Nigeria Boko Haram lässt Dutzende entführte Mädchen frei

Die Terrorgruppe Boko Haram hat Dutzende Schülerinnen aus der Gefangenschaft entlassen. Die Mädchen wurden vor drei Jahren verschleppt. Mindestens hundert von ihnen werden weiter festgehalten.

DPA

Nach mehr als drei Jahren in der Gewalt islamistischer Boko-Haram-Extremisten sind 82 Schülerinnen aus dem nigerianischen Chibok freigelassen worden. Das Büro von Präsident Muhammadu Buhari bestätigte ihre Freilassung in der Nacht zum Sonntag.

In der offiziellen Mitteilung hieß es: "Nach langwierigen Verhandlungen haben unsere Sicherheitsdienste diese Mädchen zurückgeholt, im Austausch für einige von den Behörden festgehaltene Boko-Haram-Verdächtige." Die freigelassenen Mädchen sollen demnach an diesem Sonntag in der Hauptstadt Abuja von Buhari empfangen werden.

Zuletzt befanden sich noch 195 Mädchen in der Gewalt der Islamisten. Angehörige sagten, sie warteten ungeduldig auf eine Liste von Namen. Ihre Hoffnungen und Erwartungen seien hoch.

"Niemand kann sich vorstellen, wie heftig mein Herz gerade pocht", schrieb die führende BBOG-Aktivistin Oby Ezekwesili auf Twitter, nachdem am Freitag erste Berichte zur Freilassung der Schülerinnen aufgetaucht waren. "Ich bete von ganzem Herzen, dass die Neuigkeiten zur Freilassung von 80 unserer Chibok-Mädchen wahr sind."

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Boko Haram: Drei Jahre in Geiselhaft

Die Schülerinnen gehören zu insgesamt 276 Mädchen, die im April 2014 aus einem Internat in der Stadt Chibok von der Islamistengruppe Boko Haram verschleppt worden waren. 57 der Mädchen gelang wenige Stunden später die Flucht, zwei Mädchen gelangten im Mai 2016 in Freiheit. Ende 2016 schaffte es ein weiteres Mädchen zu fliehen. Bereits im Oktober vergangenen Jahres ließ Boko Haram nach Verhandlungen mit der nigerianischen Regierung 21 Mädchen frei.

Die Entführten sollen von Boko Haram zum Übertritt zum Islam genötigt und teils als Sexsklavinnen gehalten worden sein. Experten halten es auch für möglich, dass einige von ihnen zu Selbstmordanschlägen gezwungen wurden.

Im Oktober 2016 freigelassene Mädchen
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Im Oktober 2016 freigelassene Mädchen

Die Massenentführung von Chibok vor drei Jahren hatte international Entsetzen und eine Welle der Solidarität mit den Mädchen ausgelöst, im Kurzbotschaftendienst Twitter verbreitete sich der Hashtag #Bringbackourgirls. In Nigeria warfen viele Menschen der damaligen Regierung Untätigkeit im Kampf gegen Boko Haram vor.

Im Mai 2015 gewann Muhammadu Buhari, der im Wahlkampf die Befreiung der Mädchen versprach, die Präsidentschaftswahl und verstärkte den Kampf gegen Boko Haram.

Nach der Freilassung der Mädchen bedankte sich Buhari für die Unterstützung der Schweizer Regierung, des Internationalen Komitees vom Roten Kreuz sowie nationaler und internationaler Nichtregierungsorganisationen. Neben Sicherheitskräften und dem Militär hätten auch sie zum Erfolg der Operation beigetragen.

Truppen der nigerianischen Regierung haben mithilfe von Nachbarstaaten große Teile der einst von Boko Haram kontrollierten Gebiete zurückerobert. Die Miliz kämpft seit mehr als sieben Jahren für einen islamistischen Staat im Norden des Landes. Mindestens 20.000 Menschen wurden in dem Konflikt bisher getötet, 2,6 Millionen Menschen wurden durch die Gewalt in die Flucht getrieben.

sun/dpa/Reuters

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