Nicaragua Weitere Tote bei Massenprotesten

Gegen Korruption und Staatschef Ortega: Bei Protesten in Nicaragua sollen bisher hundert Menschen ums Leben gekommen sein. Der Papst ruft zum Dialog auf.

Demonstranten bei Protesten in Nicaragua
REUTERS

Demonstranten bei Protesten in Nicaragua


Seit Wochen wird Nicaragua von schweren Protesten erschüttert. Menschenrechtsaktivisten berichten, dass dabei bereits mehr als hundert Menschen getötet worden seien. Erst am Samstag kamen wieder mindestens sechs Menschen ums Leben.

Trotz Repressionen rebellieren Aktivisten in Nicaragua weiter. Sie fordern die Absetzung des linken Staatschefs Daniel Ortega, der seit 2007 an der Macht ist. Ortega wird ein autoritärer Regierungsstil vorgeworfen. Mitte April hatte sich der Protest an einer geplanten Erhöhung der Sozialversicherungsbeiträge entzündet.

Vertreter örtlicher Menschenrechtsgruppen sind am Wochenende nach Washington gereist, um bei der am Montag beginnenden Generalversammlung der Organisation Amerikanischer Staaten (OAS) um Hilfe zu bitten. "Die Länder sollen sich positionieren und die Lage des Landes auf die Agenda setzen", sagte eine Teilnehmerin.

Besonders schwer traf die Menschenrechtler am Sonntag der Tod von Kardinal Miguel Obando y Bravo, einem bekannten politischen Aktivisten. Der frühere Erzbischof von Managua galt lange als eine Stimme des Friedens und der Versöhnung in seinem Heimatland. Er starb im Alter von 92 Jahren zu Hause an einem Herzinfarkt, sagte ein Sprecher der katholischen Kirche der "New York Times".

Auch der Papst schaltete sich in der Regierungskrise ein. Er hatte dringend zum Dialog aufgefordert. "Ich bete für ein Ende aller Gewalt", sagte das Kirchenoberhaupt am Sonntag während des Angelusgebets im Vatikan.

Das Bundesentwicklungsministerium (BMZ) hat angesichts der andauernden gewalttätigen Auseinandersetzungen deutsche Freiwillige zur Ausreise aufgefordert.

eaz/dpa

Mehr zum Thema


© SPIEGEL ONLINE 2018
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.