Nigeria: Präsident Yar'Adua erliegt schwerem Herzleiden

Der seit Monaten kranke nigerianische Präsident Umaru Yar'Adua ist tot. Er hatte seine Amtszeit dem Kampf gegen die grassierende Korruption gewidmet. Der bisherige kommissarische Präsident Goodluck Jonathan übernimmt nun vorerst die Amtsgeschäfte.

Umaru Yar'Adua (re.) und Goodluck Jonathan im Wahlkampf: Einsatz für die Demokratie Zur Großansicht
REUTERS

Umaru Yar'Adua (re.) und Goodluck Jonathan im Wahlkampf: Einsatz für die Demokratie

Abuja - Präsident Umaru Yar'Adua wurde nur 58 Jahre alt. Er starb am Mittwoch an einem schweren Herzleiden, teilte das Büro des Präsidenten mit. Der bisher kommissarische Präsident Goodluck Jonathan zeigte sich bestürzt über den Tod Yar'Aduas, der noch am Donnerstag beigesetzt werden soll.

"Es ist wahr, dass der Präsident gestorben ist", sagte ein Mitarbeiter des Präsidenten. Jonathan, der im Februar Yar'Aduas Amtsgeschäfte als Staatsoberhaupt und Regierungschef übernahm, habe die Nachricht des Todes mit "Schock und Trauer" aufgenommen, sagte sein Sprecher Ima Niboro.

Jonathan berief demnach noch in der Nacht zu Donnerstag die Regierung ein, um über die Beisetzung des 58-Jährigen zu entscheiden. Yar'Adua soll am Donnerstag in seinem Heimatstaat Katsina im Norden des Landes nach islamischem Ritual beigesetzt werden. Jonathan erklärte den Donnerstag zudem zum Feiertag für Nigeria und ordnete eine einwöchige Staatstrauer an. In der Zeit sollen sämtliche Fahnen im Land auf Halbmast wehen.

Yar'Adua litt seit mehreren Monaten an Herzbeschwerden. Er war im November nach Saudi-Arabien gereist und dort für drei Monate in einer Klinik behandelt worden. Seitdem trat er nicht öffentlich auf. Im Februar kehrte er überraschend in sein Heimatland zurück, zeigte sich jedoch auch da nicht öffentlich. Auch Informationen über seinen Zustand gab es kaum. Die Gesundheit des 2008 gewählten Präsidenten galt jedoch während seiner gesamten Amtszeit als instabil. Mehrmals hatte er sich in den vergangenen Jahren im Ausland behandeln lassen.

Jonathan übernimmt nun automatisch das Amt des Präsidenten. Er kann bis Mai 2011 Staats- und Regierungschef des bevölkerungsreichsten afrikanischen Landes bleiben. Dann wäre Yar'Aduas Amtszeit ohnehin abgelaufen.

US-Präsident Barack Obama äußerte seine Trauer über die Nachricht des Todes und erklärte, seine Gedanken seien bei der Familie des Präsidenten und den Menschen in Nigeria. Obama würdigte in einer Erklärung Yar'Aduas "leidenschaftlichen Glauben an das Potenzial und die Zukunft seines Landes". Er habe sich stets für Demokratie und gegen Korruption in dem westafrikanischen Land eingesetzt und sich um Frieden in Nigeria bemüht. In dem Land tobt ein religiöser Konflikt zwischen Christen und Muslimen, dem bereits hunderte Menschen zum Opfer fielen.

Auch der Präsident des Nachbarlandes Benin, Boni Yayi, äußerte sich "sehr bestürzt" über den Tod seines Amtskollegen. Sein Land verliere einen "großen Freund" und der Tod sei ein "tragischer Verlust", sagte der Präsident des westafrikanischen Landes.

ler/AFP

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