Sprüche und Schoten Ex-Berater enthüllt Gespräch von Sarkozy und Merkel

"Abscheulich", "erbärmlich", "korrupter Typ": So schimpfte Nicolas Sarkozy angeblich über Parteifreunde. Ein Ex-Berater verrät nun, was Frankreichs früherer Präsident zu Angela Merkel sagte.

Nicolas Sarkozy
AFP

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Es ist eine unangenehme Veröffentlichung für Nicolas Sarkozy: Mitten im Vorwahlkampf um die Präsidentschaftskandidatur in Frankreich erscheint am Donnerstag ein Buch seines früheren Beraters. Die Zeitschrift "L'Express" druckte Passagen aus dem Werk von Patrick Buisson, in denen sich Sarkozy wenig schmeichelhaft über Politiker aus dem eigenen konservativen Lager äußert.

Den früheren Präsidenten Jacques Chirac nannte Sarkozy demnach "den abscheulichsten Präsidenten der fünften Republik" und einen "korrupten Typen", den ehemaligen Premierminister François Fillon titulierte er als "erbärmlich" und seinen früheren Vertrauten Christian Estrosi als "Blödmann".

Auch aus einer Unterhaltung Sarkozys mit Bundeskanzlerin Angela Merkel zitiert Buisson. Sarkozy soll scherzhaft zu ihr gesagt haben: "Ich bin der Kopf, Sie sind die Beine." Die Kanzlerin antwortete demnach unter Anspielung auf die deutsche Finanzkraft in Europa: "Nein, ich bin die Bank."

Heikel: Sarkozy hatte Buisson 2014 entlassen, weil er heimlich Gespräche mitgeschnitten hatte. Die Aufnahmen hatte er mit einem Diktiergerät im Elysée-Palast gemacht - aber auch im Auto und an vielen anderen Orten. Buisson verteidigt sich in dem Vorwort seines Buches. Er habe einige wichtige Treffen aufgezeichnet, um Sarkozy und seine Sprache korrekt und wortgetreu wiederzugeben. Bleibt die Frage, warum er dann heimlich aufnehmen musste.

Vor zwei Jahren wurden einige dieser Mitschnitte von Buisson im Internet veröffentlicht. Darunter war auch ein privates Gespräch von Sarkozy und seiner Frau Carla Bruni - es musste nach einem Gerichtsentscheid sofort gelöscht werden.

Auch die Ehe von Sarkozy und Bruni erfährt Aufmerksamkeit in dem Buch, das geht aus den von "L'Express" veröffentlichten Auszügen hervor. Als seine Liebe zu Bruni bekannt wurde, habe Sarkozy "ohne Zweifel" geglaubt, dass sein privates Glück einen Kontrapunkt setzen, ja, ein Gegenmittel sein könne gegen die "kollektive Depression Frankreichs". Stattdessen aber habe ihn die öffentliche Meinung als "Mann in der Spätpubertät" wahrgenommen, der sich nach der Demütigung durch seine Ex-Frau nun "brüstete, sich mit einer trophy woman am Arm zeigen zu können".

"Das interessiert mich null"

Sein fast 500 Seiten umfassendes Buch will Buisson trotz dieser Passagen mitsamt ihrer Indiskretionen nicht als Abrechnung verstanden wissen - auch wenn er sich explizit über den "Narzissmus" von Sarkozy auslässt. Beim Schreiben habe er vielmehr darauf geachtet, eine Balance aus Anekdoten und Reflexionen zu finden, so gibt ihn "L'Express" wieder. Er hoffe, dass sein Buch bewirken werde, dass die Konservativen ihre Strategie hinterfragten.

Vor Kameras gibt sich Sarkozy betont cool, wenn es um die Enthüllungen seines langjährigen Beraters geht. Auf die Veröffentlichung angesprochen, sagte Sarkozy am Montag im Sender Europe1: "Das interessiert mich null."

Das Buch kommt für Sarkozy aber zu einem ungünstigen Zeitpunkt: Im November entscheidet sich, ob er 2017 als Präsidentschaftskandidat der Konservativen antreten kann. Nach Umfragen liegt er in der Wählergunst hinter dem früheren Premierminister Alain Juppé.

cte/kgp/AFP

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