Selbstmordattentäterin in Nigeria Zahra wollte nicht ins Paradies

Ein Mann in Nigeria hat seine Tochter in ein Ausbildungslager von Boko Haram geschickt. Dort bildeten die Terroristen das Mädchen zur Selbstmordattentäterin aus. Doch Zahra wollte nicht sterben.

Teenager Zahra (M.): "Ich habe ihnen gesagt, dass ich das nicht kann"
AFP

Teenager Zahra (M.): "Ich habe ihnen gesagt, dass ich das nicht kann"


Kano - Zahra ist 13 Jahre alt und sollte sterben. Und dabei möglichst viele andere Menschen mit in den Tod reißen. Das verlangte die nigerianische Terrorgruppe Boko Haram von ihr. Sie schnallten ihr eine Sprengstoffweste um und schickten sie auf den Marktplatz in der Stadt Kano. Dort sollte sie die Bombe zünden.

Nun hat Zahra auf einer Pressekonferenz erzählt, wie es dazu kam. Und warum sie noch lebt.

Ihre Eltern hätten sie zu einem Ausbildungslager von Boko Haram geschickt, das in einem Wald in der Nähe von Kano gelegen habe, berichtete das Mädchen. Dort habe ein Milizionär sie gefragt, ob sie ins Paradies wolle. Als sie ja sagte, habe er ihr erklärt, dass sie Selbstmordattentäterin werden müsse.

"Als sie mir erzählten, dass ich eine Bombe zünden und sterben muss, um ins Paradies zu kommen, habe ich ihnen gesagt, dass ich das nicht kann", sagte Zahra auf der von Nigerias Polizei organisierten Pressekonferenz. Daraufhin sei sie von den Terroristen bedroht worden. "Sie sagten, dass sie mich erschießen oder lebendig begraben würden, wenn ich nicht tue, was sie befehlen", berichtete das Mädchen.

Zahra ließ ihre Bombe im Taxi liegen

Also zog sie die Sprengstoffweste über und ging auf den Markt. Sie war nicht allein. Außer Zahra hatte Boko Haram noch zwei weitere Mädchen in die Stadt geschickt. Sie zündeten ihre Sprengsätze und rissen vier Menschen in den Tod. Zahra wurde dabei verletzt. Ein Taxi brachte sie ins Krankenhaus, auf dem Sitz ließ sie ihre Bombe zurück. Der Fahrer benachrichtigte die Polizei, die Sicherheitskräfte nahmen den Teenager fest.

Seither befindet sich Zahra in Polizeigewahrsam. Die Behörden fahnden nach ihrem Vater. Er soll sich Boko Haram angeschlossen haben.

Insgesamt sind bei Anschlägen der islamistischen Terrormiliz in Nigeria in diesem Jahr etwa 2000 Menschen getötet worden. Die Extremisten haben zudem Hunderttausende in die Flucht getrieben. Noch immer haben sie mehr als 200 Schülerinnen in ihrer Gewalt, die sie im April aus einer Schule in der Stadt Chibok entführt hatten.

syd/AP

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insgesamt 22 Beiträge
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Seite 1
hmutt 25.12.2014
1. Mut
So seltsam es für manche klingen mag, es erfordert viel Mut, sich der Indoktrination und der Gehirnwäsche dieser Religionsfaschisten zu entziehen und sich ihren Absichten zu widersetzen.
danielc. 25.12.2014
2. Das ist mutig
Alleine die Tatsache, dass sie ihrem Sprengsatz nicht gezündet hat, zeigt gewaltigen Mut. Sie sollte als Zeichen für andere entsprechend geschützt und gefördert werden. Anderen mit Gewalt den eigenen Glauben aufzwingen zu wollen ist ja schon verrückt. Aber dazu Kinder aus den eigenen Reihen zu opfern, zeigt, dass da mehr als eine Schraube heruntergefallen ist, von locker wage ich gar nicht mehr zu sprechen. Es zeigt, dass diese Menschen nicht an den gütigen Gott, sondern an den Gegenspieler glauben.
cashflow99 25.12.2014
3.
Schreckliche Situation für das Mädchen,von der Familie quasi in den Tod geschickt.
joG 25.12.2014
4. Auch im Christentum hatte man Gläubige....
...die sich weigerten Märtyrer zu werden und lieber überlebten. Ähnliches findet man auch in jeder Armee. Ich glaube nicht, dass wir das unbesehen verherrlichen sollten, weil das uns selbst später als Pharisäer bloßstellen muss. Wir sollten vielmehr dazu stehen, dass das unser Feind ist und die Menschen nicht schützt, die in seiner Obhut sind; nicht mehr und nicht weniger
KingTut 25.12.2014
5. Keine Relativierung bitte
Zitat von joG...die sich weigerten Märtyrer zu werden und lieber überlebten. Ähnliches findet man auch in jeder Armee. Ich glaube nicht, dass wir das unbesehen verherrlichen sollten, weil das uns selbst später als Pharisäer bloßstellen muss. Wir sollten vielmehr dazu stehen, dass das unser Feind ist und die Menschen nicht schützt, die in seiner Obhut sind; nicht mehr und nicht weniger
Es gibt keinen logischen Grund, das Christentum jedes Mal in Mithaftung zu nehmen, wenn über religiös-fundamentalistische Verbrechen berichtet wird. Mir ist nicht bekannt, dass christliche Terroristen Frauen und Kind in Bussen oder auf Marktplätzen in die Luft gesprengt haben. Der im Artikel beschriebene Fall lässt hoffen und er zeigt überdies, dass es noch Menschen gibt, die ihr Gehirn benutzen und den Schwindel vom Paradies als Belohnung für Massaker an Unschuldigen durchschaut haben. Hoffentlich breitet sich diese Erkenntnis immer mehr aus, so wie auch in Pakistan nach dem Anschlag auf eine Schule die Hassprediger immer mehr unter Druck geraten.
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