Millionenstadt in Nigeria Boko Haram greift erneut Maiduguri an

Maiduguri ist die größte Stadt im Norden Nigerias - und möglicherweise schon bald unter Kontrolle von Boko Haram. Die Terrormiliz hat kurz vor der Präsidentenwahl einen neuen Großangriff gestartet.

Boko-Haram-Panzer in Maiduguri (Archivbild): "Die ganze Stadt hat Angst"
DPA

Boko-Haram-Panzer in Maiduguri (Archivbild): "Die ganze Stadt hat Angst"


Maiduguri - Die islamistische Terrormiliz Boko Haram hat einen neuen Angriff auf die Millionenstadt Maiduguri im Nordosten Nigerias gestartet. Augenzeugen berichten, dass die Dschihadisten in der Nacht in die Hauptstadt des Bundesstaates Borno eingedrungen seien. Sie lieferten sich heftige Gefechte mit der Armee, die von bewaffneten Bürgern unterstützt werde.

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"Die ganze Stadt hat Angst", sagte der Bewohner Adam Krenuwa. "Die Leute haben Angst davor, was passiert, wenn Boko Haram die Sicherheitskräfte besiegt." Idris Abubakar, der am westlichen Stadtrand lebt, sagte: "Es gibt heftige Schießereien. Alle haben Panik, und jeder versucht zu fliehen." Ein Krankenhausmitarbeiter zählte bereits mindestens acht Todesopfer.

Vor einer Woche hatte die nigerianische Armee eine Offensive der Extremisten auf Maiduguri abwehren können. Die Streitkräfte setzten damals neben Bodentruppen auch die Luftwaffe ein. In Maiduguri wurde Boko Haram vor etwa fünf Jahren gegründet. Die Stadt soll Sitz eines islamischen Staates werden, den die Dschihadistengruppe mit Gewalt errichten will.

Ein Sprecher der nigerianischen Armee bestätigte die Offensive der Islamisten. Truppen seien mobilisiert worden, um den Angriff abzuwehren. Boko Haram attackiere die Stadt über alle vier Einfallstraßen. Der Fluchtweg über die Luft ist versperrt, weil der internationale Flughafen von Maiduguri wegen des Bürgerkriegs seit Dezember 2013 geschlossen ist.

Erst am Samstag hatten sich die Staatschefs bei einem Treffen der Afrikanischen Union auf die Bildung einer 7500 Mann starken Truppe geeinigt, die in Nigeria und vier Nachbarstaaten gegen Boko Haram vorgehen soll.

In den vergangenen Monaten hat die Miliz stark an Boden gewonnen. Nach Angaben von Amnesty International kontrollieren die Fanatiker im Norden Nigerias inzwischen 130 Städte und Dörfer. Bei ihren Angriffen und Anschlägen sollen allein 2014 10.000 Menschen ums Leben gekommen sein. In den vier Jahren zuvor hatte es insgesamt 2000 Tote gegeben.

Boko Haram verstärkt seinen Vormarsch vor den Präsidentenwahlen am 14. Februar. Dann will sich der amtierende Staatschef Goodluck Jonathan wiederwählen lassen. Die Islamisten bedrohen jeden Wähler und Wahlhelfer mit dem Tod. Mehrere Millionen Nigerianer im Norden des Landes werden deshalb nicht abstimmen können.

syd/AP/Reuters/AFP

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