Nigeria Doppelanschlag auf Flüchtlingscamp

Zwei Frauen zünden ihre Sprengsätze in einem nigerianischen Flüchtlingscamp und reißen Dutzende Menschen mit in den Tod. Die dritte macht einen Rückzieher, weil sich auch ihre Familie in dem Camp befindet.

Flucht vor Boko Haram (Archiv): Terrorgruppe bombt auch in Flüchtlingscamps
AFP

Flucht vor Boko Haram (Archiv): Terrorgruppe bombt auch in Flüchtlingscamps


Bei einem Selbstmordanschlag in einem Flüchtlingscamp in Nigeria sind Dutzende Menschen getötet worden. Der Doppelanschlag wurde am Dienstag im Lager Dikwa verübt, in dem Menschen vor der Terrorgruppe Boko Haram Zuflucht suchen, wie Rettungskräfte im nordöstlichen Bundesstaat Borno am Mittwoch mitteilten.

Über die Anzahl der Toten gibt es bisher keine einheitlichen Angaben. Die Nachrichtenagentur AFP meldet, dass sich zwei Frauen in die Luft gesprengt und mindestens 58 Menschen mit in den Tod gerissen hätten. Fast 80 Menschen seien demnach verletzt worden. Die Agentur Reuters meldet mehr als 60, die Agentur AP 56 Tote.

Der Chef der Rettungskräfte in Borno, Satomi Ahmed, sagte, ersten Erkenntnissen zufolge seien drei als Flüchtlinge verkleidete Attentäterinnen in dem Lager angekommen. Zwei hätten ihre Sprengsätze gezündet, die dritte habe aber einen Rückzieher gemacht, als sie erfahren habe, dass sich auch ihre Eltern und Geschwister in dem Camp aufhielten. Die Frau habe die Soldaten in dem Lager zudem vor weiteren Anschlägen in der Region gewarnt.

Video: Doppelanschlag auf ein Flüchtlingscamp

Das Camp Dikwa befindet sich etwa 90 Kilometer westlich von Maiduguri, der Hauptstadt von Borno. Der Doppelanschlag war möglicherweise eine Racheaktion für Armeeangriffe in der vergangenen Woche auf drei Dörfer in der Nähe der Stadt Kalabalge in Borno, die als Hochburgen von Boko Haram gelten. Dabei waren dutzende militante Kämpfer getötet.

Derzeit hält sich Bundespräsident Joachim Gauck in Nigeria auf. Am Nachmittag besuchte er ein Flüchtlingslager in Abuja.

Auch in Kamerun Selbstmordanschläge

Auch in den Nachbarländern wütet die Islamistengruppe: Im Norden Kameruns rissen zwei Selbstmordattentäterinnen sechs Menschen mit in den Tod. Mehr als 30 weitere seien bei dem Doppelanschlag in dem Ort Nguetchewe nahe der Grenze zu Nigeria verletzt worden, erklärten die Sicherheitskräfte. Die beiden Frauen sprengten sich demnach während einer Trauerfeier in die Luft. Unter den Opfern waren den Angaben zufolge mehrere Kinder.

In dem Grenzgebiet verübt Boko Haram immer wieder Anschläge. Es ist das fünfte Attentat seit Beginn des Jahres. Seitdem die Islamisten die Angriffe auf das Nachbarland ausweiteten, wurden nach Angaben der kamerunischen Regierung im äußersten Norden des Landes 1200 Menschen getötet.

kry/AFP/Reuters/AP

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insgesamt 2 Beiträge
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Leto13 10.02.2016
1. hm
Je suis Dikwa irgendjemand? Je suis Nigeria?
Dirk-16 11.02.2016
2.
Zitat von Leto13Je suis Dikwa irgendjemand? Je suis Nigeria?
Je suis fatigué...aber Du hast ja so Recht. Über Boko Haram und die entführten Mädchen spricht auch keiner mehr, die sind auch so ein Sauhaufen. Eher noch schlimmer. Wobei diese Selbstmordattentate meist Verzweiflungstaten sind. Sie zeigen uns, wie verdammt schlecht es dort läuft. Es ist leider nicht so schwarz-weiss-einfach zusagen "die sind böse"...die sind böse gemacht worden. Die Wahrheit liegt viel tiefer, die Spur führt irgendwann auch zu den Industrienationen zurück.
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