Boko-Haram-Terror in Nigeria Krieg gegen Kinder

47 tote Schüler, 79 verletzt: Die islamistische Terrorgruppe Boko Haram hat erneut bewiesen, dass sie auch vor Kindern nicht haltmacht. Ihr Anführer sagt: "Wir haben hier ein Kalifat errichtet."

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Abuja - "Westliche Bildung ist Sünde" - das bedeutet der Name Boko Haram auf Deutsch. Die militanten Islamisten gehen in Nigeria rücksichtslos gegen Schulen vor, die etwas anderes lehren als den Koran und das islamische Recht.

Am Montag sprengte sich ein Selbstmordattentäter in der Stadt Potiskum in einer Jungenschule in die Luft. Die Jugendlichen hatten sich gerade zum morgendlichen Appell des Schulleiters versammelt, als der Täter den Sprengsatz zündete. Bei dem Anschlag wurden mindestens 47 Schüler getötet und 79 weitere Kinder und Jugendliche verletzt. Die Opfer waren im Teenager-Alter.

Mit dem Attentat ist die Hoffnung auf einen Waffenstillstand zwischen Nigerias Regierung und Boko Haram endgültig beendet. Mitte Oktober hatte die Armee voreilig eine Einigung mit den Terroristen verkündet, auch die mehr als 200 seit April verschleppten Schülerinnen sollten bald freikommen. Nichts dergleichen ist passiert. Stattdessen ist die Gewalt in weiten Teilen des Krisenlandes in den vergangenen Wochen noch einmal eskaliert.

Am Sonntag veröffentlichten die Extremisten ein Video, in dem sie ihren Machtanspruch untermauerten. "Wir haben hier ein Kalifat errichtet", verkündete Boko-Haram-Anführer Abubakar Shekau in dem dreiviertelstündigen Video. Eine Waffenruhe mit der Staatsführung wies der Islamistenführer kategorisch zurück. Schwerbewaffnete Kämpfer jubeln Shekau in dem Video zu.

Boko Haram kennt keine Skrupel

Doch die Islamisten bekämpfen gar nicht in erster Linie die Armee, sondern terrorisieren die Zivilbevölkerung. Oft attackieren sie wehrlose Gruppen, etwa Schüler, die an Einrichtungen mit westlichen Lehrplänen lernen. Im Namen des Islam führt Boko Haram Krieg gegen Kinder.

Im Februar waren bewaffnete Angreifer im Bundesstaat Yobe in den Schlafsaal eines Internats eingedrungen. Sie töteten mindestens 40 Schüler. Im Juli 2013 starben bei einem ähnlichen Überfall 42 Jugendliche.

Die Regierung in Abuja reagiert hilflos auf diese Gräueltaten. Als erste Reaktion wurden am Montag alle Schulen in Potiskum bis auf Weiteres geschlossen. Die Menschen in Nordnigeria sind inzwischen zermürbt. Sie sind enttäuscht, dass die Armee die Lage nicht in den Griff bekommt. Als Soldaten am Montag zu der überfallenen Schule in Potiskum eilten, wurden sie von einer aufgebrachten Menge mit Steinen beworfen. Wütende Eltern hielten den Behörden Versagen vor, weil die Schule nicht eingezäunt war. Schon vor drei Monaten sei auf dem Schulgelände eine Bombe erst in letzter Minute entdeckt und entschärft worden.

Doch gegen Täter, die keine Skrupel haben, sich inmitten von Kinderscharen in die Luft zu sprengen, gibt es kaum ein Mittel.

Seit 2009 hat Boko Haram bei ihrem Kampf für ein religiöses Regime in Nigeria mehr als 10.000 Menschen getötet - Polizisten, Soldaten, Kirchgänger. Und Hunderte Schüler.

Mit Material von AP

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