Blutige Anschläge Viertelmillion Menschen in Nigeria auf der Flucht vor Gewalt

Angst vor Gewalt vertreibt laut Uno-Angaben Hundertausende Menschen in Nordnigeria aus ihren Häusern. Die Islamisten von Boko Haram führen dort einen blutigen Feldzug und haben Hunderte Mädchen entführt. Doch auch gegen die Regierung werden schwere Vorwürfe erhoben.


Genf/Abuja - Der blutige Konflikt im Norden Nigerias fordert immer neue Opfer. Mutmaßliche Mitglieder der islamistischen Extremistengruppe Boko Haram haben laut einem Zeitungsbericht eine Brücke gesprengt und mindestens 30 Menschen getötet. Der Anschlag ereignete sich in dem Dorf Gamboru Ngala an der Grenze zu Kamerun, wie die Zeitung "Punch" berichtet. Dort hatte Boko Haram erst vor wenigen Tagen mehr als 300 Menschen ermordet und elf Mädchen entführt.

Nach Angaben des Uno-Flüchtlingshilfwerks (UNHCR) sind in den drei nordnigerianischen Bundesstaaten 250.000 Menschen auf der Flucht vor Gewalt. Rund 61.000 weitere hätten sich in die Nachbarländer Kamerun, Tschad und Niger begeben, teilte die Uno unter Berufung auf nigerianische Behördenangaben mit. Die Binnenflüchtlinge und die Vertriebenen berichteten demnach von extremer Gewalt und Brutalität.

Fotostrecke

8  Bilder
Protest in Nigeria: "Bringt unsere Mädchen zurück"
Schon seit einem Jahr gilt in den drei muslimisch geprägten Bundesstaaten der Ausnahmezustand. Unter anderem kämpft dort die Boko Haram für einen Gottesstaat auf Grundlage der Scharia. Die Armee des Landes hatte im vergangenen Mai eine Offensive gegen die Gruppe in den Bundesstaaten Yobe, Borno und Adamawa gestartet. Unter Kontrolle haben die Truppen die Region aber nicht gebracht.

Der Uno-Sicherheitsrat verurteilte am Freitag das blutige Vorgehen der Boko Haram als Gefahr für die Stabilität in West- und Zentralafrika. Besonderes Aufsehen hatte vor einigen Wochen die Entführung von mehr als 300 Schülerinnen in Chibok im Staat Borno erregt. 53 von ihnen konnten mittlerweile entkommen, doch 276 sollen sich immer noch in Gefangenschaft der Extremisten befinden. In einem Bekennervideo hieß es, sie sollten als Sklavinnen verkauft werden.

Karte: Nigeria
"Barack und ich sehen in ihnen unsere eigenen Töchter"

Die Menschenrechtsorganisation Amnesty International erhebt in diesem Fall schwere Vorwürfe gegen das nigerianische Militär. Die Sicherheitskräfte seien bereits Stunden vor dem Überfall auf die Schule vor der bevorstehenden Attacke gewarnt worden und hätten die Entführung der Mädchen womöglich verhindern können.

Die Experten von Amnesty berufen sich auf Informationen aus mehreren Interviews mit Militärs, die unabhängig geprüft worden seien. Demnach hätten beispielsweise Zivilpatrouillen im Nachbarort Gagilam Alarm geschlagen, als eine große Gruppe bewaffneter Männer auf Motorrädern durch ihr Dorf kam und angab, sie wären unterwegs nach Chibok. Trotzdem habe niemand der Polizei in Chibok und den dort stationierten 17 Soldaten Verstärkung geschickt, teilte die Menschenrechtsorganisation mit.

US-Präsidentengattin Michelle Obama zeigt sich derweil schockiert über die Entführung der Schülerinnen. "Barack und ich sehen in diesen Mädchen unsere eigenen Töchter", sagte die Frau von Barack Obama in einer Botschaft zum Muttertag. Dazu nutzte sie die wöchentliche Rundfunkansprache, die ansonsten stets ihr Mann hält. "Wir sehen ihre Hoffnungen, ihre Träume - und wir können uns die Qualen vorstellen, die ihre Eltern jetzt durchmachen", sagte die Präsidentengattin, die zuvor schon auf Twitter gegen die Entführungen protestiert hatte.

Das Verbrechen hätten Terroristen begangen, die den Mädchen Schulbildung verweigern wollten, sagte Obama. Viele Eltern in Nigeria zögerten, ihre Kinder zur Schule zu schicken, weil sie Angst hätten, dass ihnen etwas zustoße. Was in Nigeria geschehe, sei aber kein Einzelfall. Weltweit gingen 65 Millionen Mädchen nicht in die Schule, sagte die First Lady. Ihr Ehemann habe der Regierung in Nigeria jede Hilfe angeboten, um die Mädchen zu finden und nach Hause zu bringen.

stk/dpa

Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 82 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
demophon 10.05.2014
1. Religionsbesessen
Warum sind es immer wieder religionsbesessene Verbrecher, die die schlimmsten Gräueltaten an der Bevölkerung verüben? In Uganda ist es die christliche Lord's Resistance Army, sonst überwiegend islamische Gruppen. Schafft die Religionen ab!
forumgehts? 10.05.2014
2. Das
Zitat von demophonWarum sind es immer wieder religionsbesessene Verbrecher, die die schlimmsten Gräueltaten an der Bevölkerung verüben? In Uganda ist es die christliche Lord's Resistance Army, sonst überwiegend islamische Gruppen. Schafft die Religionen ab!
hat wie in den meisten Fällen mit Religion nichtd zu tun. Hier dürfte es sich um Weide-, Ackerland, Ziegen, Rinder oä. handeln. Religion ist nur die Verzierung für die Öffentlichkeitsarbeit
nenntmichismael 10.05.2014
3. Re: religionsbesessen?
Aha. Und welcher Religion gehörten die Roten Khmer an? Welcher Religion gehörten Hitler und Stalin und ihre Schergen an?
jizzyb 10.05.2014
4. Bei Mädchen schreit man auf ...
Zitat von sysopAFPAngst vor Gewalt vertreibt laut Uno-Angaben Hundertausende Menschen in Nordnigeria aus ihren Häusern. Die Islamisten von Boko Haram führen dort einen blutigen Feldzug und haben Hunderte Mädchen entführt. Doch auch gegen die Regierung werden schwere Vorwürfe erhoben. http://www.spiegel.de/politik/ausland/nigeria-hundertausende-auf-der-flucht-vor-gewalt-der-boko-haram-a-968632.html
Ich will die Entführung und Versklavung der Mädchen nicht gutheißen oder ähnliches und finde die Aktion #bringbackourgirls durchaus gut. Aber warum wird immer nur aufgeschrien, wenn Frauen und Mädchen etwas passiert? Haben diese eine höhere Daseins- und Lebensberechtigung? Kurz zuvor töteten Mitglieder von Boko Haram 59 Jungen in einer Schule - wo war da der Aufschrei der Medien und der Gesellschaft? Nur eine Randnotiz war dieses Massaker wert! Diese Kinder haben MEHR verloren, als ihre Freiheit, genau wie die 300 niedergemetzelten Dorfbewohner. Trotzdem wird den entführten Mädchen mehr Platz eingeräumt, als allen anderen Opfern dieser Terrorgruppe zusammen. Erst jetzt - nach der Entführung der Mädchen - wird man aktiv. Müssen erst Frauen und Mädchen leiden, damit etwas passiert? Reicht nicht das Leiden ALLER aus?
sportimtv-fan 10.05.2014
5. Genau!
Die Religionen sind das zweitgrößte Übel (nach der Umweltzerstörung) unseres Planeten. Nichts als Tod, Kriege und Terror rufen die Religionen hervor, seit sie erfunden wurden!!!
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2014
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.