Nigeria: Arbeitgeber bestätigt Tod von entführtem Deutschen

Ein in Nigeria verschleppter deutscher Beschäftigter des Baukonzerns Bilfinger Berger ist tot, wie der Konzern nun bestätigte. Der Mann war im Januar von einer Baustelle entführt worden. Er hatte bereits jahrelang in dem Land gearbeitet.

Kano - "Mit großem Bedauern und tiefer Bestürzung" habe er vom Tod seines Mitarbeiters erfahren, sagte der Vorstandsvorsitzende des Mannheimer Bau- und Dienstleistungskonzerns Bilfinger Berger, Roland Koch, am Samstag. "In dieser schweren Stunde gilt unsere Anteilnahme den Angehörigen und Freunden."

Der Mann wurde im Januar in der Stadt Kano von einer Baustelle entführt. Er sei "ein erfahrener Mitarbeiter und Kenner des Landes" gewesen, sagte Koch. Seit zehn Jahren sei er an das nigerianische Bauunternehmen Dantata & Sawoe ausgeliehen und in dieser Zeit als Straßenbaupolier auf zahlreichen Baustellen in Nigeria im Einsatz gewesen.

Bereits am Donnerstag hatten bereits die Behörden in Nigeria vom Tod des Mannes berichtet. Eine Sprecherin des Auswärtigen Amtes erklärte am Samstag, die Identifizierung der aufgefundenen Leiche sei noch nicht endgültig abgeschlossen, man müsse jedoch "mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit" davon ausgehen, dass es sich bei einer von nigerianischen Sicherheitskräften geborgenen Leiche um die Überreste des Deutschen handele. Der Sprecherin zufolge wurde der Mann bei einem Einsatz zur Festnahme mutmaßlicher Terroristen tot aufgefunden.

Verschleppungen gehören zur traurigen Routine

Bei den Tätern soll es sich um Mitglieder der Terrororganisation al-Qaida im islamischen Maghreb handeln. Der islamisch geprägte Norden Nigerias ist eine Hochburg von Radikalislamisten.

Der Krisenstab im Auswärtigen Amt sorgte sich vor allem nach dem Erscheinen eines Drohvideos eines al-Qaida-Ablegers im März um den Mann. Auf dem Videoband war der entführte Deutsche mit seinen Peinigern zu sehen. Er machte einen sehr schlechten Eindruck. Spätestens jetzt war im Krisenstab klar, dass sich die Entführung nicht wie bei anderen Fällen in Nigeria leicht lösen lässt.

Verschleppungen von Ausländern gehören in dem Krisenland durchaus zur traurigen Routine der internationalen Diplomaten, meist aber ließen sich die Kidnappings nach einigen Tagen ohne Gewalt beenden. Im Fall des Deutschen allerdings gab das Video viele Rätsel auf. So forderten die Entführer im Namen von al-Qaida, dass die Bundesregierung die Ehefrau eines in Deutschland zu einer hohen Haftstrafe verurteilten Terroristen aus der Haft entlassen solle. Es handelte sich um Filiz Gelowicz, Ehefrau von Fritz Gelowicz, der wegen seiner Beteiligung an den Terrorplanungen in der sogenannten Sauerlandgruppe verurteilt wurde. Sie saß zu diesem Zeitpunkt wegen ihrer Unterstützung der Gruppe eine zweieinhalbjährige Haftstrafe in Deutschland ab. Ihr Fall war zuvor mehrmals in Propaganda-Videos von al-Qaida thematisiert worden, da sie angeblich unmenschlichen Haftbedingungen ausgesetzt sei. Sie selber hatte diese Vorwürfe kurz darauf öffentlich dementiert.

Unabhängig von dem Video wurde Filiz Gelowicz wenig später regulär entlassen, da sie bereits einen Großteil der Strafe abgesessen hatte. In Nigeria wurden in Zeitungen Anzeigen geschaltet, die die Freilassung vermeldeten und die Entführer aufforderten, nun auch den deutschen Ingenieur aus der Geiselhaft zu entlassen.

cis/dpa/dapd

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