Anschlag in Nigeria Selbstmordattentäterinnen töten 22 Menschen

Sie attackierten eine Moschee, ihre Taktik war perfide: Im nigerianischen Maiduguri haben sich zwei Selbstmordattentäterinnen kurz hintereinander in die Luft gesprengt und mindestens 22 Menschen getötet.

Militärpatrouille in Maiduguri (Archivbild)
DPA

Militärpatrouille in Maiduguri (Archivbild)


Bei einem Bombenanschlag auf eine Moschee in der nigerianischen Stadt Maiduguri sind am Mittwoch mindestens 22 Menschen getötet und 42 verletzt worden.

Zwei Selbstmordattentäterinnen hatten ihre Sprengstoffgürtel kurz hintereinander zur Explosion gebracht. Eine Angreiferin habe sich als Mann verkleidet und in der Moschee in die Luft gesprengt, sagte ein Augenzeuge der Nachrichtenagentur Reuters. Die zweite Attentäterin detonierte ihre Sprengladung wenig später vor dem Eingang des Gotteshauses, um möglichst viele der Flüchtenden zu töten, berichten mehrere Augenzeugen.

Das Büro von Nigerias Präsidenten Mohammed Buhari verurteilte die Tat scharf. Buhari wurde mit den Worten zitiert, er sei "angewidert von der Nachricht des Bombenanschlags auf unschuldige Betende".

Die Tat erinnerte an frühere Anschläge der islamistischen Terrorgruppe Boko Haram. Obwohl es bislang keine Selbstbezichtigung durch die Gruppe gibt, schrieb ihr der Präsident die Tat zu. Der Anschlag sei ein weiterer Beleg dafür, dass "Boko Haram eine geist- und gottlose Truppe ist, die auf keinen Fall den wahren Islam repräsentiert".

Die sunnitischen Fundamentalisten terrorisieren den Nordosten Nigerias und die angrenzenden Gebiete der Nachbarländer Kamerun, Niger und Tschad. Die Islamisten wollen dort einen sogenannten Gottesstaat errichten.

Im Anschlagsort Maiduguri im Nordosten des Landes hatte die Gewalt der Terrorsekte im Jahr 2009 ihren Ausgang genommen. Im vergangenen Jahr verlegte das nigerianische Militär das Zentralkommando für den Kampf gegen die Terrorgruppe in die Stadt. Bei Boko Haram zugeschrieben Anschlägen wurden seit Beginn ihres Kampfes gegen die nigerianische Regierung mindestens 20.000 Menschen getötet. Die Anschläge treffen meist wahllos Muslime und Nicht-Muslime.

Der Name der Gruppe bedeutet so viel wie "Westliche Bildung ist verboten". Immer wieder griff Boko Haram auch Schulen und Universitäten an. Im April 2014 entführten die Islamisten mehr als 200 Mädchen aus einem Internat in der Stadt Chibok. Einige von ihnen wurden befreit, viele sind nach wie vor verschollen.

Nigerias Militär und auch Präsident Buhari verkündeten schon öfter, Boko Haram sei entscheidend geschwächt oder stehe kurz vor der finalen Niederlage. Zuletzt sagte der Präsident Ende Dezember in eine BBC-Interview, Boko Haram sei "praktisch besiegt". Seitdem vergeht jedoch kaum eine Woche, in der nicht Menschen durch Attentate oder Angriffe im Nigeria oder in angrenzenden Ländern verletzt werden oder sterben.

cht/Reuters/AP/dpa



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