute werden die Rücknahme der Reform nicht als eine Lösung der Krise akzeptieren", sagte der frühere Vizeaußenminister Tinoco. "Sie wollen, dass die seit Jahren andauernden Angriffe auf die Institutionen des Landes aufhören."

als/dpa



insgesamt 1 Beitrag
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
tropfstein 24.04.2018
1. Revolutionär wird zum Diktator
Wieder einmal ein trauriges Beispiel, wie der Revolutionär einen Diktator vertreibt und dann selber einer wird. Wäre Daniel Ortega vor 20 Jahren gestorben, wäre er heute wohl eine Ikone der Linken, so wie Che Guevara. Aber jetzt taugt er nur noch als abschreckendes Beispiel.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2018
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.