Sarkozys neues Buch Auspacken, selbstgeißeln - und dann zurück an die Macht

Ein "Kracher" wird das neue Buch von Nicolas Sarkozy - da ist sich zumindest der Ex-Präsident sicher. Darin plaudert er über Fehler seiner ersten Amtszeit. Im Kampf um den Élysée hätte er einen Bestseller dringend nötig.

Nicolas Sarkozy: Kein Comeback ohne neues Buch
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Nicolas Sarkozy: Kein Comeback ohne neues Buch


Es gehört zu den ungeschriebenen Gesetzen der französischen Politik: Wer auf die höchsten Ämter der Staatsmacht schielt, muss sich zuerst als Autor verewigen.

Gefragt sind gesellschaftliche Visionen, grandiose Reformpläne, ehrgeizige Entwürfen zur Zukunft der Nation. So können sich die Präsidentschaftsbewerber sowohl als durchsetzungsfähige Kämpfer wie als intellektuelle Vordenker ausweisen. Kurz: kein Polit-Aufstieg ohne vorausgegangenen literarischen Erguss.

Das gilt auch für Comebacks - und genau deshalb meldet sich Nicolas Sarkozy jetzt zu Wort. "Frankreich für das Leben" heißt die Veröffentlichung, die nach fast neun Jahren literarischer Abstinenz am Montag erscheint: Mit publizistischem Getöse will der Chef der Republikaner (LR), wenige Tage vor seinem 61. Geburtstag, die Kampagne zur Wiedereroberung des Élysée anschieben.

Seine Vorgänger haben es vorgemacht: Charles de Gaulle brillierte als Schriftsteller, Sozialist François Mitterrand legte mehr als ein Dutzend Titel vor, Jacques Chirac versuchte sich gleichermaßen als Autor. Und auch Sarkozy selbst pflasterte seinen ersten Aufstieg in das Amt des Staatschefs mit mehr als einem halben Dutzend Essays und biografischen Schilderungen.

Ebenso meldete der amtierende Präsident François Hollande seine Ambitionen zwischen zwei Buchdeckeln an: Bevor der Sozialist 2012 als Kandidat gegen Sarkozy antrat, veröffentlichte er ein Selbstporträt mit dem hochtrabenden Titel: "Das Schicksal ändern".

Selbstkritische Bestandsaufnahme vor der erneuten Kandidatur

Nun also noch einmal Sarkozy. Laut Ankündigung auf seiner Facebook-Seite zieht der Ex-Präsident in seinem neuen Buch die Bilanz seiner ersten fünfjährigen Amtszeit (2007 bis 2012) - "Erfolge und Fehler" inklusive. Freunde und Vertraute Sarkozys rühmen das 270-Seiten-Manuskript daher als "sehr persönlich" und loben die selbstkritische Bestandsaufnahme.

Der Autor geht in sich: "Ich weiß um die schreckliche Vertrauenskrise von Politik und Politikern. Ich will mich angesichts dieser Lager keinesfalls von meiner persönlichen Verantwortung freisprechen." Sarkozys selbsterklärte Mission: "Klarheit schaffen."

Nutzen soll die Klarheit vor allem ihm selbst. Zwar ist längst deutlich, dass der Parteichef bei den Präsidentenwahlen 2017 erneut als Kandidat für die Republikaner antreten will. Völlig offen bleibt jedoch, ob sich der LR-Boss bei den Vorwahlen im November gegenüber seinen Rivalen durchsetzen wird.

Denn Sarkozy ist zuletzt immer weiter hinter seine parteiinternen Konkurrenten zurückgefallen. Fast zwei Drittel der Franzosen halten ihn, so eine Umfrage von BFM-TV, für eine Figur der Vergangenheit, getrieben nur von Revanchegelüsten, ohne neues Konzept oder frische Ideen.

Es wird eng für Sarkozy

Die neue Publikation, von Frankreichs Medien als "Sarkozys mea culpa" apostrophiert, soll den Parteichef populärer machen. Pech allerdings, trotz der Startauflage von satten 110.000 Exemplaren: Eine ganze Riege konservativer Präsidentschaftskandidaten ist ihm längst mit eigenen Werken zuvorgekommen.

Alain Juppé, Bürgermeister von Bordeaux und derzeit bei weitem beliebtester LR-Promi, legte bereits im vergangenen August einen Aufsatz zur Erziehungspolitik vor, es folgte ein Beitrag über die Staatsreform. Sarkozys ehemaliger Premier, François Fillon, eroberte Ende des Jahres mit dem Titel "Machen" die Bestsellerlisten. Diese Woche schließlich veröffentlichte Jean-François Copé, Ex-Parteichef der Konservativen, seine Thesen: "Ein Schub für Frankreich".

Damit wird es eng für Sarkozy - nicht nur in den Auslagen der Buchhandlungen, sondern auch an Spitze der Partei. "Wenn es bis Ende Februar nicht klappt", sagt ein LR-Promi bei RTL über das geplante Comeback, "wird es kompliziert."

Sarkozy hingegen setzt optimistisch auf die Werbewirksamkeit seines Buches. Vor dem Auftakt einer Rundreise durch die Provinzen meinte er siegessicher: "Das wird ein Kracher."

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insgesamt 14 Beiträge
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Bürger Icks 22.01.2016
1. Aber wer will es Lesen?
Es ist albekannt, das Worten, die den Mund eines Politikers verlassen, kein Glauben geschenkt werden kann. Das gilt dann auch für das geschriebene Wort, für das man dann auch noch zahlen soll. Also, wer soll sowas kaufen?
global player 22.01.2016
2.
---Zitat--- Es gehört zu den ungeschriebenen Gesetzen der französischen Politik: Wer auf die höchsten Ämter der Staatsmacht schielt, muss sich zuerst als Autor verewigen. Gefragt sind gesellschaftliche Visionen, grandiose Reformpläne, ehrgeizige Entwürfen zur Zukunft der Nation. Seine Vorgänger haben es vorgemacht: Charles de Gaulle brillierte als Schriftsteller, Sozialist François Mitterrand legte mehr als ein Dutzend Titel vor. ---Zitatende--- Auch in Deutschland waren einige Bundeskanzler sehr schreibselig, wie bspw. Helmut Schmidt. Aber wie viele Titel hat Angela Merkel bisher vorgebracht? Wenn ich mich nicht irre gerade mal zwei: 1. Daran glaube ich: Christliche Standpunkte 2. Mein Weg
global player 22.01.2016
3.
Wahrscheinlich wird bald noch ein drittes Buch von Angela Merkel folgen: Mein Absturz
axeljean 22.01.2016
4. Sarkozy
Das wäre ein Mann für Deutschland, damit dieses Land endlich versteht wie gut die deutschen Politiker sind.ok, auch in D. gibt es viele opportunistische Posten und geldjäger aber es gibt auch Merkel, Schäuble .......ein Mal Sarkozy und ihr wärt für lange Zeit wieder geheilt!
ofelas 22.01.2016
5. Sarkozy groesster Fehler
war das Kriegstreiben gegen Gaddafi. er wollte die Gespraeche ueber Zahlungen die Gaddafi an seine Partei kaltstellen/ er wollte auch die frz. Vorherrschaft in Afrika sichern, den Libyen wollte eine Wahrung fuer Afrika schaffen! Wer hier weiss das Frankreich in Afrika eine Waehrung namens Franc betreibt, speziel fuer Afrika generiert!
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