Nigeria: Islamistische Sekte bekennt sich zu Terror gegen Christen

Neue Angriffe auf Christen in Nordnigeria: Zwei Anschläge am Freitag kosteten mindestens 28 Menschen das Leben. Zu der Gewaltserie bekannte sich die islamistische Sekte Boko Haram - mit einer perfiden Erklärung.

Addis Abeba - Nigeria kommt nicht zur Ruhe. Am Freitag erschossen Unbekannte mindestens 20 Menschen in einem Haus in der nördlichen Stadt Mubi. Zu dem Angriff sowie zu dem Anschlag auf eine Kirche am Donnerstag bekannte sich die radikalislamische Sekte Boko Haram. Bei einem weiteren Angriff auf Christen im Norden Nigerias sind am späten Freitagabend mindestens acht Menschen getötet worden. Zu diesem zweiten Anschlag bekannte sich zunächst niemand.

Ein Sprecher der Sekte wandte sich mit einer angesichts der Opferzahlen äußerst perfiden Erklärung für die aktuelle Gewaltserie an die nigerianische Presse: "Wir wollen der Regierung von Nigeria zeigen, dass wir unsere Taktik jederzeit ändern können", sagte ein Mann, der sich Abul-Qaqa nannte, der Tageszeitung "The Daily Trust".

Bei dem Anschlag am Freitag wurden weitere 15 Menschen verletzt. Christliche Händler vom Volk der Igbo waren nach Polizeiangaben vor der Eröffnung ihrer Geschäfte in Mubi im Staat Adamawa zu einem Treffen zusammengekommen, als Bewaffnete das Feuer eröffneten.

"Die Bewaffneten riefen: 'Gott ist groß'"

"Wir haben Schüsse durch die Fenster gehört", sagte der Augenzeuge Okey Raymond, der an dem Treffen der Igbo teilnahm. "Jeder hat versucht, sich in Sicherheit zu bringen. Die Bewaffneten riefen: 'Gott ist groß', während sie auf uns schossen." Er habe sich zunächst unter einem Tisch versteckt und sei dann durch die Hintertür geflohen, sagte Raymond.

Der zweite Anschlag im Norden Nigerias ereignete sich laut Nachrichtenagentur AFP am späten Freitagabend. Nach Angaben von Krankenhausmitarbeitern in der Stadt Yola im nordöstlichen Bundesstaat Adamawa wurden nach einem Angriff auf eine Kirche mindestens acht Leichen in das Hospital eingeliefert.

Erst am Donnerstagabend waren sechs Menschen bei einem Anschlag auf eine Kirche in der Stadt Gombe getötet worden. Zehn weitere wurden dabei verletzt, einige von ihnen schwer.

Zuvor war ein Ultimatum abgelaufen, das die Boko Haram am Montag den Christen im Norden gestellt hatte: Sie sollten innerhalb von drei Tagen die Region verlassen, sonst würden weitere Angriffe folgen. Bereits am Mittwoch waren drei Bomben in den nördlichen Städten Maiduguri und Damaturu explodiert. Dabei gab es keine Todesopfer.

Die Sekte, die sich selbst auch die "nigerianischen Taliban" nennt, hatte über Weihnachten bei mehreren Bombenanschlägen auf Kirchen insgesamt mindestens 40 Menschen getötet. Daraufhin verhängte Präsident Goodluck Jonathan vorübergehend den Ausnahmezustand über vier Regionen und ließ die Grenzen zu Nachbarländern schließen.

Die Boko Haram lehnt jeden westlichen Lebensstil und das Christentum strikt ab. Sie terrorisiert schon seit Jahren den Norden Nigerias.

bos/dpa/dapd

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