Wilders-Weggefährte Niederländischer Rechtspopulist konvertiert zum Islam

Lange bekämpfte Joram van Klaveren den Islam: Nun hat sich der ehemalige niederländische Abgeordnete offenbar selbst der Religion angeschlossen. Kritiker vermuten eine PR-Aktion.

Joram van Klaveren
AFP

Joram van Klaveren


Die niederländische Boulevardzeitung "Algemeen Dagblad" (AD) beschrieb Joram van Klaveren einst als "Hardliner, der für ein Verbot von Burkas und Minaretten eintrat". Er war ein Weggefährte des islamfeindlichen Politikers Geert Wilders. Nun ist van Klaveren selbst zum Islam konvertiert.

Der 40-Jährige vollzog diesen Schritt laut den Zeitungen "NRC" und "AD" bereits am 26. Oktober 2018. Zuvor hatte van Klaveren von 2010 bis 2014 für Wilders' Freiheitspartei PVV im niederländischen Parlament gesessen. Auch dort kämpfte er stets gegen den Islam.

Im Jahr 2014 verließ er die PVV, blieb aber bis 2017 noch als unabhängiger Abgeordneter Teil des Parlaments. Der Austritt erfolgte, nachdem Wilders seine Parteianhänger gefragt hatte, ob sie "weniger oder mehr Marokkaner in den Niederlanden" wollten. Van Klaveren gründete anschließend die ebenfalls politisch rechts stehende Partei VNL mit, sie blieb allerdings erfolglos.

"Eine ungewöhnliche Wahl"

Van Klaveren erklärt seinen eigenen Sinneswandel mit seiner Arbeit an einem Buch. Ursprünglich wollte er etwas schreiben, das sich gegen den Islam richtet. Aber währenddessen habe er seine Meinung geändert. Deshalb habe er eine "Zurückweisung der Kritikpunkte von Nichtmuslimen" verfasst, sagte er der Zeitung "NRC": "Wenn alles, was ich bisher geschrieben habe, stimmt, dann bin ich de facto ein Muslim."

Es besteht allerdings auch die Vermutung, dass van Klaverens Schritt eine PR-Maßnahme für das Buch sein könnte. So deutete es zumindest sein damaliger Parteimitgründer Jan Roos an. Wenn nicht, sei es "eine ungewöhnliche Wahl für jemanden, der stets viel über den Islam zu sagen hatte", sagte Roos dem "AD".

Der Rat Marokkanischer Moscheen in den Niederlanden lobte van Klaveren. Es sei großartig, wenn ein solcher Kritiker des Islam merke, dass dieser "nicht so schlecht oder pervers" sei, sagte Ratsmitglied Said Bouharrou. Es sei mutig, dass van Klaveren zu diesem öffentlichen Schritt bereit sei.

aev/AFP



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