Frankreichs Konservative umbenannt Republikaner klingt einfach besser

Neues Label, neuer Schwung? Frankreichs Ex-Präsident Sarkozy benennt die konservative Partei UMP um. Als Chef der "Republikaner" will er 2017 zurück an die Macht - und die peinliche Vergangenheit abschütteln.

Nicolas Sarkozy: Bruch mit der Vergangenheit
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Nicolas Sarkozy: Bruch mit der Vergangenheit

Von , Paris


Wenig Zeit? Am Textende gibt's eine Zusammenfassung.


Der Stammsitz von Frankreichs Konservativen, ein Bürobau aus Beton und Glas an der Rue Vaugirard, signalisiert zeitgemäße, elegante Effizienz. Genauso modern wie die Immobilie soll nun auch die Oppositionspartei selbst werden, die Formation mit dem sperrigen Namen "Union für eine Volksbewegung" (UMP) firmiert künftig unter einem prägnanteren Namen: Les Républicains - die Republikaner.

Die Umbenennung ist die Idee von Nicolas Sarkozy. Seit er Ende vergangenen Jahres die UMP-Führung übernommen hat, arbeitet der Ex-Staatschef am Umbau der konservativen Parteiorganisation zur schlagkräftigen Wahlkampfmaschine. Fest im Blick hat er dabei die erneute eigene Kandidatur für die Präsidentschaftswahl 2017. "Die Zeit der Abkürzungen ist vorbei", sagt Sarkozy, "wir müssen uns an alle Franzosen wenden, zur Belebung der Republik."

Parallel zum Label werden auch die Parteistatuten reformiert. Dezentraler und demokratischer will man werden. Statt wie bisher von Paris bestallt, sollen die Führer der regionalen Gliederungen künftig von den Mitgliedern direkt gewählt werden. Um die verschiedenen Fraktionen der Partei zu befrieden, wird die Basis auch bei der inhaltlichen Kursbestimmung beteiligt. Ziel der Generalüberholung: die Zahl der Anhänger von 143.000 auf eine halbe Million hochzuschrauben.

Abgenutztes Markenzeichen

Das neue Logo soll dabei die peinliche Vergangenheit der UMP vergessen machen - eine Partei, gebeutelt von Finanzskandalen, Steueraffären und personellen Querelen. Von einem "abgenutzten Markenzeichen" spricht Sarkozy. Der innerste Führungszirkel hat die Umbenennung bereits beschlossen, Anfang Mai wird sie vom Politbüro gebilligt. Beim UMP-Parteitag drei Wochen später soll dann die Basis den neuen Namen absegnen.

Widerstand ist nicht zu erwarten: Veränderungen von Namen und Kurs hat es in der Geschichte von Frankreichs Konservativen schon öfter gegeben.

  • Vor 50 Jahren hieß die Fusion aus gaullistischen Formationen noch UNR (Union für eine Neue Republik).
  • 1967 wurde sie umgetauft in UDR (Union für die Verteidigung der Republik).
  • Unter Jacques Chirac firmierte sie 1976 als Sammlungsbewegung für die Republik (RPR).
  • Diese Partei ging dann 2002, zusammen mit Liberalen Demokraten und Zentristen, im Bündnis UMP auf.

Jetzt soll die frische Kreation einen Werte- und Richtungswechsel signalisieren. Republik, das ist ein "beinahe heiliges Konzept", erläuterte Sarkozy seinen Mitstreitern in der Parteispitze. Und gestand zugleich, dass er sich als Präsident 2009 zu sehr auf den umstrittenen Begriff der "nationalen Identität" hatte festlegen lassen. "Ich hätte besser davon gesprochen, die Werte der Republik zu verteidigen", befand der Parteichef.

Andere Formulierungen hatte Sarkozy zuvor aussortiert: "Front" erinnere zu sehr an die Formationen der Linken oder Rechtsextremen (Front de Gauche, Front National), "Sammlungsbewegung" an die Organisation von FN-Chefin Marine Le Pen, wortspielerisch auch als "Bewegung in Marine-Blau" bekannt. Die Bezeichnung Republikaner hingegen verfängt: "Der Name steht für ein politisches Symbol, er umfasst am allermeisten", findet Sarkozy. "Die Republik bedeutet Arbeit, Verantwortung, Autorität, Verdienst, Anstrengung, Laizität, Fortschritt und natürlich Freiheit."

In der Breite des Begriffs liegt jedoch auch ein Nachteil. "Das kann alles oder nichts ausdrücken", sagt Alexandre Hurel, Spezialist für Markennamen. "Er erinnert sowohl an ein System politischer Organisation, an Werte, Menschen oder die Geschichte." Der Vorteil liege vor allem im Bruch mit der Vergangenheit, sagte der Fachmann der Tageszeitung "Le Figaro": "Der neue Name verspricht frischen Wind."

Der ist bitter nötig, damit sich der Ex-Präsident und die Konservativen gegenüber der Konkurrenz neu aufstellen können. Zugleich könnte die frische Bezeichnung für Solidarität in den zerstrittenen Rängen sorgen. Obendrein reklamiert man damit den Anspruch "auf das Monopol an einer großen Idee", so Experte Hurel von der PR-Agentur Creads. "Die symbolische Tragweite von 'Chef der Republikaner' ist eine andere als 'Boss der UMP'."

Man signalisiere nicht nur den Willen, politische Gräben und soziale Klüfte zu überwinden, der Name stehe auch für einen Aufbruch: "Mit dem Begriff 'Republikaner' holen die Konservativen weit aus, es entsteht auch die Figur eines neuen Chefs", sagt der Markenfachmann, der damit Sarkozys eigentliches Interesse an der Umbenennung formuliert: "Wenn man Chef der Republikaner ist, wird man zum Chef aller Franzosen."


Zusammengefasst: Frankreichs Ex-Präsident Sarkozy will seine konservative Partei UMP umbenennen. Der neue Name "Die Republikaner" soll moderner und offener wirken. Parteichef Sarkozy erhofft sich von der Umbenennung frischen Wind für seine erneute Präsidentschaftskandidatur 2017.

Zum Autor
Stefan Simons berichtet aus Paris für SPIEGEL ONLINE.

E-Mail: Stefan_Simons@spiegel.de

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insgesamt 15 Beiträge
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Seite 1
hei-nun 16.04.2015
1. Republikaner
Wenn man an die kruden Meinungen der US-Republikaner denkt, müsste man der UMP eigentlich abraten, sich auch so zu nennen. Aber vielleicht ja gerade deshalb ...
Malshandir 16.04.2015
2. Ob das nicht nach hinten losgeht
Die Idee der Republik ist stark in Frankreich verankert, aber die gewitzte Gegner werden die UMP dann mit den Republikanern der USA gleichsetzen, also Kriegstreibern, Ultrareligioesen usw.
radamriese 16.04.2015
3. für mich hat das Wort Republikaner einen BEigeschmack
ich denke da an die Amerikaner. Und an die Reps in der Usa. Und von den kommt nichts Gutes
cato. 16.04.2015
4.
Zitat von MalshandirDie Idee der Republik ist stark in Frankreich verankert, aber die gewitzte Gegner werden die UMP dann mit den Republikanern der USA gleichsetzen, also Kriegstreibern, Ultrareligioesen usw.
Da die gewitzten Gegner sich entweder Nationalisten oder Sozialisten nennen, wäre eine solche Gleichsetzung wohl eher ein Rohrkrepierer. Ansonsten gilt ein neuer Name ist der Offenbarungseid der Verzweifelten, nur die absoluten Verlierer haben soetwas nötig, in Deutschland denkt die FDP darüber nach und vorher sah sich die gescheiterte SED gleich mehrfach zum Etikettenwechsel gezwungen. Aber wer weiß vielleicht fallen die Wähler ja doch drauf rein.
zynik 16.04.2015
5. ;-)
Endlich mal unverbrauchte Gesichter, frische Ideen und ganz neue Konzepte. So funktioniert Demokratie. Bravo.
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