Niederlande Rechtspopulist Wilders empört mit Ausländerhetze

Politiker und Bürger in den Niederlanden sind entsetzt: Der Rechtspopulist Geert Wilders hat auf einer Kundgebung Hass gegen marokkanische Zuwanderer geschürt. Jetzt muss Wilders mit Strafanzeigen rechnen.

Rechtspopulist Wilders am Wahlabend: "Zu weit gegangen"
DPA

Rechtspopulist Wilders am Wahlabend: "Zu weit gegangen"


Den Haag - Die Kommunalwahl in den Niederlanden endete mit einem Eklat. Bei einer Wahlparty am späten Mittwochabend in Den Haag rief der Rechtspopulist Geert Wilders seinen Anhängern zu: "Wollt ihr in dieser Stadt und in den Niederlanden mehr oder weniger Marokkaner?" Daraufhin riefen seine Anhänger mehrfach laut: "Weniger, weniger". "Das werden wir dann regeln", sagte Wilders unter lautem Applaus.

Führende Politiker und Bürger werfen Wilders Hetze und Rassismus vor. Marokkanische Organisationen und zahlreiche Bürger kündigten Strafanzeigen gegen den Politiker an. Wilders' Aussagen haben aus Sicht von Kritikern eine neue Qualität.

Auf den sozialen Netzwerken Twitter und Facebook äußerten Tausende Menschen Abscheu über die Äußerungen. Vielfach wurde eine Parallele mit Adolf Hitler gezogen. Der bekannte Journalist und Autor Jelle Brandt Corstius kommentierte auf Twitter: "Die ganze Situation erinnert mich an den Zweiten Weltkrieg." Das renommierte "NRC Handelsblad" schrieb: "Mit dem Mobilisieren eines Saales für 'weniger Marokkaner' schafft Wilders eine Atmosphäre von Deportation." Einige Tweets zitierten auch die Sportpalastrede des NS-Propagandaministers Joseph Goebbels, in der er 1943 zum "Totalen Krieg" aufgerufen hatte.

Bei der Kommunalwahl war die Wilders-Partei für die Freiheit (PVV) nur in Den Haag und Almere angetreten. In Den Haag blieb sie zweite Kraft hinter der linksliberalen, proeuropäischen D66. In Almere verbuchte sie wie schon 2010 einen Sieg.

Im nationalen Parlament ist Wilders Vorsitzender der viertstärksten Fraktion. Bei der Europawahl im Mai könnte die Wilders-Partei europäischen Umfragen zufolge mit 16,6 Prozent stärkste Kraft in den Niederlanden werden.

Ein Gericht in Amsterdam hatte den Politiker 2011 vom Vorwurf der Anstachelung zum Hass freigesprochen, da sich seine Kritik gegen den Islam und nicht eine spezifische Bevölkerungsgruppe gerichtet hatte.

kgp/dpa



© SPIEGEL ONLINE 2014
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.