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Niederlande: Rechtspopulist Wilders veröffentlicht koranfeindlichen Film

Aufregung in den Niederlanden: Der Rechtspopulist Geert Wilders hat seinen umstrittenen Film über den Koran veröffentlicht - trotz Protestdrohungen aus arabischen Staaten. In unvermittelt aneinandergereihten Bildsequenzen wird unter anderem ein "Stopp der Islamisierung" gefordert.

Den Haag - Der niederländische Rechtspopulist Geert Wilders hat seinen Koran-feindlichen Film "Fitna" ("Heimsuchung") ins Internet gestellt. Auf der Seite Liveleak erschien der umstrittene 15-minütige Film, in dem der Koran gebrandmarkt wird, in einer niederländischen und einer englischen Version.

Film "Fitna" des niederländischen Populisten Wilders: Szenen von Toten, Terroristen und Hasspredigern aneinandergereiht
www.liveleak.com

Film "Fitna" des niederländischen Populisten Wilders: Szenen von Toten, Terroristen und Hasspredigern aneinandergereiht

In dem Video werden Bilder von Anschlägen radikaler Islamisten und des ermordeten niederländischen Regisseurs Theo van Gogh neben Koranszenen gezeigt. Die Stimmen von Opfern der Anschläge am 11. September 2001 kurz vor ihrem Tod sind zu hören, ebenso radikale Prediger, die zur Enthauptung der Juden aufrufen. Ein Mädchen ist zu sehen, das Juden als Schweine und Affen bezeichnet - ebenso Leichen von Terroropfern und Enthauptungsszenen aus dem Irak.

Auch eine der umstrittenen Mohammed-Karikaturen, die einst in der dänischen Zeitung "Jyllands Posten" abgedruckt wurde, benutzt Wilders. Der Turban des Propheten ist auf der Zeichnung eine Bombe. Wilders zoomt auf die brennende Lunte, ein Countdown läuft von anfangs 15 Minuten herunter auf null Sekunden am Ende.

Kurz vor dem Schluss werden Wilders Botschaften eingeblendet: "Die Regierung besteht darauf, dass du den Islam achtest, aber der Islam hat keine Achtung vor dir." Die Religion wolle herrschen und die westliche Zivilisation zerstören. "1945 wurde der Nationalsozialsmus in Europa geschlagen. 1989 wurde der Kommunismus in Europa geschlagen. Jetzt muss die islamische Ideologie geschlagen werden." Der Film endet mit dem Aufruf: "Stoppt die Islamisierung, verteidigt unsere Freiheit."

Wilders hatte den Film schon Mitte November angekündigt. Mehrere muslimische Länder wie Pakistan, Indonesien, Ägypten und Afghanistan beschwerten sich im Vorfeld über die geplante Veröffentlichung, Ausschreitungen wie nach den dänischen Mohamnmed-Karikaturen werden befürchtet. Der 45-Jährige ignorierte die Warnungen niederländischer Sicherheitsbehörden und Politiker. Seine rechtspopulistische Protestpartei PVV fordert unter anderem einen Einwanderungsstopp für Muslime und ein Verbot des Koran, Umfragen zufolge könnte sie derzeit mit einer Verdopplung ihrer Sitze im Parlament rechnen.

Wilders steht derzeit unter Personenschutz, wird von Bodyguards jede Nacht in einer anderen Unterkunft einquartiert. Seine Frau trifft er alle ein, zwei Wochen. An der Veröffentlichung hielt er trotzdem fest, proklamierte vorab schon: "'Fitna' ist die letzte Warnung an den Westen. Ob wir die Freiheit an unsere Kinder weitergeben oder ob wir unsere Freiheit im multikulturellen Morast versinken lassen."

Die Aktion des Rechtspopulisten stürzte die niederländische politische Elite in ein Dilemma. Sie verachtet Wilders' Pauschalisierungen, mit denen er alle Muslime in die Nähe von Terroristen rückt, doch ein Verbot des Films gälte als Verstoß gegen das hohe Gut der freien Meinungsäußerung.

Seit mehr als vier Jahren fällt der Politiker durch Hasstiraden und respektlose Bemerkungen in den Niederlanden auf, die aufs parteipolitische Establishment, linke Intellektuelle, Eurokraten und vor allem Muslime im In- und Ausland zielen. Er gilt als einer der rhetorisch versiertesten Abgeordneten im niederländischen Parlamentsgewerbe, die Journalisten des Landes wählten ihn zum Politiker des Jahres 2007.

plö/gtv

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Geert Wilders: Hintergründe eines angekündigten Filmes


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