Hirten gegen Bauern Mehr als 80 Tote bei Kämpfen zwischen Volksgruppen in Nigeria

Kämpfe zwischen nomadischen und sesshaften Volksgruppen in Zentralnigeria haben mindestens 86 Tote gefordert. Die Behörden verhängten eine Ausgangssperre, die Angst vor Vergeltungsangriffen ist groß.

Hirtenjunge im Bundesstaat Benue, aus dem seit Januar 100.000 Menschen geflohen sind
AFP

Hirtenjunge im Bundesstaat Benue, aus dem seit Januar 100.000 Menschen geflohen sind


Bei einem Angriff von bewaffneten Nomaden auf sechs Dörfer in Nigeria sind am Wochenende mindestens 86 Menschen ums Leben gekommen.

Das sagte ein Polizeisprecher des Bezirks Gashish im zentralnigerianischen Bundesstaat Plateau am Sonntag einem örtlichen Fernsehsender. Mindestens 50 Häuser und mehrere Fahrzeuge seien bei dem Angriff am Samstag zerstört worden.

Präsident Muhammadu Buhari sprach von "sehr bedauerlichen Morden in mehreren Gemeinden". Es werde nun seitens des Militärs und der Polizei "nichts unversucht gelassen", um Vergeltungsangriffe zu verhindern, so der Staatschef. Auch der Gouverneur des Plateau-Staates, Simon Bako Lalong, appellierte an die Volksgruppen, Ruhe zu bewahren. "Es ist sehr unglücklich, dass so etwas schon wieder passiert ist", sagte Lalong.

Vergeltungsangriffe sind leider wahrscheinlich: Der Konflikt um Land und Ressourcen in der Region schwelt seit Jahrzehnten. Zusätzlich angefacht wird die Gewalt durch ethnische, religiöse und politische Konflikte. Tausende Menschen wurden in den vergangenen Jahren bei ähnlichen Überfällen und Kämpfen getötet.

Militärpatrouille in einem Slum von Jos, der Hauptstaat des Bundesstaats Plateau (Archiv)
AFP

Militärpatrouille in einem Slum von Jos, der Hauptstaat des Bundesstaats Plateau (Archiv)

Im Bundesstaat Plateau kommt es immer wieder zu Spannungen und Gewalt zwischen primär muslimischen Nomaden und christlichen Bauerngemeinden. In den vergangenen Jahren sind wegen der zunehmenden Trockenheit im Norden des Landes zahlreiche Nomaden mit ihren Kuhherden in die südlicheren Regionen des Landes ausgewichen.

Der aktuellen Attacke ging offenbar ein Angriff von Bauern der Berom-Volksgruppe auf Viehzüchter der Fulani-Volksgruppe voraus. Angesichts der Gewalt wurde am Sonntag eine Ausgangssperre in der Region verhängt, Fernsehbilder vom Samstag zeigten wütende Männergruppen in den Straßen und vor allem Frauen und Kinder auf der Flucht.

cht/dpa/AFP/AP

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