Osterterror in Nigeria Armee schlägt Islamistenangriff zurück - 15 Tote

Am Osterabend haben mehrere Kommandos der Islamistenmiliz Boko Haram eine Stadt im Norden Nigerias attackiert. Laut örtlichen Rettungskräften starben Menschen, die zu fliehen versuchten.

Boko-Haram-Attacke auf Vorort von Maiduguri (Archivbild)
AFP

Boko-Haram-Attacke auf Vorort von Maiduguri (Archivbild)


Zuletzt hatten -Boko Haram-Islamisten die Provinzhauptstadt Maiduguri im Nordosten Nigerias an Weihnachten ins Visier genommen. Eigentlich gab die Regierung an, aktuell mit den Terroristen zu verhandeln, doch jetzt schlugen sie an Ostern wieder zu. Bei einem groß angelegten Angriff der Extremisten sind am Sonntagabend in Vororten Maiduguris zahlreiche Menschen getötet und verletzt worden.

In mindestens zwei Ortschaften wurden mindestens 15 Tote und mehr als 60 Verletzte gezählt, teilten Rettungskräfte am Montag mit. Wie die Nachrichtenagentur AFP erfuhr, waren die Opfer Menschen, die vor den Gefechten fliehen wollten.

Einem ranghohen Armeeangehörigen zufolge griffen Selbstmordattentäter sowie mit Gewehren und Granaten bewaffnete Kämpfer eine Armeestellung am Stadtrand Maiduguris an. Zeitgleich hätten sieben Selbstmordattentäter die Bewohner der Dörfer Bale Shuwar und Alikaranti attackiert. Es blieb zunächst unklar, ob unter den Getöteten ausschließlich Zivilisten oder auch Kämpfer von Boko Haram oder Soldaten waren.

Der Angriff von Boko Haram auf die mit Wällen und Schutzgräben gesicherte Hauptstadt des Bundesstaats Borno, Heimstatt der Islamistengruppe, ist der erste hier seit Weihnachten. Ein Militärberater sagte, die Angreifer hätten vergeblich versucht, in die Stadt zu gelangen. Bewohner von Maiduguri hörten während des einstündigen Gefechts Schüsse und mindestens fünf Detonationen.

Ungeachtet der Beteuerungen von Behörden und Armee, Boko Haram sei so gut wie geschlagen, häufen sich im Nordosten Nigerias wieder groß angelegte Angriffe. In dem bald neun Jahre andauernden Konflikt sind mehr als 20.000 Menschen getötet und mehr als zwei Millionen Menschen vertrieben worden.

Die Rolle von Staat und Sicherheitskräften ist dabei umstritten: Angebliche Erfolgsmeldungen werden oft aufgebauscht, negative Nachrichten unterdrückt. Auch geht die Armee äußerst brutal gegen die skrupellosen Islamisten vor, Todesopfer gehen daher auch immer wieder auf das Konto nationaler Sicherheitskräfte, wie etwa Anfang 2017 bei einem verheerenden Luftangriff auf ein Vertriebenenlager nahe der Grenze zu Kamerun (Lesen Sie hier einen Augenzeugenbericht aus Rann. mehr...).

Zuletzt hatte die Entführung von mehr als 100 Schülerinnen aus einem Internat in der Ortschaft Dapchi für Schlagzeilen gesorgt. Erst zwei Tage nach dem Angriff räumten Sicherheitskräfte die Verschleppung der Mädchen ein. Dutzende von ihnen wurden allerdings nach eine Woche später von den Extremisten zurückgebracht. Ob Lösegeld für sie gezahlt wurde oder ob Gefangene ausgetauscht wurden, blieb unklar.

cht/Reuters/AFP

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