Frankreichs Präsidentenwahl 2017 Sarkoz-I-I-I

Nicolas Sarkozy will wieder Präsidentschaftskandidat werden - und setzt auf die drei "I". Sein Problem: Wie kann sich Frankreichs Ex-Staatschef als Mann der Zukunft verkaufen?

Nicolas Sarkozy
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Von , Paris


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Überraschend war nur die Form: Nicht während eines Meetings vor Parteifreunden, nicht per TV-Ansprache, sondern per schlichter Twitter-Meldung erklärte Nicolas Sarkozy seine Kandidatur bei den parteiinternen Vorwahlen der Republikaner (LR) Anfang November. "Ich habe entschieden, Kandidat für die Präsidentschaftswahlen 2017" zu sein, so die knappe Mitteilung des ehemaligen Staatschefs, frisch zurück aus den Ferien im südfranzösischen Cap Nègre.

Passend zur Kandidatur erscheint am Mittwoch ein neues Buch von Sarkozy: Unter dem Titel "Alles für Frankreich" will der angehende Wahlkämpfer erklären, warum er eine Rückkehr in den Élysée anstrebt. Seine Medienkampagne will Sarkozy nach den Worten seiner Freunde "wie einen Blitzkrieg" führen: Interviews, Chats, Auftritte quer durch die Republik.

Zu seinen Motiven gehören Machtwille, Ehrgeiz - und der Wunsch nach Revanche gegen den Amtsinhaber François Hollande. Sarkozy, der von 2007 bis 2012 regierte, hat nie verdaut, dass er, der rastlose Macher, ausgerechnet dem farblosen Kandidaten Hollande unterlag. Der Sozialist hatte sich damals als "normaler Präsident" vorgestellt und damit vom eitlen Bling-Bling-Stil des Konservativen abgesetzt.

Comeback an die Spitze

Seither sinnt Sarkozy auf ein Comeback. Nach einer Schamfrist als politischer Rentner kämpfte er sich erst an die Spitze der Konservativen zurück, trotz Polit-Affären und juristischer Querelen. Als Vorsitzender gab er der Partei ein neues Logo und einen neuen Namen: "Les Républicains" sollten für ein wertkonservatives Frankreich stehen, wählbar für traditionelle Bürger wie für extreme Rechte.

Der LR-Vorsitz war freilich nur die Rampe für höhere Ziele und bot Gelegenheit für mediale Aufmerksamkeit: Sarkozy beförderte seine Anhänger an die Schaltstellen der Partei, lenkte die inhaltliche Ausrichtung der Opposition und nutzte die LR-Seilschaften in den Regionen, um seine eigene Kandidatur auf den Weg zu bringen.

Allerdings: Anders als bei den zwei vorhergehenden Wahlkämpfen muss Sarkozy diesmal eine schwere Hürde nehmen. Nach dem Vorbild der Sozialisten sollen diesmal die Parteibasis und LR-Sympathisanten an der Urne entscheiden, wer im Mai 2017 für die Konservativen antritt. Bei den Vorwahlen drängeln sich mehr als ein Dutzend LR-Promis an der Startlinie, mit Sarkozy sind es 14 angehende Kandidaten.

Zwar verfügen längst nicht alle über die nötigen Patenschaften von mindestens 20 LR-Abgeordneten der Nationalversammlung, von 250 konservativen Mandatsträgern und 2500 Parteimitgliedern. Doch schon lange vor Sarkozy hat dessen ehemaliger Premier François Fillon seine Kandidatur angemeldet, ebenso wie Ex-Agrarminister Bruno Le Maire, der als jugendlicher Reformer antritt.

Die drei I: Innere Sicherheit, Immigration, Islamismus

Wichtigster und gefährlichster Rivale Sarkozys bleibt jedoch Alain Juppé: Der frühere Ministerpräsident hat seine Kampagne schon vor Monaten begonnen. Mit Essays zu Wirtschaft, Erziehung und Außenpolitik profiliert sich der 71-Jährige als Vertreter eines maßvollen Kurses der Mitte.

Selbst wenn Sarkozy, 61, sich über das Alter seines Rivalen mokiert: Juppé, amtierender Bürgermeister von Bordeaux, stellt sich als ruhiger erfahrener Politiker dar, im Unterschied zu Sarkozy nicht getrieben von persönlichen Motiven wie Vergeltung. Bisher konnte Juppé mit dieser Haltung punkten, er liegt noch immer in allen Umfragen vorn.

Sarkozy profitiert jedoch von den jüngsten Terroranschlägen. Der ehemalige Innenminister setzt auf den klassischen Dreiklang angstbesetzter Themen, der ihm schon einmal ins Präsidentenamt half: Innere Sicherheit, Immigration, Islamismus. Während der Debatte über den Notstand, vor allem aber nach den Anschlägen von Nizza und dem Meuchelmord an dem katholischen Geistlichen Jacques Hamel, empfahl sich Sarkozy mit drastischen Vorschlägen als beinharter Verfechter der Republik.

Fraglich ist, ob Sarkozy mit diesem Hardliner-Kurs eine Mehrheit der Konservativen hinter sich bringen kann. Er leidet noch immer unter dem Image als gescheiterter Präsident - rechts, ruppig und tief polarisierend.

Dieses öffentliche Bild belastet Sarkozy schwerer als diverse ausstehende Gerichtsverfahren. Will er nach 20 Jahren im Polit-Geschäft noch einmal als Mann der Zukunft zurückkehren, muss er sich versöhnlicher, geduldiger, staatsmännischer geben - für Sarkozy die vielleicht größte Herausforderung.

Sein Selbstvertrauen ist, laut Medienberichten, jedenfalls ungebrochen: "Ich werde schaffen, was vor mir noch niemand in der Politik erreicht hat: Die Rückkehr."


Zusammengefasst: Frankreichs Ex-Präsident Nicolas Sarkozy will noch einmal Präsident werden: Nach der Niederlage gegen François Hollande 2012 will er 2017 den Élysée-Palast für die Konservativen zurückerobern. Doch zunächst muss er sich in parteiinternen Vorwahlen gegen ein Dutzend Kandidaten durchsetzen. Er setzt auf einen Angstwahlkampf rund um die Themen Innere Sicherheit, Immigration und Islamismus - und erinnert die Franzosen so daran, wie polarisierend er als Präsident war.



insgesamt 12 Beiträge
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deltametro2 22.08.2016
1. Um Gottes Willen,
Alles, aber nicht das nochmal. Und auch nicht Hollande und schon gar nicht Marine. Und dann dieser Schnösel Montebourg und der andere Schnösel Macron. So, was bleibt noch übrig? Meine persönliche Wahl: Christiane Taubira, die Beste. Leider will sie nicht kandidieren.
gibmichdiekirsche 22.08.2016
2. Alter Traum
Dann wird vielleicht doch noch was aus dem alten Traum, dass Bill Clinton bei diversen Gipfeltreffen das "Damenprogramm" mit Carla Bruni absolvieren kann...
Jérôme1F 22.08.2016
3. Erst mal sehen
Zitat von deltametro2Alles, aber nicht das nochmal. Und auch nicht Hollande und schon gar nicht Marine. Und dann dieser Schnösel Montebourg und der andere Schnösel Macron. So, was bleibt noch übrig? Meine persönliche Wahl: Christiane Taubira, die Beste. Leider will sie nicht kandidieren.
Erst mal sehen was die Vorwahlen bringen. Ich hoffe immer noch auf Alan Juppé.
go-west 22.08.2016
4. Taubira ist nett,
aber leider links, sogar sehr links. Damit ist sie ungeeignet. Die Menschen in Frankreich haben mit gewissen Problemen eine längere Erfahrung und verfügen daher diesbezüglich über einen größeren Durchblick. Klare Kante gegenüber importieren Problemen ist bei der Mehrzahl der Wähler gefragt. Daher wird das Rennen entweder ein rechter Sozialist der durchgreift (wie Manuel Valls) machen oder, was wesentlich wahrscheinlicher ist, ein Kandidat der Konservativen.
Europa! 22.08.2016
5. Sarkozy
Der größte Irrtum seiner Amtszeit war sein blindwütiger, pseudo-moralischer Aktionismus zur Beseitigung von Gaddafi. Damit hat er nicht nur Libyen, sondern auch Europa entsetzlich geschädigt. Ohne diesen katastrophalen Fehler wäre uns der ganze Irrsinn des "arabischen Frühlings", einschließlich des Syrienkriegs, wohl erspart geblieben. Seine neuen Parolen klingen energisch, aber am Ende erreicht er womöglich wieder das Gegenteil von dem, was er angeblich will.
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