Terror in Nigeria Islamisten überfallen Schule und verschleppen Mädchen

Neuer Terror in Nigeria: Islamisten überfielen eine Schule im Norden des westafrikanischen Staates. Nach Angaben von Augenzeugen wurden dabei viele Mädchen verschleppt.


Abuja - Schwer bewaffnete Männer haben am Dienstag im Norden Nigerias eine Schule angegriffen. Dabei seien "zahlreiche Mädchen" entführt worden, berichtete ein örtlicher Behördenvertreter der Nachrichtenagentur AFP.

Die Täter seien in der Nacht mit einem Lastwagen vor die Schule in dem Ort Chibok im Bundesstaat Borno gefahren und hätten den Mädchen befohlen, mitzukommen, meldete der britische Sender BBC. Sie überwältigten demnach die Soldaten, die während der Examenszeit den Schutz des Gebäudes übernommen hatten und stürmten dann die staatliche Schule.

Die Schülerinnen lebten offenbar auch auf dem Gelände. Der Polizeichef der Stadt Maiduguri, Gideon Jibrin, bestätigte der Nachrichtenagentur dpa den Angriff, wollte sich aber nicht zur Zahl eventueller Opfer äußern.

Es seien 100 Schülerinnen verschleppt worden, berichteten Augenzeugen. Zahlreichen Mädchen sei es noch gelungen, von dem Lastwagen zu springen. Die BBC zitierte Quellen, die von 200 entführten Schülerinnen sprachen.

Die Angreifer machten offenbar das ganze Dorf dem Erdboden gleich, die umliegenden Viertel wurden den Angaben zufolge in Brand gesteckt.

Im Nordosten Nigerias ist die Terrorgruppe Boko Haram aktiv, die mit Gewalt für einen islamischen Staat kämpft. Sie hatte bereits in den vergangenen Monaten speziell in der Region Borno zahlreiche Anschläge verübt.

Sicherheitsvorkehrungen erhöht

Erst am Montag waren bei einem Doppelanschlag in einem Busbahnhof der Hauptstadt Abuja mehr als 70 Menschen getötet und rund 120 weitere verletzt worden. Präsident Goodluck Jonathan versprach anschließend, die Extremisten zu besiegen.

Zwar bekannte sich niemand zu dem Anschlag, doch fiel auch hier der Verdacht auf Boko Haram. Es war das schwerste Attentat in Abuja seit einem verheerenden Anschlag auf das Uno-Hauptquartier in der Hauptstadt im Jahre 2011. Damals hatte der Selbstmordattentäter 26 Menschen in den Tod gerissen.

Boko Haram kämpft seit 2009 mit Gewalt für einen islamischen Staat im mehrheitlich muslimischen Norden Nigerias. Die Gruppe verübte regelmäßig blutige Angriffe auf Polizei, Armee und Behörden, aber auch auf Schulen und Kirchen. Die Gruppe, deren Namen übersetzt "westliche Bildung ist Sünde" heißt, hat wiederholt Massaker an Schülern, Studenten und Lehrern begangen.

Für das Weltwirtschaftsforum zu Afrika wurde eine Erhöhung der Sicherheitsvorkehrungen angekündigt. Die Tagung vom 7. bis 9. Mai in Abuja werde von über 6000 Sicherheitskräften geschützt, sagte Finanzministerin Ngozi Okonjo-Iweala am Dienstag. Das sei der größte Einsatz von Sicherheitskräften, "der je in diesem Land für ein internationales Treffen auf die Beine gestellt wurde", schrieb der Minister in einer Mitteilung an die Forumsteilnehmer.



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