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Nigeria: Regierung verstärkt Kampf gegen Radikalislamisten

Nigerianische Soldaten: Kampf gegen die Hochburgen von Boko Haram Zur Großansicht
REUTERS

Nigerianische Soldaten: Kampf gegen die Hochburgen von Boko Haram

Nigeria verlegt zahlreiche Soldaten in den Nordosten des Landes. Angesichts des andauernden Terrors der Islamisten im Norden gilt nun in drei Bundesstaaten der Notstand. Ein Ende des Blutvergießens ist nicht in Sicht.

Abuja - Nigerias Präsident Goodluck Jonathan will verstärkt gegen die radikalislamische Sekte Boko Haram vorgehen. In drei Bundesstaaten rief er den Notstand aus und ließ weitere Soldaten dorthin verlegen. So sollen die Hochburgen der Islamisten im Norden des Landes unter Kontrolle gebracht werden. "Wir werden den Krieg gegen den Terrorismus gewinnen, was immer es auch kostet", sagte der Präsident in einer Rundfunkansprache. Der Ausnahmezustand gilt für Borno, Yobe und Adamawa; insgesamt hat Nigeria 36 Bundesstaaten.

Die Armee erklärte am Mittwoch, sie wolle "die Grenzregionen der Nation von Terrornestern befreien". Die Operationen würden eine massive Verlegung von Soldaten und Material beinhalten.

Der Notstand wurde gegen den Willen der Mehrheit der Provinzgouverneure beschlossen. Der Gouverneursrat hatte noch am Montag die Bundesregierung vor diesem Schritt gewarnt, weil er im Kampf gegen die Aufständischen nicht hilfreich sei.

Der Politologe Abubakar Kari (Universität Abuja) sprach in einem Interview des Senders BBC von einer "Kluft" zwischen Zentralregierung und Provinzgouverneuren. Der politische Analyst Abubakar Tilde meinte, die Ausrufung des Notstands werde nicht viel an der Lage im Land ändern. Schon bisher habe starke Militärpräsenz zum Beispiel in Borno nichts an der Dominanz von Boko Haram geändert.

Die Sekte verbreitet seit 2009 vor allem im muslimisch geprägten Norden Nigerias blutigen Terror und verübt immer wieder Anschläge insbesondere auf Christen und Kirchen, aber auch auf staatliche Einrichtungen, Polizeistationen und Lokale mit Alkoholausschank. Ziel ist die Gründung eines islamischen Staates. Erst am Montag hatte sich Sektenchef Abu Shekau in einem Video zur Entführung mehrerer Frauen und Kinder aus dem Nordosten des Landes bekannt. Er forderte die Freilassung inhaftierter Sektenmitglieder. Der Kampf gegen die Christen und ihre Verbündeten werde weitergehen. Der Name Boko Haram bedeutet in der örtlichen Hausa-Sprache so viel wie "westliche Bildung verboten".

Nach Angaben der Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch wurden bei Anschlägen von Boko Haram und anderen islamistischen Splittergruppen seit 2009 mehr als 3600 Menschen getötet.

ler/dpa/AFP

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1. Radikalislamisten ? Wer oder Was ist das?
seneca55 15.05.2013
Ich war bisher wie unser Außenminister überzeugt , dass es nur einen Islam gäbe und der Frieden bedeuten würde, oder? Radikalislamisten sind doch Rebellen, die den Islam nicht verstanden haben, sonst würden sie doch nicht gewalttätig gegenüber ihren Mitmenschen auftreten, um ihre Scharia durchzusetzen, oder? Vielleicht sollte unser Außenminister neben der islamischen Türkei - 80 Millionen Muslime - auch Nigeria in die EU bitten, um deren Probleme mit den Radikalislamisten bei 80 Millionen friedliebender Muslime (50% von 160 Mio. Nigerianern) zu lösen? Wann fährt unser Außenminister Westerwelle nach Nigeria ?
2. Radikalislamismus?
horstu 15.05.2013
Wieder ein Wort gelernt: "Radikalislamisten". Was bedeutet dann "Islamist"? Stehen die jetzt nicht mehr für eine radikale, sondern etwa für eine gemäßigte Auslegung? Bedeutet diese neuerliche Differenzierung eine Akzeptanz des Islamismus durch die Hintertür - und nur der "Radikalislamist" gilt noch als gefährlich?
3. Ich zitiere Herrn Erdogan:
deb2011 15.05.2013
"Es gibt nur einen Islam." Es ist also sinnlos, darüber zu philosophieren, wie man gutsprechlich das so manipulieren kann, dass es schön verpackt beim Leser ankommt. Es gibt daher auch keine "Islamisten" und keine "Radikalislamisten". Denn: Es gibt lediglich einen Islam. Vielleicht erklärt das auch, dass es zu keiner Zeit Demonstrationen von Muslimen gegen Terroranschläge, verübt von ihren Glaubensbrüdern und -schwestern, gegeb hat und auch nicht geben wird.
4. In
intenso1 16.05.2013
Zitat von seneca55Ich war bisher wie unser Außenminister überzeugt , dass es nur einen Islam gäbe und der Frieden bedeuten würde, oder? Radikalislamisten sind doch Rebellen, die den Islam nicht verstanden haben, sonst würden sie doch nicht gewalttätig gegenüber ihren Mitmenschen auftreten, um ihre Scharia durchzusetzen, oder? Vielleicht sollte unser Außenminister neben der islamischen Türkei - 80 Millionen Muslime - auch Nigeria in die EU bitten, um deren Probleme mit den Radikalislamisten bei 80 Millionen friedliebender Muslime (50% von 160 Mio. Nigerianern) zu lösen? Wann fährt unser Außenminister Westerwelle nach Nigeria ?
In jeder Glaubensrichtung gibt es Radikale. Christen, Juden, Islam usw. keine Richtung ist da ausgenommen. Als bestimmende Richtung hat das Christentum es schon lange hinter sich. Bei den Juden flammt es bedrohlich auf. Im Islam nimmt es eine bestimmende bedrohliche Tendenz ein. In allen Ländern des "arabischen Frühlings", in vielen Ländern Afrikas und Asiens sind sie mit brutaler Gewalt auf dem Vormarsch. Sehr viel schlimmer ist es aber, dass sehr viele Politiker des "Westens" davor die Augen verschlissen.
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Fläche: 909.890 km²

Bevölkerung: 183,523 Mio.

Hauptstadt: Abuja

Staats- und Regierungschef: Muhammadu Buhari

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