Nigeria Mädchen sprengt sich in die Luft - mehrere Tote

Die Terrorgruppe Boko Haram hat augenscheinlich ein Kind als Selbstmordattentäter eingesetzt. Das Mädchen sprengte sich auf einem Markt in Nigeria in die Luft und tötete dabei fünf weitere Menschen.


Abuja - Im Nordosten Nigerias hat sich ein Mädchen in die Luft gesprengt und fünf Menschen mit in den Tod gerissen. Zudem seien bei dem Anschlag am Sonntag in Potiskum Dutzende Menschen verletzt worden, sagten Augenzeugen. Zu der Tat bekannte sich zunächst niemand. In der Vergangenheit hatte die islamistische Bewegung Boko Haram mehrfach Mädchen als Selbstmordattentäterinnen missbraucht.

Das Mädchen, das vermutlich nicht älter als acht Jahre alt gewesen sei, habe sich geweigert, sich am Eingang eines Marktes überprüfen zu lassen, berichteten die Zeugen. Nach einem Streit mit dem Sicherheitspersonal habe es seinen am Körper befestigten Sprengsatz gezündet. Die Region von Potiskum ist Hochburg der Boko Haram, die seit 2009 für einen streng islamischen Staat nach den Grundsätzen der Scharia kämpft. Bereits im Januar hatten sich zwei Selbstmordattentäter auf dem Markt in die Luft gesprengt und dabei sechs Menschen getötet.

Die radikalislamische Extremistengruppe Boko Haram verübt regelmäßig Selbstmordattentate auf Märkte und andere belebte Orte. Sie setzt dabei auch immer wieder Frauen und Mädchen ein. Es bleibt dabei vielfach offen, ob die Mädchen wissen, dass sie als Selbstmordattentäterinnen eingesetzt werden sollen.

Armee meldet Erfolg

Die sektenartige Extremistengruppe kämpft seit 2009 mit Gewalt für einen islamischen Staat im mehrheitlich muslimischen Norden Nigerias. Bei Angriffen auf Sicherheitskräfte, Behörden, Schulen und Kirchen wurden seitdem mehr als 13.000 Menschen getötet.

Die nigerianische Armee hatte am Samstag die Rückeroberung der Stadt Baga von Boko Haram gemeldet. Bei heftigen Gefechten um die Stadt am Tschad-See im Nordosten Nigerias sei "eine große Zahl von Terroristen" getötet worden, sagte der Militärsprecher Chris Olukolade. Bei einem Angriff im benachbarten Niger töteten Boko-Haram-Kämpfer sieben Soldaten, doch erlitten sie auch selbst schwere Verluste.

Frankreichs Außenminister Laurent Fabius sagte während eines Besuchs in der nigrischen Hauptstadt Niamey, Nigeria müsse sich "umfassend" im Kampf gegen Boko Haram engagieren. Auch wenn die Metropole Lagos oder die Hauptstadt Abuja sehr weit vom unruhigen Nordosten des Landes entfernt seien, sei dies notwendig. Nigerias Präsident Goodluck Jonathan räumte am Sonntag ein, Nigeria habe Boko Haram anfangs unterschätzt.

Fabius hatte am Samstag in Tschads Hauptstadt N'Djamena eine Kommandostelle nigrischer, tschadischer, kamerunischer und französischer Streitkräfte besucht, die gemeinsam gegen Boko Haram vorgehen; Vertreter der nigerianischen Armee fehlten jedoch. Die Extremistengruppe hatte in den vergangenen Monaten ihre Angriffe vom Nordosten Nigerias auf die Nachbarländer Kamerun, den Tschad und den Niger ausgedehnt.

Diese entschlossen sich daraufhin zum Eingreifen und entsandten Truppen in ihre Grenzgebiete zu Nigeria. Anfang Februar beschlossen die vier Länder und Benin zudem, eine Eingreiftruppe von 8700 Soldaten gegen die Rebellen aufzustellen.

cis/AFP/dpa

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